Immer weniger Deutsche können sich eine Immobilie leisten

Anne Mareile Walter Sachwerte

Zinswende, Ukraine-Krieg, Inflation: Welche Auswirkungen hat das auf die Baufinanzierung? Wird das Eigenheim jetzt für immer mehr Menschen unerschwinglich? Eine aktuelle Analyse gibt Aufschluss.

Hauskauf Bild: Nastco

Zinswende und steigende Immobilienpreise: Welchen Effekt hat das auf das Verhalten von Immobilienkäufern? Bild: Nastco

Konstant klettern die Preise für Baumaterial, Rohstoffe und Immobilien in die Höhe, die Hypothekenzinsen steigen – das hat Auswirkungen auf die Nachfrage: Für immer mehr Bevölkerungsgruppen ist der Immobilienkauf mittlerweile unerschwinglich geworden. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Marktkompass Baufinanzierung, der von der Finanzberatung FMH X in Kooperation mit dem Analyseinstitut SWI Finance jetzt veröffentlicht wurde.

Demnach müssten aktuell viele Immobilienkäufer fast ihr „komplettes Vermögen in Immobilien investieren, um das in 2022 durchschnittlich eingesetzte Eigenkapital aufzubringen“. Mehr als 20.000 Anfragen, die zwischen 2016 und 2022 beim Online-Baufinanzierungsrechner der FMH-Finanzberatung eingingen, wurden für die Studie ausgewertet. Zusätzlich wurde unter 2.000 Personen eine Online-Umfrage durchgeführt.

Kaufinteressenten fahren das Eigenkapital hoch

Dabei kommt die Analyse zu dem Ergebnis: Auf die steigenden Preise reagierten die Interessenten, indem sie ihr Eigenkapital hochfuhren. Dieses erhöhte sich von durchschnittlich 90.000 Euro in 2016 auf 190.000 Euro in 2022. Parallel würden Schenkungen und Erbschaften immer wichtiger: Ein Drittel der Befragten aus der Online-Erhebung kalkuliert diese mit ein.

Ebenfalls ein Drittel gab an, mit dem Gedanken zu spielen, sich in den kommenden drei Jahren eine Immobilie zu kaufen. Das größte Interesse äußerte dabei die Altersgruppe der 26- bis 30-Jährigen (mehr als 50 Prozent). Je älter die Befragten, desto weniger ausgeprägt war ihr Wunsch nach den eigenen vier Wänden. Haushalte, die weniger als 2.000 Euro im Monat zur Verfügung haben, zeigen dabei nur ein verhältnismäßig geringes Interesse am Immobilienkauf (16 Prozent). Fast die Hälfte der Befragte, die monatlich 6.000 Euro oder mehr auf dem Konto haben, kalkulieren mit einer Erbschaft der Schenkung.

Im untersuchten Zeitraum stiegen die Immobilienpreise stärker als Einkommen und Mieten. Aus diesem Grund erhöhte sich in den vergangenen Jahren die Eigenkapitalquote massiv. Lag sie 2016 noch bei 26 Prozent der angefragten Kaufpreise, beträgt sie heute rund 34 Prozent.

Ende 2022 vier Prozent Zinsen für ein Darlehen

Für Ende 2022 sagen die FMH-Experten vier Prozent Zinsen für ein Baudarlehen mit zehnjähriger Festschreibung voraus. Die Reaktion der Käufer: Sie versuchen, die Finanzierung zu strecken. Dementsprechend seien vom durchschnittlichen Maximum im Jahr 2018 mit einer durchschnittlichen Tilgung von 4,2 Prozent die Raten um fast ein Viertel auf 3,4 Prozent gesunken, heißt es in der Studie. Zugleich stiegen die durchschnittlichen Kreditlaufzeiten bei den Anfragen, die nun über 30 Jahre liegen. „Es häufen sich die Anzeichen, dass die Situation für Immobilien-Interessenten zunehmend kritisch wird“, warnen die Studien-Autoren.

Zudem offenbart die Erhebung: Für mehr als drei Viertel ist beim Thema Immobilienkauf die Beratung vor Ort weiterhin wichtig. Dabei kommen für ein Drittel der Befragten Vermittler in Frage. Ein Fünftel kann hingegen mit dem Begriff Baufinanzierungsvermittler überhaupt nichts anfangen.