Rendite unter (Öko-)Strom

Sachwerte Investmentfonds Berater von Marilena Piesker

Ein Investment in Erneuerbare-Energien-Projekte verspricht aktuell Renditen, die die Kaufkraft erhalten können. Trotzdem sollten Berater die Euphorie ihrer Kunden mitunter dämpfen: Nicht alle regenerativen Branchen sind automatisch positive Selbstläufer.

Erneuerbare Energien/ Adobe Stock/ gopixa

„Die Umstellung von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas auf erneuerbare Energien ist einer der größten Zukunftstrends unserer Zeit“, sagt ESG-Experte Henrik Pontzen. Bild: Adobe Stock/ gopixa

Viele Menschen merken es schon länger: beim Tanken, beim Einkaufen oder bei der Stromrechnung. Alles ist deutlich teurer geworden. Die Inflationsrate war mit 7,9 Prozent im Mai so hoch wie seit etwa 50 Jahren nicht mehr. Das liegt vor allem an den steigenden Energiepreisen. Diese haben sich auf Jahressicht um 20 Prozent verteuert, wie das Statistische Bundesamt mitteilt.

Wollen Anleger den Verlust ihrer Kaufkraft ausgleichen, müssen ihre Renditen im Schnitt also 7,9 Prozent Inflation schlagen, was in einem Umfeld niedriger Zinsen und politischer Unruhen eher schwierig ist. Eine Option bieten Sachwerte, da sie nicht den üblichen Börsenschwankungen unterliegen und zudem einen physischen Gegenwert haben. Sie sind gerade in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit stark gefragt. Das sieht man aktuell bei Gold und Immobilien – und auch im Bereich der erneuerbaren Energien, wo die Nachfrage nach Solar-, Wind- und Wasserkraft auch aus aktuellem Anlass gerade boomt. „Kurzfristig hat natürlich der Krieg in der Ukraine den Bedarf an regenerativen Energien massiv befeuert“, sagt Henrik Pontzen, der seit über drei Jahren den ESG-Bereich im Portfoliomanagement bei Union Investment leitet (siehe Interview).

Klimawandel sorgt für Rückenwind

Für nachhaltigen Rückenwind sorgt zudem der Klimawandel, der weltweit zu einem Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit führt und die Weichen auch im Energiesektor neu stellt: Weltweit flossen allein im vergangenen Jahr 755 Milliarden US-Dollar in die Energiewende, wie die jährliche Bilanz von BloombergNEF (BNEF) belegt. Davon gingen 366 Milliarden Dollar in den Ausbau regenerativer Energien. „Die Umstellung von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas auf erneuerbare Energien ist einer der größten Zukunftstrends unserer Zeit“, sagt ESG-Experte Pontzen.

In Europa hat die Unterzeichnung des Pariser Klimaschutzabkommens den Druck zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen nochmals deutlich erhöht: Bis 2026 will die deutsche Bundesregierung mehr als 200 Milliarden Euro in den Klimaschutz und den Ausbau erneuerbarer Energien investieren. „Der Rückenwind, den wir momentan von der Politik erleben, war noch nie so groß wie aktuell“, sagt Manfred Wiegel, Fondsmanager und Gründer der Investmentboutique Green Benefit.

Direkte Beteiligung am grünen Wandel

Kein Wunder also, dass das Produktangebot ebenso wie das Interesse an der Assetklasse wächst und immer mehr Leute auch aus Gewissensgründen mit einer Investition in dem Bereich liebäugeln, wie Umfragen zeigen. Die Nachfrage könnte ab August noch aus einem anderen Grund anziehen: denn dann sind Vermittler dazu verpflichtet, ihre Kunden nach deren Nachhaltigkeitswünschen zu fragen, und müssen diese bei Angeboten gezielt berücksichtigen. Schon aus diesem Grund kann es sich für Berater lohnen, die eigene Expertise in dem Bereich auszubauen und infrage kommende Finanzprodukte bereits vorausschauend zu identifizieren und auf nachhaltige Kriterien abzuklopfen, um sie für interessierte Kunden schnell parat zu haben.

Eine Option, die Berater ihren Kunden beispielsweise aufzeigen können, sind Beteiligungen, die in regenerative Energien investieren. Jene sammeln Kapital ein, um damit Projekte der alternativen Energieerzeugung zu finanzieren, wie Solarkraftwerke, Windparks oder Biogasanlagen. Investoren steigen hier nicht über die Börse ein, sondern tragen unternehmerische Verantwortung für das jeweilige Investitionsobjekt. Gerade geschlossene Fonds werden bei Anlegern zunehmend beliebter. Der Grund: Sie erzielen in der Regel etwas höhere Renditen als der breite Kapitalmarkt.

Früher war eine direkte Beteiligung an entsprechenden Ökostrom- und anderen Projekten meist nur einer exklusiven Klientel mit relativ hohen Einstiegssummen vorbehalten. Doch mittlerweile ist das auch mit geringeren Summen möglich. So bietet der Assetmanager CAV Partners zum Beispiel geschlossene Fonds in Wind- und Sonnenenergie ab einer Mindestbeteiligungssumme von 10.000 Euro an.

Doch Achtung: Geschlossene Fonds sind nicht ohne Risiko. Geht ein Projekt schief, kann etwa ein geplanter Windpark nicht gebaut werden, verlieren Anleger womöglich ihre gesamte Einlagesumme. Im Beratungsgespräch sollte das gezielt angesprochen werden, denn trotz des großen Rückenwinds ist die Assetklasse kein Selbstläufer oder Garant für finanziellen Erfolg. Gerade erst wurde das Insolvenzverfahren gegen die Green City AG aus München eröffnet, bei der sich Investoren über Nachrangdarlehen an Erneuerbare-Energien-Anlagen beteiligen konnten.

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