PKV-Zusatztarife: Deutlich mehr Zahnzusatz-Tarife überzeugen

Hannah Petersohn Berater Top News

Der Markt für Zusatzversicherungen boomt. Mit der Nachfrage steigt auch das Angebot: Die Anzahl der Zahnzusatztarife hat deutlich zugenommen, auch ihr Leistungsumfang hat sich verbessert. Das gilt allerdings nicht für alle Zusatzpolicen.

PKV-Zusatztarife: Deutlich mehr ausgezeichnete Zahnzusatz-Tarife Bild: Svyatoslav Balan

Zahnzusatzversicherungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Aber wie konkret steht es um die Tarife? Bild: Svyatoslav Balan

„Gesundheit ist die erste Pflicht im Leben“, stellte der irische Schriftsteller Oscar Wilde einst fest. Die vergangenen Pandemie-Jahre haben dieses Bonmot noch einmal realitätsnah bestätigt. Das Bewusstsein für die Zerbrechlichkeit des Lebens und die Angreifbarkeit der eigenen Gesundheit ist gestiegen und mit ihm auch das Zusatzgeschäft der Versicherer: Während 2019 noch 20,8 Millionen Menschen eine Zusatzpolice abgeschlossen hatten, waren es im vergangenen Jahr schon 22 Millionen.

Nun hat das Analysehaus Morgen & das Angebot der privaten Zusatzversicherer hinsichtlich Zahnzusatztarifen, Krankenhauszusatzversicherungen und Krankentagegeld untersucht. Das Fazit: Leichte Preisanstiege mit ausgebautem Portfolio auf der einen Seite, wenig Veränderung und Luft nach oben auf der anderen.

Dabei sind Zahntarife sind mit insgesamt rund 17 Millionen Policen unangefochtener Verkaufsschlager. Entsprechend groß ist auch das Angebot: Über 200 Tarife werden aktuell auf dem Markt verkauft. Das entspricht einem Zuwachs von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Wir beobachten, dass Anbieter zunehmend mindestens einen Tarif anbieten, der 100 Prozent leistet“, so Thorsten Bohrmann, Senior Versicherungsanalyst bei Morgen & Morgen. Die meisten Tarife leisten allerdings eher zwischen 70 und 90 Prozent der Behandlungskosten.  

Niveau der Zahnzusatz-Policen steigt

Dabei leiste ein Teil der Tarife mittlerweile auch zunehmend für Schönheitsbehandlungen wie Bleaching – mit entsprechendem Effekt auf den Versicherungsbeitrag versteht sich. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Preisspanne der Prämien stärker auseinandergeht: Während der günstigste Zahnersatz-Tarif (mit 70 Prozent Übernahme der Behandlungskosten) für eine 30-jährige Angestellte 9,85 Euro kostet, liegt der teuerste Tarif bei 30,13 Euro im Monat. Das entspricht nur einem geringfügigen Preisanstieg im Vergleich zum Vorjahr als der günstige Tarif 9,70 Euro und der teuerste 29,69 Euro kostete.

Ein Blick auf die Bewertung der einzelnen Tarife zeigt: Das Niveau ist insgesamt hoch. Über die Hälfte der Tarife wurden mit der besten Bewertung (fünf Sterne) ausgezeichnet (hier geht es zur Übersicht). Immerhin 40 Tarife erhielten vier Sterne: „Das Niveau in der privaten Zahnzusatzversicherung steigt stetig. Die Anzahl der Vier- und Fünf-Sterne-Tarife hat in diesem Jahr besonders stark zugenommen“, so Analyst Bohrmann. 2020 wurden nur 80 Tarife mit der höchsten Sternzahl prämiert.

In diesem Jahr fallen 39 Tarife noch in die Drei-Sterne-Kategorie, 17 haben nur zwei Sterne errungen und lediglich fünf Tarife müssen sich mit einem Stern begnügen. Die Anzahl jener als „sehr schwach“ bezeichneten Tarife hat indessen in den vergangenen Jahren nicht zugenommen.

Die Studienautoren bewerten unter anderem, ob ein Tarif für Implantate sowie Inlays übernimmt, ob auf das ordentliche Kündigungsrecht verzichtet wird und ob ein Tarif über die 2,3-fachen sowie 3,5-fachen Regelhöchstsätze der Gebührenordnung für Zahnärzte hinaus leistet.

Krankenhauszusatz: Deutlicher Kostenanstieg

Nicht nur die Anzahl der Zahnzusatztarife hat zugenommen, auch die Krankenhauszusatztarife haben um acht Prozent zugelegt. 144 Tarife bieten Versicherer aktuell an. Besonders auffällig: Die Nachfrage nach Einbettzimmertarifen ist nach Aussage der Analysten angestiegen. Auch die Kosten für den teuersten Tarif sind deutlich nach oben gegangen: Lagen diese im vergangenen Jahr noch bei monatlich 47,99 Euro, sind es aktuell mit 54,53 Euro knapp sieben Euro mehr. Der günstigste Tarif (für eine 30-jährige Angestellte) mit Einbettzimmer und Chefarztbehandlung bewegt sich bei 29,58 Euro pro Monat. Im Vergleich zum Vorjahr nur eine marginale Veränderung (2021: 29,81 Euro).

Unter anderem folgende Kriterien haben die Analysten herangezogen, um abermals zwischen fünf (Bestnote) und einen Stern (schwächstes Ergebnis) zu vergeben:

  • Der Versicherer verzichtet auf sein ordentliches Kündigungsrecht.
  • Die Tarife enthalten eine Behandlung durch den Chefarzt oder die Chefärztin.
  • Versicherungsnehmende erhalten ein Ein- oder Zweibettzimmer, ohne Eintritt eines Unfalls oder einer bestimmten Erkrankung.
  • Die Tarife leisten über die 2,3-fachen sowie 3,5-fachen Regelhöchstsätze der Gebührenordnung für Ärzte hinaus.

Im Vergleich zu 2020 wurden 13 Tarife mehr mit fünf Sternen ausgezeichnet, womit aktuell 53 Tarife den ersten Platz belegen (eine Übersicht der ausgezeichneten Anbieter findet sich hier). 58 Tarife haben mit vier Sternen immerhin das Prädikat „sehr gut“ erhalten. 18 Tarife bewegen sich im Mittelfeld (3 Sterne, „durchschnittlich“), 14 Tarife müssen sich mit einem schwachen Zeugnis begnügen und nur ein Tarif ist mit einem Stern („sehr schwach“) Schlusslicht.

„Von 38 Anbietern hat jeder Anbieter mindestens einen Einbettzimmertarif im Angebot“, so Bohrmann. Zweitbettzimmertarife seien dabei nur etwas günstiger als Einbettzimmertarife.

Luft nach oben beim Krankentagegeld

Die Nachfrage nach einer Police, die im Krankenfall zur Einkommenssicherung beiträgt, ist seltener gefragt. Dabei sind die Versicherungsbeiträge mit durchschnittlich knapp fünf Euro monatlich – bei einem 30-jährigen Versicherungsnehmer – für eine Krankentagegeld von täglich zehn Euro vergleichsweise moderat. Allerdings müssen 50-Jährige mit einer doppelt so hohen Prämie rechnen. Insgesamt ist das Beitragsniveau jedoch konstant geblieben.

Während die vor allem die Zahnzusatz- aber auch die Krankenhauszusatztarife größtenteils leistungsstark sind, gibt es bei den 91 Krankentagegeldtarifen allerdings noch Luft nach oben. Zur Wahrheit gehört aber auch: Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich in den Bewertungen nicht viel verändert. Von 91 untersuchten Tarifen liegen immerhin 37 Tarife mit vier bis fünf Sternen vorne (hier geht es zur Übersicht). Das Gros bewegt sich mit drei Sterne im Mittelfeld. Während fünf Tarife nur mit zwei Sternen (Prädikat: „schwach“) bewertet wurden, gibt es keinen Tarif, der auf dem letzten Platz gelandet ist.

Warum die Mehrzahl der Tarife auf eine durchschnittliche Bewertung kommt, ist leicht erklärt: „Viele scheitern bei dem Sprung über die 3 Sterne hinaus, da sie nicht auf das ordentliche Kündigungsrecht verzichten, sollte nur eine Teilversicherung bestehen“, sagt Bohrmann. Neben dem besagten Kündigungsrecht haben die Bohrmann und seine Kollegen besonderes Augenmerk daraufgelegt, dass Versicherer auch bei Wiedereingliederungsmaßnahmen und Teilarbeitsunfähigkeit leisten.

Zustände, von denen Oscar Wilde wohl nur hätten träumen können: Der wegen Unzucht verurteilte Schriftsteller musste Jahre im Zuchthaus verbringen und wurde zu harter Zwangsarbeit verurteilt, die letztlich seine Gesundheit ruinierten. Der „erste Pflicht im Leben“ konnte er so nicht nachkommen.