Wann zahlt die Reiseversicherung und wann nicht?

Hannah Petersohn Versicherungen Top News

Die großen Sommerferien stehen bereits vor der Tür. Nicht wenige Reiselustige schließen vorsichtshalber eine Reiseversicherung ab. Zwei Beispiele zeigen, in welchen Fällen Versicherer – zumindest zum Teil – im vergangenen Jahr bei Reiserücktritt oder -abbruch zahlten.

Bild: YakobchukOlena

Viele sehnen bereits die Sommerfreien herbei und schließen vorsichtshalber eine Reiseversicherung ab. Doch obacht: Nicht immer zahlt ein Versicher auch. Bild: YakobchukOlena

In einigen deutschen Bundesländern wie Schleswig-Holstein, Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern ist es bald so weit: Die Sommerferien-Saison wird eingeläutet. Nach zwei Jahren pandemiebedingter Einschränkungen packt viele Verbraucher die große Reiselust – zumal Auslandsreisen überhaupt erst wieder möglich sind. Laut einer Umfrage der Hanse-Merkur wollen 86 Prozent der Deutschen in diesem Jahr in Urlaub fahren – auch, um sich von Corona abzulenken. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre schließen viele vorsichtshalber eine Reiseversicherung ab.

Im Jahr 2020, also mit Einsetzen der Pandemie, haben sich jedoch überdurchschnittlich viele Versicherungsnehmer über ihre Reise-Policen-Anbieter beschwert. So stieg damals die Zahl der beim Versicherungsombudsmann eingegangenen Reiseversicherungs-Beschwerden im Vergleich zum Vorjahr um 80 Prozent. Covid-19 spielte dabei sehr häufig eine wichtige Rolle.

Das war im vergangenen Jahr allerdings wieder anders: „In der Reiseversicherung haben sich die Beschwerdezahlen wieder normalisiert“, heißt es im aktuellen Jahresbericht des Versicherungsombudsmanns. „Reiseveranstalter, Reisende und Versicherer scheinen sich auf die fortwirkende Pandemiesituation eingestellt zu haben.“ Der Ombudsmann beschäftigte sich im vergangenen Jahr mit 1.077 zulässigen Beschwerden über Reiseversicherer, im Vorjahr lag die Anzahl noch bei 1.396. Das entspricht 7,6 Prozent des Gesamteingangs an zulässigen Beschwerden. 2020 betrug dieser Anteil 10,5 Prozent.

In welchen Fällen es dennoch zu Beschwerden gekommen ist, wann die Versicherer zahlten und wann sie nur zum Teil leisten mussten, zeigen zwei Fälle aus dem aktuellen Jahresbericht der Versicherungsombudsmanns.

Wann zahlt die Reiseversicherung und wann nicht?

Magen-Darm-Infekt: Ärztliche Bescheinigung auf Hindi?
Ein Mann trat eine Motorradreise mit einer Gruppe durch Indien an – und musste diese bereits nach zwei Tagen jäh aufgrund eines viralen Magen-Darm-Infektes unterbrechen. Zu den unangenehmen Magen-Darm-Beschwerden gesellten sich noch ein Kreislaufkollaps und Muskelkrämpfe hinzu. Der Versicherer lehnte eine Leistung aus der Reiseabbruchversicherung ab. Er begründete die Ablehnung damit, dass das ärztliche Attest, das der Beschwerdeführer zum Nachweis seiner Erkrankung eingereicht hatte, nicht von einem in Indien zugelassenen und praktizierenden Arzt stammte. Der Mann hatte dem Versicherer nämlich ein Attest eines deutschen Arztes vorgelegt, der die Reisegruppe begleitet hatte. Deswegen hielten es die Beteiligten auch nicht für notwendig, einen indischen Arzt vor Ort in der Provinz aufzusuchen – zumal das wiederum zu Verzögerungen für die gesamte Gruppe geführt hätte. Dass der Beschwerdeführer in Deutschland keinen Arzt mehr aufsuchte, war nachvollziehbar. Schließlich hatte die körperliche Belastungssituation dort nicht mehr bestanden, zumal bereits einige Tage seit dem Zusammenbruch vergangen waren. Der Ombudsmann bat den Versicherer, seine Entscheidung noch einmal zu prüfen, denn ein versicherter Reiseabbruchgrund war seiner Ansicht nach belegt. Die Versicherungsbedingungen forderten lediglich die Vorlage einer „ärztlichen Bescheinigung“. Daraufhin zeigte sich der Versicherer einsichtig und übernahm die Kosten. Bild: RealPeopleGroup