Versicherer blicken sorgenvoll in die Zukunft

Hannah Petersohn Versicherungen

Vor dem Hintergrund der aktuellen Gemengelage ist die Stimmung in der Versicherungswirtschaft stark gedämpft. Während insbesondere die Lebensversicherer pessimistisch in die Zukunft blicken, sieht es bei den privaten Krankenversicherern schon anders aus.

Versicherungsbranche blickt sorgenvoll in die Zukunft Bild: Andrey Abryutin

Vor dem Hintergrund diverser Krisen, ob nun Geopolitik, drohenden Unwetterereignisse und mögliche Rezession, ist das Geschäftsklima in der Versicherungsbranche getrübt. Bild: Andrey Abryutin

Anhaltende Inflation, Rezessionsängste, geopolitische Krisen und der weiter voranschreitende Klimawandel: Es gibt viele Gründe pessimistisch gestimmt zu sein, da geht es den Menschen wie den Leuten. Entsprechend eingebrochen ist auch die Stimmung innerhalb der Versicherungswirtschaft.

Der Geschäftsklimaindex, der auf Umfragen unter Managern zu deren konjunkturellen Erwartungen beruht, ist im zweiten Quartal dieses Jahres stark gesunken: Liegt der langfristige Mittelwert innerhalb der Versicherungsbranche bei 14 Punkten, ist er aktuell auf mickrige 4,4 Punkte abgesackt. Im Vergleich zum Vorquartal ist das ein Minus von 6,5 Punkten, kommentiert der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die neuen ifo-Zahlen.

Auch die Erwartungshaltung, wie sich die Geschäfte weiter entwickeln werden, ist entsprechend gedämpft: Um fast zehn Punkte (9,6) sind die Geschäftserwartungen nach unten gegangen und liegen mit verhaltenen 11,6 Punkten ebenfalls unter dem langfristigen Mittelwert (14). Die Erwartungshaltung in Bezug auf die Geschäftslage selbst bewegt sich mittlerweile sogar im Minusbereich: Hier beträgt der aktuelle Wert minus 2,7 Punkte, eine Differenz zum Quartal von minus 3,7 Punkten. Damit liegt der Wert deutlich unter dem langfristigen Mittelwert von 14,3 Prozent.

Lebensversicherer blicken sehr verhalten in die Zukunft

Der Blick auf die zukünftige Entwicklung ist insbesondere bei den Lebensversicherern getrübt. Im Vergleich zur gesamten Versicherungswirtschaft sind deren Erwartungen geradezu in Keller gerauscht: Während der langfristige Mittelwert bei 17,1 Punkten liegt, bewegt er sich aktuell bei nur 1,3 Punkten. Im Vergleich zum ersten Quartal dieses Jahres ein Minus von elf Punkten.

„Der Anteil der Lebensversicherer, die in den nächsten Monaten eine positive Geschäftsentwicklung für wahrscheinlich halten, lag im Frühjahr nur bei 5 Prozent – im Winter waren es noch 20 Prozent“, erklärt der GDV. Der Grund: Verbraucher neigen bei einer hohen Inflation dazu, Ausgaben, die sie gegenwärtig nicht dringend tätigen müssen, zurückzustellen – und dazu gehören eben auch jene Kosten, die sie für ihre Altersvorsorge aufbringen würden.

Etwas optimistischer sind die Schaden-Unfall-Versicherer eingestellt. Sie blicken vergleichsweise gelassen in die Zukunft, wenngleich auch sie ihre aktuelle Geschäftslage deutlich negativer einschätzen: Mit einem Minus von 34 Punkten bei einem langfristigen Mittelwert von +11,1 Punkten ist der Unterschied zur durchschnittlichen Stimmungslage eklatant.

Immerhin erwartet jedoch knapp ein Drittel (33,8 Prozent) der Anbieter aus der Sparte verbesserte Rahmenbedingungen im kommenden halben Jahr. Eine Rolle spiele, so der GDV, dass sie bisher deutlich geringere Schäden als im Vorjahr erwarten, als vor allem Unwettertief Bernd die Schadensbilanzen verhagelte. 

PKV: Lage günstig, Leistungsentwicklung gedämpft

Bei den privaten Krankenversicherern zeigt sich indessen ein gänzlich anderes Bild: Knapp ein Drittel (29 Prozent) der Anbieter bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als günstig und immerhin 70 Prozent nennen die Lage „befriedigend“. Das Geschäftsklima in der Krankenvollversicherung stieg im Frühjahr deutlich an und liegt weiterhin über dem langfristigen Mittelwert.

Während die Stimmung in Bezug auf Geschäftslage und -klima aufgehellt ist, sieht das beim Thema Leistungsentwicklung wieder anders aus: Die aktuelle Kostensituation wird demnach schlechter eingeschätzt als es im Vorquartal der Fall war.

Die aktuelle Erhebung wurde im April und Mai vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung vorgenommen und ist der erste Stimmungstest nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.