pro/contra: Schrecken strenge Pflichten für Vermittler den Nachwuchs ab?

Gastkommentar Berater Top News

 

Axel Kleinlein (Vorstandsvorsitzender des BdV): Contra

Keine Frage, man müsste diese Aussage bejahen – wenn man den Blick nur auf die Beraterinnen und Berater hat und dabei auch noch eher kurzsichtig ist. Wer auf das schnelle Geschäft aus ist, wer sein eigenes Einkommen in den Mittelpunkt stellt und wem die Kundeninteressen weniger wichtig sind, der ist gut beraten, sich über Regulatorik zu echauffieren. 

Wer die Kundinnen und Kunden ernst nimmt, der sollte jedoch erkennen, dass gute Regulatorik sogar hilft. Sie wirkt zum Beispiel an drei Stellen positiv: Wenn schwarze Schafe ausgesondert werden, wenn die Produkte besser werden und wenn die Bedeutung der Beratung gestärkt wird – dann läuft auch das Geschäft besser.

Zu den „schwarzen Schafen“: Wenn Regeln gelten, dann werden automatisch diejenigen ausgesondert, die sich nicht an diese Regeln halten wollen oder können. Zum Beispiel ist es besser, wenn wenigstens ein Mindestniveau in der Ausbildung gesichert ist, als wenn ohne Regulatorik noch nicht einmal rudimentäres Wissen vorgehalten werden muss.

Regulatorik muss angemessen sein

„Bessere Produkte“: Die Finanzunternehmen müssen sich dank Regulatorik ein bisschen mehr anstrengen, wenn sie neue Produkte auf den Markt bringen wollen. Zum einen sind sie bei der Produktentwicklung schon einer Regulatorik unterworfen. Zum anderen sind Beraterinnen und Berater auch regulatorisch gefordert, auf die Qualität der Verträge zu achten, die sie verkaufen.

„Stärkung der Rolle der Beratung“: Ein vernünftiger regulierter Rahmen führt automatisch zu einer Professionalisierung und damit zu einer Stärkung der Rolle der Beratung. Wer sich erfolgreich strengen Regeln unterwirft, dem nehme ich viel eher ab, dass er Beratung mit Ernsthaftigkeit betreibt, als wenn mir jemand als Feierabendvertreterin oder -vertreter nebenbei Verträge verticken möchte.

Wichtig bei der Regulatorik: Sie muss angemessen sein. Je besser ein Markt sich selbst organisiert, umso geringer kann die Regulatorik ausfallen. Bei der Versicherungsvermittlung in Deutschland sieht es da aber schlecht aus. Das Fehlverhalten Weniger zwingt die Regulatorik zu härteren Maßnahmen, um Auswüchse einfangen zu können. Dabei kommt es nicht unbedingt darauf an, wie oft ein solcher Missstand auftritt, sondern eben auf das jeweilige Ausmaß. Da reicht auch schon ein einziger vom Versicherungsunternehmen organisierter Bordellbesuch in Budapest aus, zu dem die Vertreter bereitwillig gehen.

Daher mein Rat: Sorgen Sie dafür, dass es in ihrer Branche sauber zugeht! Gewinnen Sie durch gute Arbeit das Vertrauen von Verbraucherinnen und Verbrauchern, Politik und Medien! Sortieren Sie die schwarzen Schafe von vornherein freiwillig aus, ohne dass durch Regulatorik Druck ausgeübt werden muss! Das überzeugt mehr, als das ewige Jammern über die Regulatorik.

Seite 1: Anforderungen steigen, ohne dass dies zusätzlich vergütet wird
Seite 2:
Je besser sich ein Markt selbst organisiert, umso geringer kann Regulatorik ausfallen