PSV: bAV-Ansprüche bei Insolvenz womöglich gefährdet

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung Top News

Ist der Arbeitgeber insolvent, haftet der Pensionssicherungsverein größtenteils für die Betriebsrente. Der Beitragssatz steigt 2022 deutlich. Ungemach droht zudem bei grenzüberschreitenden Firmen-Umwandlungen ab 2023, warnt der Verein.

Verbleibt bei Firmenübertragungen kein Rechtsträger mehr in Deutschland, kann das zu Lasten der Versorgungsberechtigten und des PSV gehen, warnt PSV-Vorstand Benedikt Köster. Bild: PSV

Verbleibt bei Firmenübertragungen kein Rechtsträger mehr in Deutschland, kann das zu Lasten der Versorgungsberechtigten und des PSV gehen, warnt PSV-Vorstand Benedikt Köster. Bild: PSV

Deutschland ist in puncto bAV-Absicherung bei Firmeninsolvenzen gut aufgestellt. Durch den Pensionssicherungsverein (PSV), die Selbsthilfeeinrichtung der deutschen und luxemburgischen Wirtschaft, gehen unverfallbare Betriebsrenten-Ansprüche aus Pensionszusagen, U-Kassen und Pensionsfonds nicht verloren. Seit 2021 sind dort auch Ansprüche aus Firmen-Pensionskassen abgesichert.

Der Schutzschirm umfasst rund 70 Prozent des Verpflichtungsumfangs der deutschen bAV, weist der Geschäftsbericht 2021 des Vereins aus. Derzeit stehen 13,8 Millionen Versorgungsberechtigte, davon 4,6 Millionen Rentner und 9,2 Millionen Anwärter, unter Insolvenzschutz. Seit seiner Gründung 1975 hat der PSV Ansprüche von über 1,5 Millionen Versorgungsberechtigten aus Insolvenzen ihrer Arbeitgeber gesichert.

Weniger Insolvenzen, aber unsichere Prognose

Die Zahl der Insolvenzen ist 2021 trotz Pandemie erstaunlicherweise niedrig geblieben. Es gab weniger Insolvenzen. Unterm Strich musste der PSV in 282 „Sicherungsfällen“ einspringen (- 54 Prozent). Konkret wurden aus diesen Fällen 14.400 Renten und Anwartschaften übernommen (- 72 Prozent bei neuen Schäden gegenüber 2020).

Im ersten Halbjahr 2022 blieb das Insolvenzgeschehen von den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine weitestgehend verschont und liegt unter den Werten des Vorjahres, teilte der Verein vergangene Woche auf seiner Mitgliederversammlung am neuen Geschäftssitz in Köln-Gremberghoven mit. Für das zweite Halbjahr mochte der PSV noch keine verlässliche Prognose abgeben. „Die Spätfolgen der Corona-Pandemie, gestörter Lieferketten sowie des Kriegs in der Ukraine lassen das nicht zu“, so Vorstand Benedikt Köster.

Beitragssatz steigt auf voraussichtlich unter 2,7 Promille

Dagegen wirke sich die Absenkung des Höchstrechnungszinssatzes von 0,9 Prozent auf 0,25 Prozent schon jetzt belastend aus: Sie führt für den PSV zu höheren Beiträgen an das Konsortium von Lebensversicherern und zu höheren Rückstellungen für gesicherte Anwartschaften aus neuen Insolvenzen. Hintergrund: Der PSV versichert seine Rentenleistungen über ein Konsortium von 47 Lebensversicherern unter Federführung der Allianz. Dieses Konsortium hat 2021 den Löwenanteil der Renten an Versorgungsberechtigte gezahlt (922 Millionen Euro).

Das Marktumfeld für die Kapitalanlagen bleibt herausfordernd, betont Köster. Die seit Jahresbeginn steigenden Zinsen können zu Abschreibungen auf die Kapitalanlagen führen. „Nach aktuellem Kenntnisstand wird aber der im November 2022 festzusetzende Beitragssatz für das laufende Jahr voraussichtlich das langjährige Mittel von 2,7 Promille unterschreiten“, so der Vorstand weiter. Hintergrund: Endgültig wird der Beitragssatz erst Mitte November bekanntgegeben, da noch Insolvenzen bis 30. September 2022 in die Bemessungsgrundlage einfließen.

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