Anhaltender Abwärtstrend: Anzahl der Riester-Verträge geht auch 2022 zurück

Hannah Petersohn Versicherungen

Der Negativtrend scheint unaufhaltsam: Erneut ist die Gesamtzahl der Riesterverträge gesunken. Die Gründe dafür sind vielfältig. Und ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar.

Abwärtstrend hält an: Anzahl der Riester-Verträge geht weiter zurück Bild: Auris

Um die Riesterrente ist es schon lange nicht mehr gut bestellt. Aktuelle Zahlen verfestigen die Entwicklung. Bild: Auris

Der Abwärtstrend bei der Anzahl der Riesterverträge setzt sich fort. Demnach ist die Gesamtzahl der Verträge, also einschließlich Versicherungs-, Bankspar-, Investmentfondsverträgen sowie Wohn-Riester/Eigenheimrente, um circa 54.000 auf nunmehr 16,157 Millionen abgesackt, wie die aktuellen Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zeigen.

Während die Anzahl der Versicherungsverträge im Bestand im ersten Quartal 2022 im Vergleich zu 2021 mit 10,672 Millionen stabil blieb, musste vor allem die Wohn-Riester/Eigenheimrente mit einem Minus von 25.000 Verträgen einen deutlichen Abrieb hinnehmen.

Investmentfondverträge sind um circa 22.000 Verträge zurückgegangen, Banksparverträge verzeichneten einen Rückgang um etwa 7.000 Verträgen.

Abnehmendes Angebot

Dieser Trend dürfte sich fortsetzen – allein aufgrund der Tatsache, dass es für interessierte Neukunden wesentlich schwerer wird, überhaupt noch einen Anbieter zu finden. Immer mehr Versicherer und Fondsgesellschaften drehen dem Riester-Geschäft den Rücken zu. So hatte zuletzt Anfang Juni die Sparkassentochter Deka das Neugeschäft eingestellt. Laut einer Untersuchung von Finanztest im Februar dieses Jahres gibt es derzeit für Neukunden nur noch einen einzigen Fondssparplan-Anbieter, keinen Anbieter für einen Banksparplan, sechs Anbieter für Wohn-Riester und 35 Versicherer, die Riester-Tarife anbieten – teilweise aber nur noch als Nettotarif.

Das Angebot hat also deutlich abgenommen. Zum einen begründen Anbieter ihren Rückzug mit der bestehenden Beitragsgarantie, durch die Kunden versichert wird, dass sie zum Ende der Ansparphase die bislang eingezahlten Beiträge sicher haben. Das allerdings bedeutet, dass Banken und Versicherer die Beträge risiko- und damit auch renditearm anlegen müssen. Bei einem Garantiezinssatz von nur noch 0,25 Prozent war das Geschäft für viele Versicherer nicht mehr kostendeckend möglich, es folgte der Rückzug.

Schlechte PR

Ein anderer Grund, dass Versicherer dem Riester-Geschäft den Stecker ziehen, könnte in der nachlassenden Nachfrage bestehen. Grund hierfür dürfte auch auch das mittlerweile zerstörte Image der Riester-Rente sein. Als „müffelnder Ladenhüter“ (Axel Kleinlein, Vorstandsprecher vom Bund der Versicherten), „totgerittenes Pferd“ (Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband) , „totes System“ (Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundesverband) und „unreformierbar“ (Gerhard Schick, Mitinitiator der Bürgerbewegung Finanzwende) verunglimpft, wird das Neukundengeschäft – vorsichtig ausgedrückt – diffizil.

Immer wieder wurden von Seiten der Verbraucherschützer die hohen Kosten und die geringen Renditen der Riester-Produkte moniert. Unschuldig sind die Versicherer hier nicht. So wurde lange Zeit von vielen Anbietern jede Beitragserhöhung wie ein Neuabschluss des Vertrags behandelt. Mit entsprechenden neuen Kosten. 2019 musste die BaFin auf die Unzulässigkeit dieser Praxis hinweisen, die Versicherer reagierten und halfen dem Problem ab – ein schaler Nachgeschmack aber bleibt.

Angesichts der weiter rückläufigen Riester-Zahlen gerät die Politik weiter unter Druck, eine Entscheidung zu treffen, wie es mit der geförderten Altersvorsorge weitergeht. Der aktuelle Koalitionsvertrag bleibt eine konkrete Ansage hinsichtlich möglicher Veränderungen jedoch schuldig, verschiedene Optionen sollen lediglich geprüft werden. Wie es weitergeht, ist unklar.