Leitzinserhöhung und Baufinanzierung: Droht ein sprunghafter Anstieg der Kreditzinsen?

Hannah Petersohn Berater

Die Europäische Zentralbank hat nach langem Zögern angekündigt, den Leitzins im Juli anheben zu wollen. Was für Verbraucher ein Grund zum Aufatmen ist, lässt zukünftige Immobilienbesitzer um ihre Baufinanzierung bangen.

Leitzinserhöhung und Baufinanzierung: Droht ein sprunghafter Anstieg der Kreditzinsen? Bild: Warchi

Während die einen die angekündigte Anhebung des Leitzinses mit Erleichterung begrüßen, könnte angehende Eigenheimbesitzer nervös werden. Bild: Warchi

Am Donnerstag hat der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) den Leitzins erhöht. Die Währungshüter haben sich schließlich dem Druck, der durch die nahezu entfesselte Inflation immer größer wurde, gebeugt. Die von vielen lang ersehnte Anhebung – geplant sind 25 Basispunkte und damit 0,25 Prozent – solle demnach im Juli Realität werden.

Während viele Verbraucher nun hoffen, dass die Teuerungsrate endlich wieder auf ein Normalmaß zurückschwingt, versetzt die Ankündung jene, die sich in naher Zukunft eine Immobilie zulegen wollten, hingegen in Panik. Schließlich könnten die Kredite infolge steigender Zinsen nun wieder anziehen.

Allerdings gehen Verbraucherschützer nicht davon aus, dass sich die Ankündigung der Leitzinsanhebung unmittelbar auf die Zinsen zur Baufinanzierung auswirken werde.

„Aus unserer Erfahrung passen Banken und Sparkassen ihre Zinsen schon Wochen und Monate vor einer Ankündigung der EZB nach und nach an“, erklärt Dirk Scobel von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Und selbst wenn dem nicht so wäre, würden die Banken ihre Zinsen direkt nach der EZB-Entscheidung anheben. Dieser Zinserhöhung könnten Verbraucherinnen und Verbraucher gar nicht mehr zuvorkommen.“ Die Verbraucherschützer raten deswegen auch von dem Abschluss eines überstürzten Immobilienkredits ab.

Besitzen ist günstiger als Mieten

Die Nachfrage nach Wohneigentum ist derweil ungebrochen. Während die Kaufpreise in den vergangenen Monaten immer weiter gestiegen sind, war es durch den Niedrigzins bisher vergleichsweise günstig, ein Hypothekendarlehen zu bekommen. Dadurch sanken die sogenannten Selbstnutzerkosten sogar um durchschnittlich 0,11 Euro pro Quadratmeter und Monat im Vergleich zum Vorjahr.

Wohneigentum zu besitzen war in Deutschland im Jahr 2021 circa 59 Prozent günstiger als Mieten, wie der aktuelle Wohnkostenreport, der vom Immobilienunternehmen Accentro und dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erstellt wurde, zeigt. Die Studienautoren weisen ebenfalls daraufhin, dass die Zinskosten in Erwartung erster Zinsschritte durch die EZB bereits im Vorfeld signifikant gestiegen seien.

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