Provisionsverbot: Dramatische Folgen im Königreich

Detlef Pohl Berater Meistgeklickt

Die Folgen für die Beratung zur Altersvorsorge sind nach Einführung des Provisionsverbotes in Großbritannien verheerend. Darüber berichten Verbraucherverbände leider nicht.

Was die Beratung zu Vermögen und Altersvorsorge angeht, gehört die britische Flagge seit dem Provisionsverbot 2013 eigentlich auf Halbmast, denn nur ein Drittel der Bürger erhält noch Beratung. Bild: tintin75

Was die Beratung zu Vermögen und Altersvorsorge angeht, gehört die britische Flagge seit dem Provisionsverbot 2013 eigentlich auf Halbmast, denn nur ein Drittel der Bürger erhält noch Beratung. Bild: tintin75

Vorab das Ergebnis einer kürzlichen Yougov-Umfrage unter über 1.000 Menschen zwischen 18 und 79 im Auftrag von Swiss Life: 61 Prozent der Deutschen finden es zunehmend schwieriger, die richtigen Vorsorge- und Finanzentscheidungen zu treffen. Zudem sind mehr als die Hälfte finanziell nicht auf unerwartete Wendungen im Leben vorbereitet. „Die Studienergebnisse bestätigen, wie hoch der Beratungsbedarf in Deutschland ist“, sagt Jörg Arnold, CEO von Swiss Life Deutschland.

Spannend ist dabei, dass 45 Prozent der Umfrageteilnehmer in der Vergangenheit auch schon mindestens einmal eine wichtige finanzielle Entscheidung getroffen haben, die sie später gerne rückgängig gemacht hätten. Dabei hat rund ein Drittel sogar schon einmal eine größere Menge Geld verloren, weil er oder sie sich im Vorfeld nicht sorgfältig genug informiert hatte.

Rund ein Viertel würde sich nachträglich lieber beraten lassen. Das gilt gerade für 24 Prozent der Generation der Babyboomer (Jahrgang 1946 bis 1964) und 21 Prozent der Generation X (Jahrgang 1965 bis 1980). Millenials bevorzugen bislang eher eine Super-App. „Eine kompetente und empathische Beratung hat jedoch eine besondere Relevanz für die Altersversorgung, Absicherung und Vermögensaufbau in Deutschland“, so Arnold.

Desaster in Großbritannien durch Provisionsverbot

Unter diesen Vorzeichen überrascht eine neue Nachricht der britischen Finanzaufsicht FCA nicht: Seit Einführung des Provisionsverbots 2013 für Retail-Produkte samt kapitalbildender Altersvorsorge-Versicherungen tun sich für die Bewohner Großbritanniens erhebliche Beratungslücken auf. Die negativen Auswirkungen des Provisionsverbotes werden durch aktuelle Daten von 2021 im „Retail Investments Product Data Sales“ belegt, auf die die Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Versicherungsmakler (BFV) hinweist. Mitglieder sind inzwischen zehn mittelständische Versicherer.

Ergebnis der FCA-Statistik: Die Beratungsquote in den meisten der neun Retail-Produktgruppen mit insgesamt 30 erfassten Retail-Anlagevehikeln seit Einführung des Provisionsverbots sinkt bzw. geht teilweise drastisch zurück. Rückschlüsse auf die Beratungsquote sind dadurch möglich, dass die FCA für Neuabschlüsse in den Produktgruppen jeweils gesondert „Advised-sales“ sowie „Non-advised sales“ erfasst. Erstere sind Abschlüsse durch Beratungen; letztere erfassen Vermittlungen, ‚Execution only‘ und den Direktvertrieb.

Beratungsquote zu Fonds und Altersvorsorge eingebrochen

Unternehmen, die im Vereinigten Königreich Produktabschlüsse bei Privatkunden oder Verbrauchern als ‚Retail Investments Product Sales Data‘ (PSD) an die FCA melden müssen, sind insbesondere Versicherer, Verwalter alternativer Investmentfonds (AIF) oder von Investmentfonds (OGAW), Betreiber von Investmentfonds-Sparplänen oder privaten Altersvorsorgeplänen. Für 2021 lieferten 238 Unternehmen Retail-PSD an die Aufsicht.

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