Finanzinvestor steht vor Kauf von Blau Direkt

Martin Thaler Berater Top News Highlights 2022

Laut Bundeskartellamt strebt der amerikanische Finanzinvestor Warburg Pincus eine Mehrheitsbeteiligung am Lübecker Maklerpool an. Die Konsolidierung des Maklermarktes dürfte damit weiter Fahrt aufnehmen.

Oliver Pradetto Bild: Blau Direkt

Will sich aus der Geschäftsführung von Blau Direkt zurückziehen: Oliver Pradetto Bild: Blau Direkt

Das New Yorker Private-Equity-Unternehmen Warburg Pincus steht offenbar unmittelbar vor einer Übernahme des Lübecker Maklerpools Blau Direkt. Dies geht aus einer Liste der laufenden Fusionskontrollverfahren beim Bundeskartellamt hervor. Demnach streben die US-Amerikaner eine Mehrheitsbeteiligung am Maklerpool an. Zuerst hatte das Branchenportal Versicherungsmonitor darüber berichtet. Eine Anfrage von procontra blieb bis Redaktionsschluss seitens Blau Direkts unbeantwortet.  

Der Einstieg von Warburg Pincus wäre der zweite spektakuläre Einstieg eines ausländischen Investors bei einem deutschen Maklerpool innerhalb kürzester Zeit. Erst im Dezember vergangenen Jahres hatte der britische Investor HG Capital bekannt gegeben, 60 Prozent am Münchener Maklerpool Fonds Finanz zu übernehmen.  

Beeindruckendes Wachstum

Blau Direkt ist zwar laut aktueller Maklerpool-Hitliste des Magazins „Cash“ gemessen an den Prämieneinnahmen deutlich hinter Fonds Finanz (190 Millionen Euro, Blau Direkt: 82,99) angesiedelt, allerdings können die Lübecker beeindruckende Wachstumsraten vorweisen. So konnte der norddeutsche Maklerpool 2021 ein Wachstum von 50,2 Prozent bei den Prämieneinnahmen vorweisen.

Der Verkauf von Anteilen an Warburg Pincus ergibt gleich aus zweierlei Hinsicht Sinn. Zum einen hatte Blau-Direkt-Geschäftsführer Oliver Pradetto im Gespräch mit procontra angesichts des Einstiegs von HG Capital bei Fonds Finanz die Angst vor einem Superpool formuliert. „HG Capital hat für derart viel Geld gekauft, dass klar ist, dass sie auch anderen Pools attraktive Angebote machen können, um das Unternehmenswachstum weiter zu befeuern.“  

Im Wettkampf um Marktanteile sah sich Blau Direkt auch unter Zugzwang gesetzt. „Die Wahrheit ist, dass hinter den Kulissen alle verhandeln“, so Pradetto. Um nicht selbst gefressen zu werden, braucht man also eine entsprechende Größe beziehungsweise Stärke. Die dürfte Blau Direkt mit dem Einstieg von Warburg Pincus erreicht haben.  

Pradetto zieht sich zurück

Zugleich ist der Verkauf der Anteile für Pradetto auch ein persönlicher Schlussstrich. Seit 22 Jahren steht er an der Spitze des Maklerpools, vor Kurzem gab er jedoch bekannt, sich aus der Geschäftsführung zurückziehen zu wollen. Als Konsequenz rückte im Januar Hannes Heilenkötter als neuer Chief Technology Officer in die Geschäftsführung von Blau Direkt.  

In der dazugehörigen Pressemeldung ließ sich Heilenkötter vielsagend zitieren: „Ich glaube, 2022 wird ein spannendes, aber auch forderndes Jahr mit einem großartigen Wachstum. Eines kann ich definitiv versprechen: Wir werden richtig Fahrt aufnehmen.“ Mit der Übernahme durch Warburg Pincus dürfte der eh schon agile Maklermarkt noch stärker in Bewegung geraten.