Renaissance der Bausparkassen?

Sachwerte Top News von Erika Neufeld

Bausparverträge büßen seit Jahren an Attraktivität ein. Der Klimawandel und steigende Zinsen geben ihnen nun eine zweite Chance. Wann der Klassiker (nicht) lohnt.

Feiern Bausparverträge eine Renaissance Bild: yuri4u80

Nachdem das Interesse an Bausparverträgen zuletzt deutlich nachgelassen hatte, rücken sie jetzt wieder in den Fokus. Bild: yuri4u80

Die Energiepreise gehen durch die Decke. Im Vergleich zum Jahr 2019 haben sich Strom um 28 Prozent, Gas und Öl um rund 100 Prozent verteuert. Mit energetischen Sanierungen können die Kosten deutlich gesenkt werden. So spart eine klimaneutrale Heizung bis zu 40 Prozent der Heizkosten ein. Kein Wunder also, dass immer mehr Eigentümer planen, ihr Wohneigentum in den nächsten Jahren energetisch auf Vordermann zu bringen.

Doch sind Sanierungsmaßnahmen oft mit hohen Kosten verbunden, die finanziert werden müssen. Und Finanzierungen werden mit steigenden Zinsen wieder teurer. Bausparverträge, deren Bestand in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist, rücken nun wieder in den Fokus. Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Kantar, die im Auftrag des Verbandes Private Bausparkassen erstellt wurde. Demnach halten 26 Prozent der Deutschen Bausparverträge für eine Top-Geldanlage.

Bausparverträge liegen damit gleichauf mit Immobilien. Aktien und Investmentfonds lassen sie sogar hinter sich. Das sah lange Zeit ganz anders aus: In den letzten 20 Jahren ist der Bestand an Bausparverträgen um rund 28 Prozent zurückgegangen. So verzeichneten Bausparkassen im Jahr 2001 noch insgesamt 32,5 Millionen Verträge. Im Jahr 2021 hingegen waren nur noch 23,8 Millionen Bausparverträge im Bestand. Der niedrige Zins der vergangenen Jahre, aber auch Kündigungen alter Verträge durch die Bausparkassen, hätten das Bausparen für viele Kunden unattraktiv gemacht, analysiert Rudolf Feiner, Finanzberater aus Wangen im Allgäu, den Schwund.

Das habe dazu geführt, dass die Produkte bei vielen Menschen aus dem Blickfeld geraten sind. Seine Erfahrung aus der Praxis: „Die wenigsten Ratsuchenden fragen von sich aus nach Bausparverträgen.“

Energetische Sanierungen als Treiber

Doch der Klimawandel und steigende Energiepreise könnten die Kehrtwende bringen: Mit dem Interesse an energetischen Sanierungen wächst auch das nach günstigen Finanzierungen. Darauf reagieren die ersten Bausparkassen. Um die Chancen, die hierin liegen, noch besser zu nutzen, bieten einige bereits spezielle Tarifvarianten an – etwa Zinsvorteile bei energetischen Modernisierungen oder Klima-Boni in Form einer (Teil-)Rückerstattung der Abschlussgebühr, berichtet Christian König, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Privaten Bausparkassen.

So bietet Wüstenrot je nach Tarif einen Klimabonus in Höhe von 300 Euro. Schwäbisch Hall dagegen belohnt Sparer, die ein Bauspardarlehen für energetische Modernisierungen abschließen, mit einem Zinsvorteil von 0,15 Prozent. Weitere Bausparkassen ziehen nach. Zusätzliche Anreize bieten auch staatliche Zulagen, wie etwa die erst im Jahr 2021 erhöhte Wohnungsbauprämie. Mit 70 bis 140 Euro pro Jahr fördert der Staat den Wohnungsbau – die Zulagen können auch für energetische Sanierungen genutzt werden. Die erhöhte Nachfrage schafft Raum für Absatzfantasien.

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