pro/contra: Schrecken strenge Pflichten für Vermittler den Nachwuchs ab?

Gastkommentar Berater Top News

Die Branche krankt am Nachwuchsmangel: Immer weniger Berufsanfänger suchen den Weg ins Maklerbusiness. Leidet das Vermittler-Image durch die straffen regulatorischen Vorgaben der Politik? Darüber diskutieren BVK-Präsident Michael H. Heinz und BdV-Vorstandsvorsitzender Axel Kleinlein.

Hemmschuh Bild: BVK/BdV

Beschädigen strenge regulatorische Vorgaben für den Beratungsalltag das Makler-Image? BVK-Präsident Michael H. Heinz (links) und BdV-Vorstandsvorsitzender Axel Kleinlein (rechts) sind darüber geteilter Meinung. Bild: BVK/BdV

Michael H. Heinz (BVK-Präsident): Pro

In den vergangenen zwei Dekaden sind viele Gesetze und Regulierungen in der Vermittler- und Versicherungsbranche in Kraft getreten. Mit der Umsetzung der EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD wurden auch viele deutschen Gesetze geändert, die die Vertriebspraxis der Versicherungsvermittler unmittelbar betreffen, beispielsweise das Versicherungsaufsichtsgesetz, das Versicherungsvertragsgesetz und die Versicherungsvermittlungsverordnung. Es sind alles komplexe Gesetze und Regulierungen, die den Berufsstand der Versicherungsvermittler und seine Vertriebspraxis tiefgreifend verändert haben.

Jetzt ringen wir um Provisionsrichtwerte und -begrenzungen, um eine Reform der privaten Altersvorsorge angesichts des anstehenden Ausscheidens Millionen von Babyboomern aus dem Erwerbsleben in den kommenden Jahren. Die Liste ließe sich beliebig mit der Debatte, wie die Finanz- und Versicherungsbranche Nachhaltigkeitskriterien erfüllen soll, fortführen.

Die Wirkung beschlossener Gesetze überprüfen

Wir stellen also fest: Die Vermittlerbranche wird immer stärker reguliert, die Anforderungen steigen stetig, ohne dass dies zusätzlich vergütet wird. Im Gegenteil werden fast im Gleichklang zusätzliche Vermittlerpflichten eingeführt und Provisionsbegrenzungen diskutiert.

Andererseits klagt die Vermittlerbranche seit Jahren über Nachwuchsmangel. Dieser wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen, wenn viele Versicherungsvermittler der Babyboomer-Generation in ihren wohlverdienten Ruhestand treten. Deshalb treten wir vom Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) seit Jahren dafür ein, maßvoll und mit Augenmaß zu regulieren, um diejenigen nicht abzuschrecken, die den sozialpolitisch wichtigen Beruf der Versicherungskauffrau und -mannes ergreifen möchten. Denn wie soll dieser Beruf für junge Menschen attraktiv sein, wenn die Anforderungen steigen und die Verdienstmöglichkeiten sinken und sich hier eine Scherenbewegung auftut?

Daher mischt sich der BVK als Interessenverband für die Vermittler Deutschlands wortstark in die Debatte um weitere Regulierung ein und macht angesichts des allerorten beklagten Nachwuchsmangels den politischen Entscheidungsträgern klar, dass hier dringend eine Abkehr von diesem Weg nötig ist. Auch startete der BVK mit den „BVK-Junioren“ eine Initiative, um gegen den Trend des Nachwuchsmangels zu halten.

Doch abgesehen von der Nachwuchsproblematik hat die Vermittlerbranche, wie eingangs skizziert, in den letzten Jahren viele neue gesetzliche Vorgaben erfüllen müssen, die ihren sozialpolitischen Auftrag der Absicherung weiter Bevölkerungskreise konterkarieren. Deshalb setzen wir uns dafür ein, die Wirkung der bereits beschlossenen und in Kraft getretenen Gesetze und Verordnungen zu überprüfen, anstatt aus falsch verstandenem Verbraucherschutz aktionistisch immer weitere zu erschaffen und den Vermittlerberuf zu verleiden.

Seite 1: Anforderungen steigen, ohne dass dies zusätzlich vergütet wird
Seite 2: Je besser sich ein Markt selbst organisiert, umso geringer kann Regulatorik ausfallen