Provisionsverbot: Dramatische Folgen im Königreich

Detlef Pohl Berater Meistgeklickt

 

Die Daten sprechen eine klare Sprache, so BFV-Koordinator Erwin Hausen. In UK sei die Beratungsquote bei Investmentfonds vom Maximum (67 Prozent 2009) auf mittlerweile nur noch konstante elf bis zwölf Prozent gefallen (= 56 Prozent Lücke). Die Schere zwischen „Advised Sales“ und „Non-Advised Sales“ sei erst mit der Einführung des Provisionsverbots ab 2013 aufgegangen.

Diese Tendenz ziehe sich durch weitere Produktgruppen: Bei „Personal Pensions“ – also der Gruppe diverser Altersvorsorgeprodukte – explodiert die Beratungslücke („Advice gap“) auf satte 66 Prozent, obwohl die britische Regierung zwischenzeitlich eine ganze Reihe von Maßnahmen ergriffen hatte, um diesen fatalen Trend zur Altersvorsorge ohne Beratung zu brechen, (Rentenvorschüsse für Beratungshonorare; Steuergutschriften). Seit 2018 sinkt die Beratungsquote bis 2021 mit 34 Prozent wieder auf den schlechtesten Wert seit 2013.

Kein Hinwenden zu Honorarberatung, sondern keine Beratung bei 66 Prozent

Spannend: Das absolute Wachstum im Segment „Personal Pensions“ bei den Neuabschlüssen geht auch an den Honorarberaten vorbei. Der Zuwachs im Neugeschäft entfällt fast ausschließlich auf ‚Non-advised sales‘, im Beratungssegment ist das Neugeschäft rückläufig. „Anlegerschutz oder Beratungsqualität haben sich durch Einführung eines Provisionsverbotes für die Gesamtbevölkerung nicht verbessert“, so Hausen. Die Gründe für diese messbaren Fehlentwicklungen seien eine direkte Folge des Provisionsverbots und die damit einhergehenden Verwerfungen auf dem Berater-Markt im Königreich.

Dies habe auch zuletzt die Evaluierung der FCA zur Finanzmarktreform und zum Provisionsverbot ergeben: Der Markt für Beratung ist wettbewerbsschwach. Es gibt formale und faktische Mindestanlagegrenzen für den Zugang zur Beratung. Die vermeintlichen Hoffnungsträger Robo-Advisors sind bisher nur ein Nischenthema. Es herrscht nur geringe Zahlungsbereitschaft für Honorare bzw. ein Missverhältnis von Zahlungsbereitschaft und marktüblichen Honoraren.

Erfolgreich in politische Regulierung eingemischt

„Gemeinsam mit Berufsverbänden der Versicherungsmakler und freien Vermittler konnten wir seit Gründung der BFV 2014 gravierende Fehlentwicklungen bei gesetzgeberischen Vorhaben in Deutschland verhindern und einen großen Teil der drohenden bürokratischen Mehraufwendungen abmildern“, sagt Hausen gegenüber procontra.

Dazu gehörte auch die Anregung zu Protestbriefen der Makler gegen den LV-Provisionsdeckel und die Entlarvung falscher Zahlen der BaFin zur Begründung des Provisionsdeckels. Aktuell beschäftigt sich die BFV kritisch mit der Idee der BaFin, einen Provisionsrichtwert einzuführen.

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