Kosten bei Fondspolicen „Es fehlt an einer gesamtheitlichen Betrachtung der Kombiprodukte“

Detlef Pohl Berater Top News

Die BaFin bemängelt hohe Kosten bei Fondspolicen, Verbraucherschützer legen bei der Kritik nach. Die Produkte müssten jedoch gesamtheitlich betrachtet werden, mahnt Thomas Leithoff, Leiter Recht beim Versicherungsmakler Impuls Finanzmanagement AG.

Thomas Leithoff, langjähriger Marktkenner für Fondspolicen und heute Leiter Recht beim Versicherungsmakler Impuls Finanzmanagement AG, Bild:privat

Thomas Leithoff, langjähriger Marktkenner für Fondspolicen und heute Leiter Recht beim Versicherungsmakler Impuls Finanzmanagement AG, Bild:privat

procontra: Herr Leithoff, die Kritik an der Transparenz der Kosten bei Fondspolicen ist so alt wie das Produkt selbst. Woran hakt es?

Thomas Leithoff: Es fehlt an einer gesamtheitlichen Betrachtung der Kombiprodukte. Obwohl Versicherung und Kapitalanlage in einem Haus beaufsichtigt wird, scheint es der BaFin nicht möglich, die Erkenntnismöglichkeiten aus der Aufsicht Kapitalanlage mit den Kenntnissen aus dem Bereich Versicherung zu kombinieren. Versicherer legen der Aufsicht ihre Kalkulation sowie Einnahmen und Kosten umfassend offen, die Rückvergütungen der KAG werden dort seit vielen Jahren als überschussberechtigte Einnahmen verbucht. Ein im Detailgrad der Versicherungsberichtserstattungsverordnung vergleichbares Aufsichtsinstrument für Kapitalanlagevermögen ist nicht ersichtlich. Eine Lücke dieser Art könnte die Aufsicht schließen.

procontra: Kürzlich hat die BaFin einen besseren Ausweis der Rückvergütungen von Fondsgesellschaften an Versicherer angemahnt. Was läuft schief?

Leithoff: Die Verfasser des Artikels im BaFin-Journal 03/22 erkennen das Problem, suchen die Lösung aber nur auf Seiten der Versicherer. Ein ganzheitlicher Blick auf die Produktkombination wäre nötig.

procontra: Solche Rückvergütungen sind streng genommen keine Provision. Warum nicht?

Leithoff: Provision ist Entgelt für erfolgreiche Vermittlungsbemühung zwischen zwei fremden Parteien. Ein Versicherer kauft auf eigene Rechnung. Das sind unterschiedliche Sachverhalte.

procontra: Werden die Kostenvorteile durch Kickbacks an Maklerkunden weitergegeben?

Leithoff: Die Rückvergütungen der KAG sind aus aufsichtsrechtlicher Sicht überschussberechtigte Einnahmen und werden entsprechend verbucht. An dem Ergebnis sind die Versicherungsnehmer zu mindestens 50 Prozent beteiligt.

procontra: Und die andere Hälfte?

Leithoff: Sind Erträge des Versicherers, die er nach allgemeinen kaufmännischen Regeln verwenden kann. Versicherer handhaben das unterschiedlich, einige buchen einen höheren Teil in die Überschussbeteiligung.

procontra: Wie kann der Makler Anbieter meiden, die Interessenkonflikte schüren?

Leithoff: Indem er seinen Kunden verbindlich erklärt, dass er oder ein ihm verbundenes Unternehmen von KAG für die Vermittlung von Fondspolicen keine Vergütung erhält.

procontra: Die DVAG kassiert bei Fondspolicen der Generali doppelt ab – über eigene Spezialfonds bei der DWS. Ist das nur für Finanzvertriebe typisch?

Leithoff: Fonds, die ausschließlich für oder durch einen bestimmten Vertrieb aufgelegt werden, sind ebenso wie Fonds, die unter gleicher Bezeichnung verschiedene Anteilklassen führen, prädestiniert, Interessenkonflikte auszulösen. Einem Makler stehen bei der Empfehlung von Fondspolicen mit Publikumsfonds solche Konstruktionen aber gar nicht zur Verfügung.

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