„Ein Provisionsrichtwert würde Makler massiv diskriminieren“

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Die BaFin denkt über die Einführung eines Provisionsrichtwerts in der Lebensversicherung nach. Warum dies unbegründet geschieht, nutzlos ist und sogar Maklerpools Probleme bereiten kann, erläutert VOTUM-Vorstand Martin Klein.

Ein Provisionsrichtwert könnte auch Maklerpools schaden Bild: Votum

„Ein Provisionsrichtwert bedeutet nicht mehr Rendite für die Kunden“, sagt VOTUM-Vorstand Martin Klein. Bild: VOTUM

procontra: Lange forderte die BaFin für die Lebensversicherung einen Provisionsdeckel, nun bastelt sie an einem Provisionsrichtwert. Was ist der Unterschied?

Martin Klein: Ich würde das mit dem Geschwindigkeitsrichtwert auf der Autobahn vergleichen: Der liegt bei 130 Stundenkilometern. In manchen Abschnitten muss man langsamer und in anderen darf man schneller fahren. Uns interessiert nun vor allem, ob die Versicherer bei einem Provisionsrichtwert der BaFin unter bestimmten Voraussetzungen auch wieder nach oben abweichen können. Denn wenn die Aufsicht die Provisionssätze diktieren möchte, dann sind wir schon wieder im Bereich eines Deckels. Dazu hat die BaFin keine Ermächtigung und dieses Vorhaben ist bekanntlich kürzlich politisch gescheitert, weil die Ampelparteien es nach längerer Diskussion nicht in ihren Koalitionsvertrag mit aufgenommen haben.

procontra: Werden die Lebensversicherer einfach mitziehen, wenn sich die BaFin per Rundschreiben auf einen Richtwert festlegt?

Klein: Das Problem ist, dass die Rundschreiben der BaFin für die beaufsichtigten Unternehmen als verbindlich gelten. Da bedarf es dann schon eines gewissen unternehmerischen Muts, sich zu widersetzen. Auch, weil die BaFin dann wahrscheinlich zum Einzelgespräch einladen und die Beweggründe genau hinterfragen würde. Das würde eine verstärkte Erläuterungsthematik für die Anbieter bedeuten und sie in ihrem marktwirtschaftlichen Verhalten einschränken. Insofern gehe ich davon aus, dass alle Versicherer den Vorgaben eines Rundschreibens folgen würden.

procontra: Rechnen Sie zumindest vorab mit Widerstand der Versicherer?

Klein: Die BaFin hat für die zweite Jahreshälfte eine Konsultation zu diesem Thema angekündigt. Das heißt, hier werden wir als Vermittlerverbände als auch die Versicherer in die Planung mit einbezogen und können dann auch unsere zahlreichen Kritikpunkte vorbringen – Kritikpunkte, die wir übrigens mit wissenschaftlichen Gutachten hieb- und stichfest belegen können.

procontra: Was schätzen Sie denn, wie hoch dieser Provisionsrichtwert nach Vorstellung der BaFin ausfallen wird?

Klein: Ich bleibe bei meiner grundsätzlichen Einschätzung: Es darf keinen derartigen Richtwert geben. Wenn die Aufsicht sich hierzu Gedanken macht, dann wird sie sich sicherlich erst einmal an dem 2019 kursierenden Referentenentwurf zum Provisionsdeckel orientieren, also 25 Promille vom Lebenswert als Basis. Abhängig von qualitativen Merkmalen konnten diese laut damaligem Entwurf auf bis zu 40 Promille steigen.

procontra: Würden die Provisionen für das Gros der Vermittler sinken, wenn die BaFin diesen Richtwert durchsetzt?

Klein: Selbst bei den Umfragen der BaFin kam heraus, dass die Provisionen im Marktdurchschnitt gar nicht über 40 Promille liegen. Ein Richtwert muss also nicht zwingend ein sinkendes Provisionsniveau bedeuten. Aber für die unterschiedlichen Vertriebswege würde es vereinzelt schwieriger werden, eine angemessene Vergütung zu erhalten.

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