Pflegelücke: Neuer Generationenvertrag als Ausweg?

Hannah Petersohn Berater Versicherungen

Anlässlich seiner Jahrestagung hat der PKV-Verband nicht nur die aktuellen Zahlen rund um die private Krankenversicherung bekanntgegeben, sondern auch eine Lösung zur drohenden Pflegelücke offeriert. Wie der Verband allerdings das Problem der niedrigen Anzahl an Vollversicherten lösen will, bleibt offen.

Pflegelücke: Ein neues Generationenmodell als Ausweg? Bild: Adobe Stock/fizkes

Der Verband der Privaten Krankenversicherer schlägt ein Update des Generationenvertrags vor, um die drohende Pflegelücke abzuwenden. Bild: Adobe Stock/fizkes

Nahezu jeder zweite Deutsche verfügt mittlerweile über eine private Krankenversicherung. Im vergangenen Jahr ist die Gesamtzahl an privaten Versicherungen um knapp eine Million auf 37,1 Millionen gestiegen, wie der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) am Donnerstag anlässlich seiner Jahrestagung vermeldet hat. Der Grund für den Zuwachs liegt jedoch im boomenden Geschäft mit Zusatzversicherungen, das um 3,5 Prozent auf 28,4 Millionen zugenommen hat.

Der PKV spricht von einer erfreulichen Entwicklung in der Vollversicherung und bezieht sich dabei auf den Umstand, dass 2021 mehr Menschen von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung gewechselt sind: Stiegen im vergangenen Jahr 122.900 Personen von der PKV in die GKV um, waren es andersherum 146.000 Menschen, die den Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung vollzogen haben. Das macht ein Plus von 23.600 Personen.

„Wir müssen freiwillig gesetzlich Versicherte besser erreichen“

Doch diese Entwicklung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die PKV ein Problem mit Vollversicherungen hat. Seit 2011 stagniert ihre Anzahl beziehungsweise geht peu à peu zurück. Waren vor elf Jahren noch neun Millionen Menschen komplett privat versichert, sind es im vergangenen Jahr 8,7 Millionen Personen gewesen. Im Vergleich zum Vorjahr betrug der Abrieb 0,1 Prozent.

Erst kürzlich meldete die Ratingagentur Assekurata einen PKV-Nettobestandsverlust von rund 9.000 Versicherten. Angesichts der Tatsache, dass seit 2018 wieder mehr Menschen aus der GKV in die PKV wechselten als andersherum und dass die Anzahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst sukzessiv gestiegen ist, verwundert dieser Negativtrend. „Die PKV hat ein Zugangsproblem: Sie ist erklärungsbedürftig“, glaubt Alexander Kraus, Assekurata-Fachkoordinator Krankenversicherung. Aus seiner Sicht gelinge es den Versicherern nicht, die gutverdienende Klientel zu erreichen und als Kunden zu gewinnen.

Ralf Kantak, PKV-Vorstandsvorsitzender, sieht das Problem in der Beitragsbemessungsgrenze, die jährlich steigt und sich in den vergangenen Jahren um knapp 30 Prozent erhöht haben. Arbeitnehmer müssen heute also wesentlich mehr verdienen, um überhaupt in die PKV eintreten zu können. „Das erschwert den Gang in die PKV“, so Kantak.

Dennoch gibt er zu: „Wir müssen freiwillig gesetzlich Versicherte besser erreichen, dort sind wir noch nicht weitergekommen. Und wir müssen überlegen, was wir besser machen können.“ Welche konkreten Punkte das sein könnten, ließ der Vorstandsvorsitzende allerdings unbeantwortet und erklärte lediglich: „Wir werden mit dem einen oder anderen Vorschlag überraschen.“

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