Fonds: Wie Regulierung und Börse die Branche beuteln

Detlef Pohl Investmentfonds

Nach dem Rekordhoch im Vorjahr trifft es die Fondsbranche jetzt hart. Krieg, Wirtschaftskrise, Inflation und Zinssenkungen ziehen insbesondere die Aktienkurse runter. Zusätzlich belasten neue Regulierungsmaßnahmen den Fondsvertrieb.

Die anstehende Überarbeitung der europäischen Finanzmarktrichtlinie könnte ein Provisionsverbot für 34f-Vermittler auf die Tagesordnung setzen, obwohl der Sinn in Frage steht. Bild: Andrii Yalanskyi

Die anstehende Überarbeitung der europäischen Finanzmarktrichtlinie könnte ein Provisionsverbot für 34f-Vermittler auf die Tagesordnung setzen, obwohl der Sinn in Frage steht. Bild: Andrii Yalanskyi

Privatanleger haben 2021 zu 90 Prozent das Neugeschäft in Publikumsfonds bestimmt, ergab die Bilanz des Fondsverbandes BVI. Doch der Einbruch folgte speziell durch die russische Invasion der Ukraine und die folgenden Sanktionen gegen Russland, Wirtschaftskrise, Inflation und Zinserhöhungen einiger Notenbanken. Der Absatz in Deutschland brach im ersten Quartal 2022 um die Hälfte ein, so der BVI. Von der erhofften kurzfristigen Kurskorrektur kann keine Rede mehr sein. Der DAX verlor in den letzten drei Monaten nochmals 13 Prozent.

Was hilft bei niedrigen und weiter sinkenden Aktienkursen? Antwort auf diese Fragen erhoffen sich nicht zuletzt unabhängige Fondsvermittler mit Zulassung nach Paragraf 34f Gewerbeordnung, um ihre Kunden bei der Stange zu halten. „Es besteht kein Anlass zur Panik“, sagte Finanzanalytiker Volker Looman kürzlich in procontra. Er rät zur einfachen Strukturierung des Vermögens.

Auf die besten Fonds schauen

Dabei können 34f-Berater helfen und aus der Breite des Marktes schöpfen, allerdings sollten bei der Auswahl solche Aktienfonds im Vordergrund stehen, die ihren Referenzindex schlagen. Doch weniger als drei von zehn aktiv gemanagten Fonds haben 2021 ihren Vergleichsindex geschlagen, ergab eine Untersuchung des Analysehauses Scope.

Aktienfonds machten im vergangenen Jahr 43 Prozent des offenen Publikumsfonds-Marktes aus, zeigt das Jahrbuch „BVI 2022. Daten. Fakten. Perspektiven“. Dies sei mit 633 Milliarden Euro der höchste Wert seit dem Jahr 2001 gewesen, wobei ein nicht exakt ausweisbarer Anteil an Aktien-ETF Teil der Bilanz sei. Hinzu kommen 403 Milliarden Euro an Mischfonds. Trotz der aktuellen Rückschläge rechnet der BVI angesichts hoher Inflation nicht mit nachhaltigen Rücksetzern bei Aktienfonds. „Bisher haben die Anleger vergleichsweise besonnen reagiert“, lässt sich BVI Hauptgeschäftsführer Thomas Richter im Vorwort des Jahrbuches zitieren.

Ambivalente Wertentwicklung von Immobilien-Investments

Offene Immobilienfonds verwalteten Ende 2021 insgesamt 260 Milliarden Euro (davon 125 Milliarden in Publikumsfonds) – so viel wie nie zuvor – trotz der 2013 eingeführten Mindesthalte- und Kündigungsfristen. Einige Fonds mussten wegen der Schwierigkeit, geeignete Immobilien zu finden, Mittelzuflüsse bei einzelnen Fonds kontingentieren. Dennoch bleibe das Interesse an risikogestreuten Immobilieninvestments hoch, heißt es im Jahrbuch.

Gleichwohl erstaunt der Hype um die offenen Immobilienfonds, denn parallel seien die Kurse von Immobilienaktien zum Teil um 30 Prozent und mehr abgestürzt. „Das ist nicht nachvollziehbar, denn die Fonds stehen vor den gleichen Herausforderungen wie die Aktien“, sagt Michael Thaler von der Vermögensberatung Top Vermögen AG, in einem Interview mit dem Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA).

Sinkende Aktienkurse, aber hohe Werte bei Fonds

Die Kursrückgänge bei den Aktien haben ja gute Gründe, so Thaler weiter. Die Baukosten und die Zinsen sind massiv gestiegen. Damit kaufen auch die Fonds immer teurer ein. Gleichzeitig sind die Mieten unter Druck. Insbesondere im Einzelhandel steigen die Leerstände und sinken die Mieten wegen der Pandemie und dem Onlineshopping. Wegen der hohen Homeoffice-Quote werden zudem weniger Büros benötigt.

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