bAV: Neue Produkte braucht das Land im Niedrigzins…

Detlef Pohl Berater Top News

… doch Regierung und Aufsicht blockieren Neuerungen bei Garantien und dem Sozialpartnermodell, wurde auf einem HDI-Expertenforum deutlich. Dabei sind die allgemeine Zukunftschancen moderner bAV-Produkte unbestritten.

Bedarfsgerecht in der Altersvorsorge ist nicht mehr eine nominale Betrachtung in Euro-Leistung, sondern die reale Betrachtung unter Beachtung der Inflation in Kaufkraft-Leistung, sagt Sandra Blome vom Ifa. Bild: Ifa

Bedarfsgerecht in der Altersvorsorge ist nicht mehr eine nominale Betrachtung in Euro-Leistung, sondern die reale Betrachtung unter Beachtung der Inflation in Kaufkraft-Leistung, sagt Sandra Blome vom Ifa. Bild: Ifa

Das Geschäft mit der bAV geht unbeirrt weiter. Dennoch ist die Entwicklung des Höchstrechnungszinses nach unten hinderlich. Folge: „Garantien von 100 Prozent der Beiträge sind derzeit mit bisher üblicher Produktkalkulation nicht mehr darstellbar“, sagt Sandra Blome, Direktor und Partner beim Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (Ifa) auf dem virtuellen HDI-Expertenforum am Dienstag, dem knapp 400 Makler beiwohnen.

Anders als im Vorjahr bietet auch der HDI wegen der verfügten Absenkung des Höchstrechnungszinses auf 0,25 Prozent keine 100-Prozent-Beitragsgarantie mehr an. „Die Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) ist marktweit im Abseits“, sagt Talanx-bAV-Vorstand Fabian von Löbbecke. Das gehe weder mathematisch für die Anbieter noch von der erreichbaren Rentenhöhe für die Arbeitnehmer auf und „ist nicht die richtige Lösung“.

Warum fondsgebundene Produkte in der bAV richtig sind

Garantien waren noch nie so „teuer“ wie heute, resümiert die Aktuarin. Sie hatte schon vor vielen Jahren auf die Chancen fondsgebundener Garantieprodukte verwiesen. Die Reduktion von Garantien sei unausweichlich. Teilweise müsste zum Beispiel in der Direktversicherung auf garantierte Rückkaufswerte verzichtet oder solche Werte nur noch kurz vor Rentenbeginn eingeräumt werden. Ein Rückkaufswert dürfe jedoch nicht zu gering ausfallen, denn arbeitsrechtlich müsse die Wertgleichheit bei Entgeltumwandlung gewährleistet sein, so Blome.

Die BZML sei schlicht und einfach mathematisch nicht mehr darstellbar. Vor einer solchen Entwicklung hatten in der Vergangenheit bereits die Aktuare vom Institut der versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung (IVS) gewarnt. Gleiches gelte auch für die Riester-Rente, so Löbbecke.

Gesetzgeber muss Mindestgarantie bei BoLZ klären

Reduzierte Garantien seien alternativlos, hatte Löbbecke bereits im Vorjahr erklärt. Aktuell gebe es aber unverändert Grenzen im Arbeitsrecht. Die beitragsorientierte Leistungszusage (BoLZ) biete die Chance, die Garantien auf 80 bis 90 Prozent zu senken. Der Gesetzgeber müsse aber noch die Aussage „Beiträge in Anwartschaft umwandeln“ (Paragraf 1 Absatz 2 Nr. 1 BetrAVG) in Sachen Mindestgarantie zu präzisieren.

„Für die Bewertung von Zusagen bzw. damit verbundenen Produkten gilt: Nicht nur die Garantiehöhe muss betrachtet werden, sondern Chancen und Risiken“, erklärt Blome. Bedarfsgerecht sei inzwischen nicht mehr eine nominale Betrachtung der bAV-Werte in Euro-Leistung, sondern die reale Betrachtung unter Beachtung der Inflation in Kaufkraft-Leistung – siehe Grafik.

 

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