Kfz-Versicherung: Die Schuld liegt nicht immer beim Hintermann

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Ein Auffahrunfall ist schnell passiert, eine kleine Ablenkung reicht. Doch nicht immer ist die Schuld danach beim Auffahrenden zu suchen, wie ein aktuelles Urteil aus München unterstreicht.

Auffahrunfall Bild: RobertCrum

Bei einem Auffahrunfall haftet nicht zwingend der Hintermann, befand das OLG München in einem aktuellen Urteil. Bild: RobertCrum

Bei einem Auffahrunfall wird in der Regel davon ausgegangen, dass der Auffahrende die Schuld trägt. Dass dies jedoch nicht immer der Fall sein muss, zeigt ein aktuelles Urteil des Münchener Oberlandesgerichts (Az: 10 U 7411/21), über das diese Woche der ADAC berichtete.

Was war passiert?  

In einer Ortschaft war es zu einem Überholmanöver gekommen. Kurze Zeit nach Beendigung des Überholmanövers bremste der Fahrer des überholenden Fahrzeugs stark ab, da eine Ampel vor ihm auf gelb sprang. Der Überholte konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr auf seinen Vordermann auf. Über die Frage der Schuld konnten sich die beiden Unfallparteien beziehungsweise ihre Versicherungen nicht einigen. Während die Versicherung des Überholers argumentierte, dass der Hintermann keinen ausreichenden Sicherheitsabstand zum Vordermann eingehalten hatte, fand die Versicherung des Auffahrenden, dass der Überholvorgang ursächlich für den Unfall gewesen war.  

Nachdem das Landgericht eine Haftungsquote von 60 zu 40 zu Lasten des Auffahrenden festlegte, landete der Fall vor dem Münchener Oberlandesgericht.  

Dieses widersprach seiner Vorgängerinstanz. So habe der Auffahrende durch den Überholvorgang mit knappem Einscheren keine Möglichkeit mehr gehabt, einen ausreichenden Sicherheitsabstand aufzubauen.

Der Unfall sei eine direkte Folge des Überholmanövers zu werten. Der Überholende hätte sicherstellen müssen, mit dem Manöver keine anderen Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Diese gesteigerte Sorgfaltspflicht habe er aber vernachlässigt, so dass er allein für den Unfall verantwortlich sei. Eine Revision gegen das Urteil ließ das Gericht nicht zu.