Immobilien: Immer mehr Eigentümer setzen auf den Teilverkauf

Anne Mareile Walter Sachwerte

Um Kredite abzulösen oder sich den Reisetraum im Ruhestand zu erfüllen – wenn Immobilienbesitzer Vermögen aus den eigenen vier Wänden in Bargeld umwandeln, kann das unterschiedliche Gründe haben. Derzeit findet diese Finanzierungsmethode immer mehr Anhänger.

Teilverkauf Bild: JohnnyGreig

Sich langgehegte Wünsche erfüllen und die eigene Immobilie trotzdem weiter nutzen: Vor allem Rentner entscheiden sich für einen Teilverkauf der eigenen vier Wände. Bild: JohnnyGreig

65 Jahre alt, norddeutsch, schuldenfrei: Mit diesen Eigenschaften ist der typische Immobilieneigentümer umrissen, der sich für einen Teilverkauf des eigenen Domizils entscheidet. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Teilverkauf-Portals wertfaktor hervor. Demnach ist es offenbar ein Trend geworden, Vermögen aus dem Haus oder der Wohnung in Bargeld umzuwandeln und dabei die Immobilie weiterhin selbstbestimmt zu nutzen. So hätten sich zwischen dem ersten Halbjahr 2021 und dem ersten Halbjahr 2022 die Anfragen von Eigentümern nach einem Teilverkauf nahezu verzehnfacht.

Teilverkäufe besonders im Norden beliebt

Wertfaktor-Geschäftsführer Christoph Neuhaus berichtet: „Durch­schnittlich wünschen sich unsere Miteigentümer einen Auszahlungsbetrag von 193.210 Euro.“ Die Gründe, sich schnell Liquidität zu verschaffen, seien vollkommen unterschiedlich – das könne der Traum vom Wohnmobil oder der Ferienimmobilie sein oder der Wunsch, die Zeit im Ruhestand für Reisen zu nutzen. So sei auch ein Großteil der Miteigentümer Rentner. „Sie wollen das Vermögen, das sie sich über ihr Arbeitsleben aufgebaut haben, genießen“, sagt Neuhaus.

Bei einem Teil der Immobilienbesitzer ist die finanzielle Not offenbar drängender: So haben 23 Prozent der „Teilverkäufer“ noch eine Immobilien­hypothek, die sie ablösen möchten. 45 Prozent äußern den Wunsch, mit einem Teil des Erlöses einen Kredit begleichen zu wollen. „Sie möchten sich nach vielen Jahren an Rückzahlungen einfach unabhängig von Banken machen – und zwar mit Mitteln aus ihrem eigenen Vermögen“, so Neuhaus.

Besonders beliebt ist der Teilverkauf im Norden Deutschlands. Die meisten Teilverkäufe pro Einwohner gebe es in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachen und Bremen. Dabei entschließen sich in Schleswig-Holstein doppelt so viele Eigentümer für den Verkauf eines Immobilienanteils wie im bundesweiten Durchschnitt. Darauf folgt an zweiter Stelle Hessen.  

Immobilie kann weiter bewohnt und vererbt werden

Das Prinzip des Teilverkaufs: Bis zu 50 Prozent des Eigenheims werden zum aktuellen Marktwert an den Teilverkauf-Anbieter wertfaktor veräußert. Durch dieses Konzept können die Eigentümer ihre Immobilie weiter bewohnen, vermieten oder vererben, sie können sie aber auch mit dem neu gewonnenen Miteigentümer weiterverkaufen. Dabei erwirbt wertfaktor im Schnitt einen Anteil von 42 Prozent, die durchschnittlich ausgezahlte Summe liegt bei 197.800 Euro.