Fahrradversicherungen: Gutes Rad ist teuer

Uwe Schmidt-Kasparek Versicherungen Berater

Immer mehr Menschen nutzen das Zweirad und geben dafür immer mehr Geld aus. Ein Trend mit Beratungsbedarf, denn der Wettbewerb für separate Fahrradpolicen wird schärfer.

Fahrraddiebstahl, Bild: Uli_B

Fahrraddiebe haben es oft auf hochwertige Modelle und teure Pedelecs abgesehen. Bild: Uli_B

„Jedes vierte E-Bike in Deutschland ist nicht gegen Diebstahl versichert“, sagt Braulio Dario Rissi, Geschäftsführer Sachversicherungen beim Internetportal Check24. „Das ist überraschend, da ein E-Bike mittlerweile zu den teuersten Anschaffungen der Deutschen zählt.“ Seit 2019 sei der durchschnittliche Kaufpreis um 17 Prozent auf aktuell 2.857 Euro gestiegen.

Der Trend wird durch Pandemie und den Kurs zur Nachhaltigkeit noch beschleunigt. „Das Rad ist heute Transportmittel, Freizeit- und Sportgerät. Und die Kunden haben noch nie bereitwillig so viel für ein Rad ausgegeben“, stellt Andreas Brunner fest, Versicherungsmakler und Vorstand bei der Maklergenossenschaft Vema. „Auf den neuen Bedarf haben inzwischen mehrere Versicherer reagiert und bieten Fahrradversicherungen als noch recht neue Sparte an“, so Brunner.

Rund-um-Schutz

Angesichts der steigenden Anschaffungskosten rechnet sich immer häufiger eine separate Fahrradversicherung. Denn die Deckungssummen innerhalb der Hausratpolice kommen für den Bereich „Fahrrad“ schnell an ihre Grenzen. Bei Spezialpolicen können in der Regel Räder und Pedelecs bis zu einem Wert von 10.000 Euro versichert werden. Außerdem gibt es mit der Hausratversicherung nur Diebstahlschutz.

Demgegenüber leisten die reinen Rad-Policen nicht nur bei Diebstahl, sondern decken fast jede Beschädigung ab. Versichert sind Unfall- und Sturzschäden oder Vandalismus, also die mutwillige Zerstörung des Rades. Es gibt eine Absicherung bei Naturgefahren und Fehlbedienungsschäden sowie beim Pedelec Schutz für Elektronik, Feuchtigkeit oder Überspannung. Neben dem Diebstahl des gesamten Fahrrads, sind seine festverschraubten Teile und vielfach sogar Helme, Taschen oder Gepäck eingeschlossen. Und in den E-Bike-Tarifen ist das technische Herzstück, der Akku, mitversichert. Zudem sorgen die Extrapolicen inklusiv oder gegen Aufpreis dafür, dass der Radfahrer nach Unfall oder Panne per Schutzbrief mobil bleibt.

Erstmals Teuerungsschutz

Die Hausratversicherung zahlt bei Diebstahl den echten Neupreis des Rades, während Spezial-Rad-Policen nur den Kaufpreis erstatten. Er gilt im Vertrag als Versicherungswert. Wertsteigerungen sind also nicht mitversichert – bisher! Denn nun bieten schon zwei Assekuranzen einen Einstieg in die Neuwertversicherung.

So leistet die Ammerländer im Tarif „Fahrrad-Vollkaskoversicherung Excellent“, den es für Fahrräder und Pedelecs gibt, eine sogenannte Teuerungsabsicherung von 20 Prozent. Bei Ansafe im Tarif „Fahrradversicherung – Diebstahl, Reparatur und Schutzbrief“, der auch für Pedelecs abschließbar ist, gilt ein Vorsorgeschutz von zehn Prozent. Einen ersten guten Ansatz hat auch die Zurich „E-Mobilversicherung Fahrrad“ und „E-Mobilversicherung Pedelec“ integriert. Den Fahrradhelm gibt es immer für bis zu 150 Euro zusätzlich.

Der scharfe Wettbewerb um mehr Leistung wird auch von den Vermittlern goutiert. Sie haben längst ihren „Liebling“ gekürt. In der Vema-Umfrage votierten im April 2022 insgesamt 448 von 822 befragten Makler für die Ammerländer. Damit führt die Assekuranz mit 54,5 Prozent der Nennungen vor Barmenia (13,02 Prozent) und Waldenburger (12,65).

Deutliche Prämienunterschiede 

Vermittler können ihren Fahrradkunden bei der Tarifauswahl helfen. Denn noch immer gibt es extreme Preisunterschiede beim Extra-Radschutz. Das zeigt eine aktuelle Prämienerhebung für ein neues, 4.000 Euro teures Pedelec (siehe Tabelle). Untersucht wurden vier Städte, die auf Basis der Regio-Einteilung der Barmenia-Versicherung ausgewählt wurden. Eine einheitliche Regio-Struktur gibt es am Markt nicht. Es bleibt den Radfahrern und Vermittlern somit nichts anderes übrig, als die Prämien individuell zu vergleichen.

Last but not least: Im Unfallfokus stehen vor allem ältere Fahrerinnen und Fahrer, die ein Pedelec nutzen. Während bei den Fahrradfahrern 55 Prozent der Unfalltoten über 65 Jahre alt sind, beträgt der Seniorenanteil bei E-Radbesitzern sogar 68 Prozent – so die Allianz-Studie „Zweiradsicherheit im Überblick“. Schwer verletzen sich auf dem E-Fahrrad 44 Prozent der über 65-jährigen, während es auf dem klassischen Rad nur 23 Prozent sind. Wer also auf ein E-Bike steigt, vor allem wenn er lange nicht mehr mit dem Rad unterwegs war, sollte sich zusätzlich auch gegen Unfälle schützen.

Ein guter Anlass, an die Senioren-Unfallpolice zu erinnern. Sie leistet bekanntlich nicht nur wie die klassische Unfallversicherung bei Invalidität eine Kapitalsumme, sondern bietet schon für kleinere Schäden Hilfe. Während der zeitweiligen Hilfebedürftigkeit nach einem Unfall wird den Betroffenen mit Essens-, Reinigungs- und Unterstützungsservice unter die Arme gegriffen.

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