bAV: So beteiligen sich die Sozialpartner in der Schweiz

Detlef Pohl Berater

Trotz Förderung hakt das bAV-Geschäft mit der reinen Beitragszusage. Neue Überlegungen für den Durchbruch des Sozialpartnermodells hierzulande wurden mit Blick über die Grenzen in die Schweiz und die Niederlande auf einer Fachtagung diskutiert.

bAV: So beteiligen sich die Sozialpartner in der Schweiz Bild: Brilliant Eye

In der Schweiz gebe es eine gut funktionierende Sozialpartnerschaft bei der Steuerung der Altersversorgungskassen, sagt Thomas Schönbächler, Vorsitzender der Geschäftsleitung der BVK, mit 41 Milliarden Franken Anlagevermögen die größte schweizerische Pensionskasse. Bild: Brilliant Eye

Bei der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) gibt es mehrere Großbaustellen, die einer weiteren Verbreitung im Wege stehen. Dazu zählt auch die praktische Umsetzung der theoretisch seit 2018 mit dem Betriebsrenten-Stärkungsgesetz (BRSG) erlaubten Sozialpartnermodelle. „Sie bieten für den bAV-Ausbau ein ideales, innovatives Instrument“, sagte Rolf Schmachtenberg, Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium (BMAS), auf der Fachtagung „Leinen los, Sozialpartnermodelle“.

Organisiert hat den Kongress, der vergangene Woche in Berlin stattfand, der Eberbacher Kreis, ein Zusammenschluss renommierter Anwaltskanzleien auf dem Gebiet der bAV. „Das tarifliche Sozialpartnermodell eröffnet Möglichkeiten für einfache, attraktive, sehr kostengünstig organisierte Betriebsrenten bei gleichzeitig hoher Sicherheit – daher steht die Bundesregierung zu diesem Modell“, betont Schmachtenberg auf der Tagung.

Rolle der Pensionsfonds für das SPM unterschätzt

„Im Ausland haben die Branchen-Pensionsfonds, die bei uns als ‚Sozialpartnermodell‘ strukturiert werden könnten, eine riesige Bedeutung“, hat Rechtsanwalt Marco Arteaga von Luther Rechtsanwaltsgesellschaft und zugleich Sprecher des Eberbacher Kreises, beobachtet. „In den Niederlanden beträgt das Vermögen der beiden größten Pensionsfonds zusammengenommen mehr als die gesamte bAV in Deutschland“, so Arteaga auf der Tagung weiter. Dies habe riesige Auswirkungen auf Kosten, Stabilität und den Einfluss, den die Pensionsfonds auf die Wirtschaft nehmen.

Das untermauern auch die ausländischen Gastredner: Peter Borgdorff, früherer CEO des 250 Milliarden Euro schweren zweitgrößten niederländischen Pensionsfonds „Zorg en Welzijn (PFZW), verweist auf den Stellenwert des Asset Managements, das ja die Renten sicher erwirtschaften muss, ohne Garantien zu geben. Überraschenderweise beneidet er die Ausgangslage für Deutschland: „Die ganz neue Gesetzgebung in Deutschland enthält bereits viel von dem, was derzeit die Niederlande für die seit Jahrzehnten bestehenden Pensionsfonds an Verbesserungen einführt.“

Sozialpartnerschaft in größter Schweizer Pensionskasse

Etwas konkreter berichtet Thomas Schönbächler, Vorsitzender der Geschäftsleitung der BVK, mit 41 Milliarden Franken Anlagevermögen die größte schweizerische Pensionskasse. Sie wurde 1926 als Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich gegründet, ist heute aber eine privatrechtliche Stiftung und organisiert bAV vorrangig für die Branchen Gesundheit, Bildung und Verwaltung.

In der Schweiz gebe es eine gut funktionierende Sozialpartnerschaft bei der Steuerung der Altersversorgungskassen. „Arbeitgeber und Arbeitnehmer tragen gemeinsam die Verantwortung für die Pensionskassen und entscheiden deshalb zusammen und auf Augenhöhe“, sagt Schönbächler. Das bringe auch langfristig die besten und nachhaltigsten Erfolge.

Wie die bAV etabliert und organisiert ist

„Als größte Schweizer Pensionskasse (130.000 Versicherte) unter rund 1.430 anderen haben wir gute Möglichkeiten, Skaleneffekte sowie die Einkaufsmacht zu nutzen“, ergänzt der Pensionskassenchef. So habe man in der BVK die vergangenen zehn Jahre die Kosten halbiert. „Das Geld kommt nun unseren Versicherten zugute“, betont der Experte.

In seinem Vortrag verweist Schönbächler zudem auf die Rolle der bAV in der Altersvorsorge der Schweiz, die seit 1985 obligatorisch und mischfinanziert ist. Im Kapitaldeckungsverfahren sei rund eine Billion Schweizer Franken investiert. Jeder Arbeitgeber schließe sich einer Pensionskasse an, jeder Arbeitnehmer habe ein individuelles Konto. „Bei Jobwechsel wird das Sparguthaben problemlos in die neue Pensionskasse transferiert“, berichtet Schönbächler. Die letzte Pensionskasse leiste die gesamte lebenslange Altersrente.

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