Schadenfall der Woche: Sechs Millionen Euro für fiktives Testzentrum

Anne Mareile Walter Versicherungen Panorama

Mit wenigen Mausklicks prellte ein 20-Jähriger die Kassenärztliche Vereinigung um eine nicht eben unerhebliche Summe. Die Betrugsmasche sei das Ergebnis einer „Schnapsidee“ gewesen – auf diese Weise rechnete der Nachwuchs-Hochstapler knapp 500.000 nicht-existierende Corona-Tests ab.

Testzentrum Bild: procontra

Rund 500.000 Corona-Tests rechnete ein Freiburger Hochstapler für ein nicht-existierendes Testzentrum ab. Bild: procontra

Vor mehr als einem Jahr sagte der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn die Finanzierung zu und anschließend schossen sie wie Pilze aus dem Boden: die Corona-Testzentren. Wo bislang Eiswaffeln verkauft worden waren oder Autos geparkt hatten, untersuchte nun weiß bekitteltes Personal Nasenabstriche en masse auf vorhandene Viruspartikel.  

Auch ein 20-Jähriger aus dem Raum Freiburg hatte auf den Zug aufspringen wollen – allerdings mit Einschränkung: Denn sein geplantes Testzentrum existierte nur auf dem Papier. Nach einem Bericht des "Stern" bekam er rund 5,7 Millionen Euro für die vorgetäuschte Inbetriebnahme des Zentrums von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) aufs Konto überwiesen. Nun machten ihm die Richter den Prozess und sprachen ihn schuldig. Das nicht-existierende Testzentrum hatte er im Nachhinein registrieren lassen und dafür auch im Nachhinein abgerechnet – ohne Nachweise oder Belege einzureichen. Kurze Zeit später machte sich in dem Bankinstitut allerdings Skepsis breit, der Verdacht von Geldwäsche stand im Raum – und das Geld wurde daraufhin zurückgebucht.

Partymeilen-Straße als Adresse für fiktives Testzentrum

Das Resultat der aufgeflogenen Betrugsmasche: Gegen den 20-Jährigen wurde eine Bewährungsstrafe von einem Jahr verhängt, anschließend wollen die Richter über eine mögliche Jugendstrafe entscheiden. Auch wenn der Freiburger Hochstapler damit vorerst nicht hinter Gittern landet, wird er für seine Tat noch ordentlich in die Tasche greifen müssen: 1.500 Euro muss er aus „erzieherischen Gründen“ an eine gemeinnützige Einrichtung bezahlen, auch die Verfahrenskosten gehen auf seine Rechnung.

Wie dieser vor Gericht schließlich zugab, habe er sich aus einer „Schnapsidee beim Feiern“ heraus für den Betrug entschieden. Er habe zeigen wollen, wie leicht sich die Kassenärztliche Vereinigung hereinlegen lasse. Mit wenigen Mausklicks registrierte er sich dort im August 2021, gab als Adresse für das mutmaßliche Corona-Testzentrum eine Straße in der Freiburger Partymeile an. Anschließend rechnete er eine stattliche Anzahl von 491.000 Corona-Tests für die Monate März bis Juni ab.

Derweil ist das längst nicht der einzige Abrechnungsbetrug in Bezug auf Corona-Testzentren: So begann im Dezember in Bochum ein Prozess gegen Betreiber von mehr als 70 Teststellen in ganz Deutschland. Sie sollen den Staat um rund 25 Millionen Euro betrogen haben. Offenbar wurden rund eine Million fiktive Bürgertests abgerechnet.

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