BU-Nachversicherungsgarantie nicht genau auf den Zahn gefühlt

Detlef Pohl Berater Top News

Die BU-Versicherung war von Finanztest 2021 getestet worden, nicht ohne kritische Kommentare. Nun wird über die Möglichkeiten zur Erhöhung der BU-Rente informiert. Doch die Aussagen zur Nachversicherung bleiben in wichtigen Punkten schwammig.

Eine Nachversicherungsgarantie für BU-Policen ist nützlich, gerade bei gefährlichen Hobbies, wird von Finanztest aber nicht nach Altersgrenzen und erneuter Risikoprüfung analysiert. Bild: mevans

Eine Nachversicherungsgarantie für BU-Policen ist nützlich, gerade bei gefährlichen Hobbies, wird von Finanztest aber nicht nach Altersgrenzen und erneuter Risikoprüfung analysiert. Bild: mevans

Regelmäßig alle zwei Jahre untersucht die Stiftung Warentest Tarife von Berufsunfähigkeits-Versicherungen, auch 2021 hagelt es dafür Kritik, speziell auch zur Schüler-BU. Von 71 BU­-Policen bekamen seinerzeit 35 Angebote, also fast die Hälfte, die Bestnote, veröffentlicht in der Mai-Ausgabe 2021 von Finanztest. Die Auswahl der Testkriterien war dabei ebenso willkürlich wie in den Jahren zuvor. Versicherungsmakler Matthias Helberg schrieb dazu in einem Blog-Beitrag: Viele Kriterien wurden erneut nicht berücksichtigt oder für den Leser nicht nachvollziehbar dargestellt.

Unter den damals ausgewiesenen acht Prüfkriterien der BU-Bedingungen waren auch zwei Punkte, die auf eine nachträgliche Erhöhung der versicherten BU-Rente zielen, also auf mehr Leistung als bei nach Vertragsabschluss vereinbart: eine Nachversicherungsgarantie von 1.000 auf 2.000 Euro BU-Rente sowie eine garantierte Rentensteigerung / Leistungsdynamik. Helberg fehlen mit den acht Prüfpunkten jedoch 18 existenziell wichtige weitere Punkte bei Finanztest, was er schon 2017 kritisiert hatte.

Wie sich die BU-Rente nachträglich aufstocken lässt

Ohne die Testmethodik zu ändern oder einen neuen Test zu organisieren, hat Finanztest nun in der Juli-Ausgabe 2022 die Möglichkeiten untersucht, nachträglich die BU-Rente aufzustocken. Im Blickpunkt sind vier Optionen, die in vielen Policen geboten werden:

  • Beitragsdynamik: bei Vertragsschluss festgelegte jährliche Beitragserhöhung um 2, 3 oder 5 Prozent. Dadurch steigt auch Rente in dieser Größenordnung, allerdings abzüglich immer neuer Abschlusskosten und der Verwaltungskosten. Eine spätere Hinzunahme der Beitragsdynamik ist meist nur bei erneuter Gesundheitsprüfung möglich. Die Dynamik ist in Intervallen aussetzbar (zweimalige Ablehnung hintereinander verwirkt die Option dauerhaft) und auch kündbar.
  • Leistungsdynamik: Die ausgezahlte BU-Rente steigt um 1 oder 2 Prozent pro Jahr ab dem BU-Fall. Wird schon bei Vertragsabschluss festgelegt und verteuert den BU-Schutz, obwohl man gar nicht weiß, ob der BU-Fall jemals eintritt.
  • Nachversicherungsgarantie (auch Anpassungsgarantie genannt): Erhöhung der versicherten BU-Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung, teils auch ohne neue Risikoprüfung nach definierten Ereignissen (ereignisabhängig) oder oft bis zu 5 Jahre nach Vertragsabschluss (ereignisunabhängig). Macht den BU-Schutz entsprechend teurer, da mehr Leistung vereinbart wird. Fristen (6 bis 12 Monate nach dem Ereignis) und Altersgrenzen (ereignisabhängig oft nur bis 45 oder 50; ereignisunabhängig gar nur bis 35) müssen hier beachtet werden.
  • Verlängerung der Vertragslaufzeit: Klappt nur, wenn Gesetzgeber die Regelaltersgrenze anhebt, die bei BU-Vertragsabschluss galt. Dann gilt der BU-Schutz entsprechend länger, aber ohne Chance auf Leistungserhöhung.

Versicherte BU-Renten häufig zu niedrig

Hintergrund: Die versicherte Rente ist oft zu knapp bemessen. Im Schnitt 1.100 Euro Monatsrente sind es nur bei 2020 neu abgeschlossenen BU-Verträgen, bei älteren Policen noch weniger. Der Absicherungsbedarf steigt zudem oft im Laufe des Lebens, zumal in jungen Jahren häufig mit „Starter-Policen“ begonnen wird, um Schülern, Studenten und Berufsanfängern mit sehr günstigen Beiträgen zum BU-Schutz zu verhelfen.

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