Nach Ärger um Alkohol-Klausel: Reisekrankenversicherer lenken ein

Hannah Petersohn Versicherungen

Kürzlich wurde bekannt, dass Versicherungsnehmern von ADAC, Europ Assistance und der Bayerischen der Krankenschutz im Urlaub verwehrt bleiben könnte, wenn sie zuvor Alkohol konsumiert haben. Von dieser Missbrauchsklausel nehmen die Unternehmen nun Abstand.

Nach Ärger um Alkohol-Klausel: Reisekrankenversicherer lenken ein Bild: Orbon Alija

Kein Krankenschutz im Urlaub nach einem Bier? Eine solche Klausel in den Versicherungsbedingungen machte kürzlich Schlagzeilen. Die Versicherer haben nun eingelenkt. Bild: Orbon Alija

Sangria, Scotch oder Shirley Temple? Das mag für den einen oder anderen derzeit im Urlaub die große Frage sein. Doch manch einer musste zuvor die Vertragsbedingungen in seiner Reisekrankenpolice studieren. Schließlich konnte ein Tropfen zu viel bereits den Versicherungsschutz kosten. Kürzlich machte der Bund der Versicherten (BdV) auf diesen, für Versicherungsnehmer nicht unwesentlichen Passus aufmerksam.

Demnach haben die drei Versicherer ADAC, Europ Assistance SA und BA sowie die Bayerische bisher keinen Leistungsfall akzeptiert, der aus einem Alkohol- beziehungsweise anderweitigen Drogenmissbrauch resultierte. Grund genug für den BdV, die drei Unternehmen abzumahnen.

Am Montag haben die Anbieter nun eingelenkt und eine Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung unterzeichnet, die der BdV angenommen hat. Damit verzichten die Reiseversicherer in ihren Vertragswerken künftig auf besagte Ausschlussklauseln, wie der BdV mitteilte.

„Wir freuen uns, dass die drei Reiseversicherer unserer Forderung nachkommen und auf die beliebig interpretierbare Ausschlussklausel verzichten. Versicherungsnehmerinnen und Versicherungsnehmer können sich ab jetzt auf die Leistungen während ihres Urlaubs verlassen – auch, wenn sie mal einen Drink zu viel hatten“, sagt Stephen Rehmke, Vorstand beim BdV.

Unverständlich, benachteiligend, schlicht unwirksam“

Der BdV hatte zuvor kritisiert, dass unklar sei, wie die Versicherer den „Missbrauch“ der Genussmittel definieren. In den Vertragsbedingungen las sich der entsprechende Passus wie folgt:

„Kein Versicherungsschutz besteht (…) für vorsätzlich herbeigeführte oder auf der missbräuchlichen Verwendung von Medikamenten, Drogen, Alkohol oder Sucht beruhenden Erkrankungen und Verletzungen und deren Folgen (...).“  (ADAC)

„Erkrankungen und Unfälle, die ursächlich auf Alkohol-, Drogen-, oder Medikamentenmissbrauch der versicherten Person zurückzuführen sind, sind ebenfalls nicht versichert.“ (Bayerische)

Die Verbraucherschützer fürchteten, dass auch falschdosierte Medikamente, die eine ärztliche Behandlung erfordern, Versicherungsnehmern durch die Klauseln auf die Füße fallen könnten. „Die fraglichen Klauseln sind für Versicherte unverständlich und benachteiligend – und damit schlicht unwirksam“, behauptet BdV-Vorstand Stephen Rehmke. Tatsächlich haben die Versicherer die Kritik ernstgenommen und zeitnah ihre Kooperationsbereitschaft signalisiert.

Sowohl Neu- als auch Bestandskunden brauchen von nun an also keine Sorgen mehr zu haben, dass ihnen die Übernahme einer Behandlung nach dem Genuss von Alkohol verweigert wird. „Die Versicherer berufen sich bei Altverträgen ab sofort nicht mehr auf die Ausschlussklausel. Für Neuverträge gewähren wir den Versicherern wunschgemäß Aufbrauchfristen, also verlängerte Umsetzungsfristen. Denn während elektronische Dokumente relativ schnell angepasst werden können, ist bei Verträgen in Papierform, die bereits bei Vertrieben und Reisebüros im Umlauf sind, mehr Vorlauf erforderlich“, so Rehmke.