Hausratversicherung: Reicht die Basisdeckung aus?

Detlef Pohl Berater Top News

Eine Hausratversicherung ist für fast alle Haushalte sinnvoll, befindet die Stiftung Warentest. Dabei sei die Basisdeckung mit dem Grundschutz für viele ausreichend. Doch Finanztest bleibt die Begründung schuldig und vergleicht primär Basistarife.

Der Basistarif deckt die wichtigen Schäden beim Hausrat ab, meint Finanztest. Bei Diebstahl von Wertsachen reicht das oft aber nicht aus. Bild: megakunstfoto

Der Basistarif deckt die wichtigen Schäden beim Hausrat ab, meint Finanztest. Bei Diebstahl von Wertsachen reicht das oft aber nicht aus. Bild: megakunstfoto

Eine Hausratsversicherung hilft bei Einbruch, Raub, Brand, Schäden durch Leitungswasser, Sturm und Hagel. Im Schadenfall geht es dabei oft um viel Geld. Die Stiftung Warentest hat 247 Tarife von 98 Anbietern untersucht und dabei große Preisunterschiede festgestellt, heißt es in der Juli-Ausgabe von Finanztest.

Viele Versicherer bieten mehrere Tarifvarianten: oft einen Basistarif mit dem Grundschutz, einen Komforttarif und einen Premiumtarif mit erweiterten Leistungen, zum Beispiel höhere Erstattungen für Hotelkosten. „Für die meisten reicht jedoch die Basisvariante,“ heißt es bei Finanztest. Außen vor bliebe dabei zum Beispiel der Schutz von teuren Fahrrädern gegen Diebstahl.

Tipp zum Basistarif ist fragwürdig

Die Begründung ist äußerst dünn: „Dieser Schutz deckt die wichtigen Schäden ab. Viele Basistarife versichern auch Überspannungsschäden ohne Aufpreis mit“, heißt es im Online-Auftritt von Finanztest. Im Heft selbst wird lapidar gesagt: „Wer mehr Schutz will, wählt einen leistungsstärkeren Tarif.“ Die Details dazu gibt es in einer 12-seitigen Zusatzinformation, nicht jedoch im eigentlichen Lauftext des Artikels.

Test-Urteile für die Tarife werden nicht vergeben. Begründet wird auch dies nicht. Einen individuell berechneten Tarif erhalten Finanztest-Leser kostenlos im Online-Vergleichsrechner, verspricht die Redaktion. Haftung wird dafür natürlich nicht übernommen. Da bleibt für Makler viel Arbeit in der Beratung, die individuell den passenden Schutz unter einer Vielzahl von Angeboten suchen müssen und dabei für den Rat natürlich haften.

Preisaffinität statt Qualitäts-Urteile

Finanztest konzentriert sich auf die günstigsten Angebote im Basisschutz und meint damit – wie so oft – preisgünstig. Für den Modellfall (40-jähriger Angestellter mit 100-Quadratmeter-Eigentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus, Neuvertrag mit einjähriger Laufzeit, jährliche Zahlungsweise, keine Vorschäden in den vergangenen fünf Jahren) in Jena (niedriges Einbruchsrisiko) machte die Domcura mit 52 Euro Jahresbeitrag das günstigste Angebot, im Modellfall Krefeld (hohes Einbruchsrisiko) die Huk24 mit 83 Euro. Beide Städte liegen in der preisgünstigsten Zone für Überschwemmungen. „Teure Verträge kosten viermal so viel“, resümiert die Stiftung.

Getestet wurde der Grundschutz – Brand, Blitzschlag, Explosion/Implosion, Einbruch/Vandalismus, Raub, Leitungswasser, Sturm/Hagel – ohne Selbstbehalt des Kunden im Schadenfall. Zusätzlich wurde der Baustein Naturgefahren mituntersucht und in den Tabellen auch ausgewiesen. Spezialtarife für den öffentlichen Dienst blieben unberücksichtigt. Bei den alphabetisch aufgelisteten Anbietern und Tarifen gibt es laut Finanztest keine Kürzung der Leistung bei grob fahrlässig herbeigeführten Schäden.

Große Unterschiede bei Wertsachen-Absicherung

Dass dieser Versicherungsschutz häufig nicht passt, zeigt sich schon bei Wertsachen. Die sind in der Basisdeckung bei den gelisteten Angeboten „mit mindestens 20 Prozent der Versicherungssumme“ abgedeckt, was nur einer sehr groben Einteilung entspricht. In der Tabelle zeigt sich dann aber, dass einige schon in der Basisdeckung 30, 50 oder gar 100 Prozent bei Wertsachen (Ammerländer; die Bayerische) erstatten.

Entschädigungsgrenzen werden auch für die Bereiche Überspannung, Fahrrad und Vorsorgeversicherung tabellarisch genannt. Zudem werden weitere, ohne Aufpreis versicherte Risiken aufgeführt: Außenversicherung, Hotelkosten, Lagerkosten, Einbruchdiebstahl aus Kfz beziehungsweise Schiffskabine, Diebstahl von Gartenmöbeln, Rauch- und Rußschäden, berufsbedingte Zweitwohnung und „Guter Nacht-Schutz für Fahrräder“. Anhand eines Punktesystems wird dazu grob bewertet, in welchem Umfang die jeweiligen Gefahren mitversichert sind.

Leser in Marktvielfalt alleingelassen

Dennoch mangelt es an Klarheit für den Leser. Mehr als 50 Fußnoten mit Leistungseinschränkungen erschweren den Durchblick. Auch das genannte Punktesystem für Zusatzleistungen bringt keinen nachvollziehbaren Aufschluss, denn der konkrete Umfang und die konkreten Preise dafür werden nicht ersichtlich. Ohne fachkundigen Rat eines Maklers dürften Leser den individuellen passenden Versicherungsschutz nicht herausfinden.

Die vorhandene Police sollten die Verbraucher regelmäßig checken und gegebenenfalls aktualisieren, rät Finanztest. „Policen, die 10 oder 20 Jahre alt sind, bieten teils weniger Leistungen“, heißt es. Dieser Check samt Wechselvorschlag dürfte viele Verbraucher überfordern, weil sie keinen Marktüberblick haben. Im Jahresgespräch oder bei unterjähriger Information des Kunden zur Gefahrenerhöhung würde ein Versicherungsmakler diesen Marktcheck übernehmen und auch seine Erfahrungen mit der Schadenregulierung einbringen.

Einen guten Überblick zu den Favoriten der Makler in der Hausratversicherung bietet die jüngste Umfrage der VEMA Maklergenossenschaft. Unter über 2.000 Antworten entpuppten sich als Favoriten im Neugeschäft: die Haftpflichtkasse, Basler, AIG, Axa und Ammerländer.

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