Baubranchen-Makler: „Wir stellen massiven Kleingerätediebstahl fest“

Hannah Petersohn Versicherungen Top News

Explodierende Rohstoffpreise, unterbrochene Lieferketten, akuter Materialmangel: Die Baubranche ächzt unter der aktuellen Situation. Welche Folgen die Entwicklungen auf den Versicherungsschutz von Bauprojekten haben, inwieweit der Diebstahl auf Baustellen zugenommen hat und ob Versicherer jetzt verstärkt präventive Maßnahmen einfordern, erklärt Burkhard Brämer, Geschäftsführer von Bauass Versicherungsmakler.

Baubranchen-Makler: „Wir stellen einen massiven Kleingeräte- und Kleinteileklau fest“ Bild: bohemama

„Bauherren, die professionell arbeiten, haben immer eine Baustellenüberwachung“, sagt Burkhard Brämer, Geschäftsführer von bauass, einem Versicherungsmakler für die Baubranche. Bild: bohemama

procontra: Die Rohstoffpreise bewegen sich zum Teil in schwindelerregenden Höhen. Die Londoner Metallbörse musste kürzlich den Handel sogar vorübergehend einstellen, weil sich die Preise derart verselbstständigt hatten. Müssen Baustellenbetreiber vor dem Hintergrund der horrenden Rohstoffpreise und des sich verschärfenden Materialmangels jetzt besonders auf den Diebstahlschutz achten?

Brämer: Ganz ehrlich, ich bin seit 25 Jahren Versicherungsmakler in der Baubranche und dass Preise angepasst werden, gab es immer mal. Aber das derzeitige Tempo ist schon extrem, das habe ich so noch nicht erlebt. Der Diebstahl in großem Umfang hält sich bisher aber in Grenzen. Wir stellen jedoch einen massiven Kleingeräte- und Kleinteileklau fest: Stahl, Kupfer, Kabel. Alles, was einfach mitgenommen werden kann, rumliegt und nicht fest verbaut ist, ist ein zunehmendes Thema.

„Die Nachfrage nach einer Diebstahldeckung wird zunehmen.“

procontra: Bekommen Bauherren so einen Verlust über ihre Versicherung erstattet?

Brämer: Oft sind jene Teile nicht im Versicherungsschutz eingeschlossen, die nicht fest verbaut sind. Solange etwas fest verbaut ist, ist es über die Bauleistungsversicherung gedeckt. Da momentan alle Bauherren schlechte Erfahrungen mit dem Diebstahl dieser Kleinteile machen, wird die Nachfrage nach einer speziellen Diebstahldeckung zunehmen. Man kann auch über eine Deckungserweiterung Teile des lagernden Materials mitversichern. Natürlich wird da gerade auch mehr gestohlen, die Schadenfälle nehmen zu.

procontra: Lohnt sich denn ein erweiterter Versicherungsschutz überhaupt?

Brämer: Die Policen für den Schutz von Klein- und Kleinstgeräte in Baustellencontainern sind zwar nicht so teuer. Wir glauben aber, dass Bauherren die aktuelle Phase aushalten beziehungsweise mit eigenen Schutzmaßnahmen dagegenhalten müssen. Wer eine Bohrmaschine im Baucontainer lässt, der mit dem Schraubenzieher aufgeknackt werden kann, ist auch ein bisschen selbst schuld. Dafür extra eine Versicherung zu kaufen, ist der falsche Ansatz.

procontra: Was wäre denn der richtige Ansatz?

Brämer: Bauherren, die professionell arbeiten, haben immer eine Baustellenüberwachung, über die bei einem Einbruch auch gleich die Polizei alarmiert wird. Das wird von Bauherren auch viel mehr nachgefragt. Aber leider interessiert das die Versicherer gar nicht, sie machen keine Vorgaben.

„In der Regel ist ein Ausfall nicht versichert.“

procontra: Das heißt, die Versicherer verschärfen die Obliegenheiten für die Bauleistungsversicherung nicht?

Brämer: Nein. Es lohnt sich nicht: Ein Großteil der Prämie einer Bauleistungsversicherung ist für den Großschaden gedacht, also wenn es zu einer Naturkatastrophe, Überschwemmung oder einem Brand kommt. Ein deutlich kleinerer Teil ist für den Diebstahlschutz kalkuliert. Wenn ein Versicherer jetzt die Prämie für diesen Anteil halbiert, nachdem ein Bauherr eine Überwachung installiert, dann hat das kaum Auswirkungen auf die Gesamtprämie. In Bezug auf ein Einfamilienhaus reden wir da über wenige Euro Ersparnis. Für diesen Nachlass schafft sich niemand ein Überwachungssystem an. Diejenigen, die so einen Schutz wählen, machen das, um die Störung im Bauablauf zu vermeiden.

procontra: Durch einen Diebstahl kann es zu einer Unterbrechung des Baus kommen, wodurch wieder Kosten entstehen. Wird eine solche Betriebsunterbrechungsversicherung (BU) denn nachgefragt?

Brämer: In der Regel ist ein Ausfall nicht versichert. Es gibt zwar die entsprechende Police, aber sie wird nur selten abgeschlossen, weil sie natürlich zusätzlich Geld kostet. Die BU-Deckung ist recht teuer.

procontra: Sind die Prämien in den vergangenen Jahren vor dem Hintergrund der gestiegenen Baukosten mit angehoben worden?

Brämer: Heute wie vor dreißig Jahren liegt die Prämie für eine Bauleistungsversicherung im Durchschnitt bei einem Promille der Baukosten. Die gestiegenen Baupreise schlagen sich auf die gesamten Baukosten nieder und damit steigen dann auch die Versicherungsbeiträge: Die Gesamtbausumme eines Bauprojekts, das vor drei Jahren beantragt wurde, ist heute natürlich höher. Der Bauherr oder Investor muss dem Versicherer melden, wie hoch die Summe des Baus aktuell tatsächlich ist. Und der Versicherer berechnet dann entsprechend die Prämie nach und bekommt seine ursprüngliche Kalkulation auf die gestiegenen Baupreise wieder.

procontra: Das heißt, Versicherer in der Baubranche stehen derzeit gut da?

Brämer: Es gibt Sparten, in denen die Versicherer kaum noch Geld verdienen, aber das würde ich für die Bauleistungsversicherung ausschließen, sie ist auskömmlich. Das Geschäft läuft, die gestiegenen Baukosten erhöhen in der Folge die Prämien. Diese ehrlichen und offenen Worte hören Sie jetzt von einem Makler, ein Versicherer wird das sicherlich anders sehen und eher auf die Großschäden aus den Unwetterereignissen der vergangenen Jahre verweisen.