ESG-Investments: Privatanleger sind starke Wachstumstreiber

Hannah Petersohn Investmentfonds

Nachhaltige Investments boomen: 2021 lag das gesamte Volumen sogenannter verantwortlicher Geldanlagen bei über zwei Billionen Euro – ein neuer Rekordwert. Private Anleger spielten dabei eine Schlüsselrolle.

ESG-Investments: Privatanleger sind starke Wachstumstreiber Bild: howtogoto

ESG-Investments erfreuen sich großer Beliebtheit: Das investierte Volumen durch institutionelle Anleger hat dabei zwar auch zugelegt, aber bei weitem nicht so stark wie es bei den privaten Investoren der Fall ist. Bild: howtogoto

Der Run auf nachhaltige Geldanlagen ist ungebrochen: Im vergangenen Jahr lag die Gesamtsumme verantwortlicher Investments bei 2,2 Billionen Euro, 2020 betrug das Volumen noch 1,9 Billionen Euro. Das geht aus dem aktuellen Marktbericht 2022 vom Verband Forum Nachhaltige Geldanlage (fng) hervor, für den 73 Finanzdienstleister befragt worden sind.

Bei verantwortlichen Investments handelt es sich um Anlagen, bei denen Asset Manager ESG-Kriterien in ihren Anlagestrategien berücksichtigen. Nachhaltige Geldanlagen zeichnet aus, dass in den Anlagebedingungen und Verkaufsprospekten konkrete ESG-Kriterien ausgewiesen sind. Jene Publikumsfonds, die nach Artikel 8 oder Artikel 9 der Offenlegungsverordnung klassifiziert sind, gelten als nachhaltige Geldanlagen.

Nachhaltige Geldanlagen, die also in der Gesamtsumme verantwortlicher Investments enthalten sind, haben sich 2021 im Vergleich zu 2020 verdoppelt auf ein Volumen von 51,4 Milliarden Euro. Im Vorjahr lag der Anstieg nur bei 25 Prozent.

Dunkelgrüne Fonds im Abseits

Insgesamt beträgt der Marktanteil nachhaltiger Publikumsfonds, Mandate und Spezialfonds mittlerweile 9,4 Prozent (2020: 6,4 Prozent). Dabei liegt der Anteil nachhaltiger Publikumsfonds an der Gesamtsumme der Publikumsfonds bei 16,7 Prozent und hat mit 130 Prozent noch stärker zugelegt als in den Vorjahren. 93 Prozent dieser Publikumsfonds wurden als Artikel-8-Fonds, also als hellgrüne Finanzprodukte, deklariert, bei denen ökologische und/oder soziale Aspekte berücksichtig wurden. Artikel-9-Fonds müssen explizite Nachhaltigkeitsziele verfolgen wie beispielsweise die Reduktion von CO2-Emissionen. Während immerhin sieben Prozent des Fondsvolumens von Publikumsfonds aus besagten Artikel-9-Fonds bestehen, spielen sie in Mandaten und Spezialfonds bisher gar keine Rolle.

Dass die Gesamtsumme nachhaltiger Publikumsfonds im vergangenen Jahr erstmals über der Gesamtsumme nachhaltiger Mandate und Spezialfonds liegt, hat nicht nur etwas mit gestiegenen Mittelzuflüssen zu tun (40 Prozent), sondern auch damit, dass bestimmte Fonds nunmehr auch als Artikel-8-Fonds klassifiziert worden sind. Das betrifft in erster Linie nachhaltige Immobilienfonds mit einem Volumen von 72,2 Milliarden Euro.

Ein Treiber des Wachstums nachhaltiger Geldanlagen sind private Anleger: Sie haben ihr Investitionsvolumen in nachhaltige Fonds um 230 Prozent auf 131,2 Milliarden Euro erhöht, das entspricht einer Verdreifachung im Vergleich zu 2020. Eine andere Rolle spielt zudem auch das gestiegene Angebot nachhaltiger Investmentoptionen.

Zwar nahm auch der Anteil institutioneller Investoren zu (26 Prozent), da die privaten Anleger jedoch im Vergleich deutlich stärker zugelegt haben, verschieben sich die Relationen: Kamen 2020 noch 82 Prozent der investierten Gelder von institutioneller Seite, schrumpfte der Anteil im vergangenen Jahr auf nur noch 64, während private Anleger über ein Drittel ausmachen (36 Prozent). Ihr Einfluss wurde lange unterschätzt, schließlich lag 2018 ihr Anteil nur bei sieben Prozent.

Hinsichtlich der jeweiligen Assets, die im Sinne der Nachhaltigkeit für die Geldanlage gewählt werden, liegen Aktien mit 36 Prozent, Unternehmensanleihen mit 25 Prozent und Immobilien mit 21 Prozent vorn.

Die beliebteste Anlagestrategie bei Publikumsfonds liegt in der Integration von ESG-Kriterien. Lagen Ausschlüsse, wie der Ausschluss von Tabak, Rüstung oder Glücksspiel, im Ranking der Nachhaltigkeitsstrategien 2020 noch an erster Stelle, nehmen sie nun den zweiten Platz knapp hinter der ESG-Integration ein. Zu den Top-Ten der Ausschlusskriterien in Deutschland gehören nach Wichtigkeit genannt: Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Bestechung, Arbeitsrechtsverletzungen, Kohle, Umweltzerstörung, Tabak, Waffen und Rüstung, Kernenergie, Pornografie und Glücksspiel.

Die Branche blickt trotz geopolitischer und möglicher Finanzmarkt-Krisen auch weiterhin positiv auf die Zukunft nachhaltiger Investments: 40 Prozent der befragten Finanzdienstleister rechnen auch für das laufende Jahr mit einem Wachstum von bis zu knapp einem Drittel.