PKV: Sozialtarife als Ausweg?

Detlef Pohl Berater

Permanente Beitragsanpassungen in der PKV-Vollversicherung bringen Kunden mitunter an ihre finanziellen Grenzen. Makler können im Zweifel beim Tarifwechsel helfen. Manchmal ist der Umstieg in einen Sozialtarif nötig. Finanztest nennt Details.

Wer aus einem PKV-Hochleistungstarif kommt, muss sich umstellen: Sozialtarife bieten ambulante nur in Arztpraxen mit Kassenzulassung, warnt Finanztest. Bild: FlyView Productions

Wer aus einem PKV-Hochleistungstarif kommt, muss sich umstellen: Sozialtarife bieten ambulante nur in Arztpraxen mit Kassenzulassung, warnt Finanztest. Bild: FlyView Productions

Der Niedrigzins schlägt weiter mit hohen Beitragsanpassungen in der PKV-Voll- und Pflegeversicherung durch. Pandemiebedingt stiegen die Leistungsausgaben in der Vollversicherung 2021 nur um 2,1 Prozent, während vor der Pandemie die jährlichen Kostensteigerungen über vier Prozent lagen. Dennoch stiegen die Beiträge 2022 um 3,8 Prozent (ohne Beihilfe, wo nur ein Plus von 1,6 Prozent zu verzeichnen war), zeigt der „PKV-Marktausblick 2022/2023“ der Rating-Agentur Assekurata.

Die private Krankenversicherung (PKV) ist 2021 weitergewachsen, doch in der Vollversicherung gab es ein leichtes Minus von 0,1 Prozent auf aktuell rund 8,7 Millionen Versicherte. Damit ist knapp jeder zehnte Deutsche privat krankenvollversichert. Viele fürchten jedoch die zuletzt massiven Beitragssprünge, die besonders in höherem Alter schmerzen, zumal im Schnitt der vergangenen zehn Jahre die Beiträge um 2,6 Prozent pro Jahr gestiegen sind. Die Gründe sind vielfältig.

Auswege bei zu hohen Beiträgen

Auswege aus der Endlosschleife der PKV-Beitragsanhebungen gibt es kaum, denn den Versicherer kann man nicht wechseln, ohne seine Alterungsrückstellungen zu verlieren, die in die Beiträge zur Abfederung von überproportionalen Beitragssprüngen im Alter einkalkuliert sind. Da bleibt nur der Wechsel in einen anderen Tarif desselben Versicherers, mit dem sich das bisherige Preis-Leistungsverhältnis in etwa halten lässt. Diesen Rat darf sich ein Makler auch vergüten lassen.

Über Auswege, die mit erheblichen Leistungseinbußen verbunden sind, berichtet die Stiftung Warentest. In der Juli-Ausgabe von Finanztest werden die drei Sozialtarife näher vorgestellt, in denen rund 172.000 Menschen versichert sind:

  • Standardtarif: erhält den Gesundheitsschutz auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), ist aber meist schlechter als der bisherige PKV-Tarif. Nutzbar für alle ab 55 Jahre, insbesondere Rentner. Bringt in der Regel deutliche Beitragssenkung bei geringerem Leistungsumfang. Brancheneinheitlich seit 1994 geregelt und im Angebot. Laut PKV-Verband knapp 54.000 Versicherte mit durchschnittlich 390 Euro Monatsbeitrag (Wert für 2022).
  • Basistarif: Nutzbar für alle, die sonst gar keine Krankenversicherung hätten oder sozial hilfsbedürftig sind (über Jobcenter oder Sozialhilfeträger). Bietet Leistungen, die fast exakt denen der GKV nachgebildet sind, und Versicherer müssen Beitrag halbieren, solange finanzielle Hilfebedürftigkeit vorliegt oder droht (ALG II oder Grundsicherung). Endet die Hilfebedürftigkeit, ist PKV-Basistarif teuer (Höchstbeitrag knapp 770 Euro pro Monat; keine Risikozuschläge erlaubt). Für Rentner ist dann Standardtarif besser. Brancheneinheitlich seit 2009 geregelt und im Angebot. Laut PKV-Verband rund 34.300 Versicherte.
  • Notlagentarif: Ist allenfalls eine Zwischenlösung, um vorübergehende finanzielle Engpässe zu überbrücken. Die Versicherer stufen Kunden automatisch in den Notlagentarif um, wenn sie über mehrere Monate ihre Beiträge nicht zahlen konnten. Erstattet werden dann nur noch Kosten für die nötigsten medizinischen Leistungen, zum Beispiel die Behandlung im Krankenhaus in akuten Fällen. Aus Kundensicht ist der Tarif deswegen riskant. Aus finanzieller Sicht dauerhaft nicht empfehlenswert, da Versicherer Geld aus den angesparten Alterungsrückstellungen des normalen Tarifs entnimmt. Je länger man Notlagentarif nutzt, umso teurer wird es später im Normaltarif. Brancheneinheitlich seit 2013 geregelt. Laut PKV-Verband rund 83.500 Versicherte mit rund 100 Euro Monatsbeitrag (Wert für 2022).

Was die Sozialtarife nicht bieten

Wer aus einem PKV-Hochleistungstarif kommt, muss sich umstellen: Alle drei Sozialtarife bieten zum Beispiel keine Chefarztbehandlung im Krankenhaus sowie keine oder begrenzte Leistungen beim Zahnersatz. Eine Versorgungsgarantie gibt es nur bei Praxen mit Kassenzulassung, schreibt Finanztest. Im Zweifel helfen die kassenärztlichen Vereinigungen.

In finanziellen Notlagen gibt es Hilfe vom Amt. Finanztest gibt Hinweise, wie privat Krankenversicherte vorgehen sollten, wenn Hilfe vom Jobcenter oder Sozialamt (zum Beispiel ALG II oder Grundsicherung) benötigt wird. Hilfebedürftige im Sinne des Sozialrechts werden dagegen nicht im Notlagentarif versichert, sondern wechseln in den sogenannten Basistarif, erklärt der PKV-Verband. Die Stiftung Warentest rät zu schnellstmöglichem Kontakt zum Versicherer und anderen Gläubigern und empfiehlt Hilfe bei Schuldnerberatungsstellen. Einen Notlagentarif für die private Pflegepflichtversicherung gibt es leider nicht.

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