Coronaerkrankung ist per se kein Hindernis für Versicherungsschutz

Gastkommentar Berater Versicherungen

Nach einer durchgestandenen Coronainfektion fragen sich manche PKV-Kunden, ob ihre Krankenversicherung nun deutlich teurer wird oder, ob sie überhaupt noch einen Versicherungsschutz bekommen. Ein Kommentar von Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung

Coronaerkrankung ist per se kein Hindernis für Versicherungsschutz Bild: DAV

Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV), Bild: DAV

Glücklicherweise scheinen wir uns inzwischen in den Abendstunden der Coronapandemie zu befinden, die viel Leid hinterlassen hat. Allein hierzulande sind mehr als 140.000 Menschen an oder mit Covid gestorben und jeder Einzelne ist ein tragisches Schicksal. Mit dem Fortschreiten der Pandemie stellen sich verständlicherweise auch viele Fragen zu den langfristigen Folgen. Zwei davon sind immer wieder: Wird meine Private Krankenversicherung durch die Coronabehandlungen nun deutlich teurer und bekomme ich nach einer Coronaerkrankung überhaupt noch einen Versicherungsschutz?

Aus aktuarieller Sicht lauten die Antworten hierauf wohl: Nein und ja! Aber der Reihe nach: Während der Pandemie haben wir in der PKV gegenläufige Effekte beobachtet. Auf der einen Seite sind die Kosten für die Coronabehandlungen teilweise stark angestiegen, auf der anderen Seite wurden aber viele Operationen und Untersuchungen verschoben oder leider vielfach sogar ganz abgesagt. Zudem dürfen die Aktuarinnen und Aktuare in den PKV-Unternehmen für ihre Prämienkalkulationen keine vorübergehenden Geschehnisse berücksichtigen und dazu gehören auch die einmaligen Sonderausgaben für Corona. Entsprechend erwarten wir, dass Corona keine Auswirkungen auf die PKV-Beitragsanpassungen für das Jahr 2023 haben wird.

Positive Nachrichten gibt es auch für alle, die einen neuen Vertrag für die PKV oder die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abschließen wollen. Denn eine Coronaerkrankung ist dafür per se kein Ausschlussgrund. Sie muss aber wie alle Vorerkrankungen im Antragsprozess angegeben werden und kann bei schweren Verläufen gegebenenfalls zu einer temporären Zurückstellung des Antrags und/oder gegebenenfalls zu Prämienaufschlägen oder Leistungsausschlüssen führen. Denn die Prämien müssen nach den anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik risikoadäquat und mit Sicherheitspuffern kalkuliert werden. Das ist keine Gängelei der Versicherer und ihrer Aktuariate, sondern schlichte Mathematik und Erfahrung.

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