bAV: Umfang der Deckungsmittel wächst weiter

Detlef Pohl Berater

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen wächst der Umfang der Ansprüche auf bAV. Das hängt auch mit den Regeln für die nötige Anpassung der Rentenhöhen zusammen. Was durch die Inflation 2023 zu erwarten ist und welcher Protagonist künftig fehlen wird

Bertram Zwanziger, Vorsitzender Richter des 3. Senats am Bundesarbeitsgericht, der auch für Betriebsrenten zuständig ist, hat sich Ende Juni in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger ist noch nicht bekannt. (Bild: Pohl)

Bertram Zwanziger, Vorsitzender Richter des 3. Senats am Bundesarbeitsgericht, der auch für Betriebsrenten zuständig ist, hat sich Ende Juni in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger ist noch nicht bekannt. (Bild: Pohl)

Für Arbeitgeber stellt die langfristige Absicherung der bAV-Versorgungspläne eine dauernde Herausforderung dar, speziell in Zeiten niedriger Zinsen. Darum planen derzeit etwa 50 Prozent der deutschen Unternehmen, ihre Versorgungspläne zu harmonisieren und finanzielle Risiken zu verringern, ergibt sich aus der Studie „Benchmark: Betriebliche Altersversorgung“ des bAV-Lösungsanbieters Lurse unter 55 großen und mittelständischen Unternehmen.

Für eine gute Absicherung im Alter müssten die Arbeitgeber-Leistungen in der bAV allerdings mehr als verdoppelt werden, so die Studie. Diese Herausforderung könne laut Lurse durch Einführung von Matching-Plänen und Entgeltumwandlung mit Opt-out-Optionen gelöst werden.

Fast 20 Milliarden Euro mehr Deckungsmittel

Dabei ist die Ausgangslage gar nicht schlecht. Die Deckungsmittel der deutschen bAV in der Privatwirtschaft machten zum 31. Dezember 2020 insgesamt 672,2 Milliarden Euro aus und wuchsen damit gegenüber 2019 um rund drei Prozent. Diese Angaben machte Ralf Klein, Leiter Versorgungsmanagement/bAV-Service bei der Höchster Pensionskasse, publiziert in der aba-Zeitschrift „BetrAV“ (04/22).

Die Zahlen sind aktuell. Sie hinken dem Zeitverlauf zwar hinterher, doch müssen die Bilanzen 2021 ausgewertet und viele andere Dinge berücksichtigt werden. Dennoch ist kein vollständiges Bild der bAV im engeren Sinne damit verbunden, denn einige Bereiche bleiben außen vor, darunter die Zusatzversorgung des Öffentlichen Dienstes sowie kirchliche und kommunale Zusatzversorgungskassen. Je nach Sichtweise liefern andere Erhebungen zusätzliche Daten, etwa die regelmäßige Arbeitgeber- und Trägerbefragung des BMAS zur Verbreitung der bAV in Deutschland.

Ergebnis nach 6a-Berechnung für Pensionsrückstellungen

Das Ergebnis von Klein (Basis für Direktzusagen: Pensionsrückstellungen nach Paragraf 6a EStG) für die einzelnen Durchführungswege in der Privatwirtschaft zeigt sich Ende 2020 wie folgt:

  • Direktzusagen bringen 315,5 Milliarden Euro Deckungsmittel auf die Waage (+ 1,3 Prozent), davon 169 Milliarden Euro für laufende Renten. Erfasst sind 8,1 Millionen Anspruchsberechtigte. Mit 46,9 Prozent Anteil an den Deckungsmitteln der mit Abstand wichtigste Durchführungsweg.
  • Pensionskassen verfügen über 190,2 Milliarden Euro an Deckungsmitteln (+ 3,9 Prozent). Erfasst sind 8,5 Millionen Anwärter und 1,4 Millionen Versorgungsempfänger. Anteil an den gesamten Deckungsmitteln: 28,3 Prozent.
  • Direktversicherungen schaffen 72,3 Milliarden Euro Deckungsmittel (+ 0,7 Prozent). Anteil an den gesamten Deckungsmitteln: 10,8 Prozent.
  • U-Kassen bringen es auf 38,9 Milliarden Euro (+ 4 Prozent). Anteil an den gesamten Deckungsmitteln: 5,8 Prozent.
  • Pensionsfonds bringen schon 55,3 Milliarden Euro Deckungsmittel auf die Waage (+ 12,2 Prozent). Erfasst sind 798.000 Anwärter und 386.000 Rentner. Anteil an den gesamten Deckungsmitteln: 8,2 Prozent, Tendenz stark steigend. Weitere Details nennt der Branchendienst LEITER-bAV.de unter Verweis auf Datenerhebungen des bAV-Consultants Mercer.

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