Abbau von Bankfilialen: Zweifel an EZB-Zahlen

Anne Mareile Walter Berater

Laut aktuellen Daten der Europäischen Zentralbank wurden 2021 in Deutschland kaum Zweigstellen geschlossen. An den veröffentlichten Daten gibt es nun erhebliche Zweifel.

Filialen Bild: Getty Images/jk78

Eine aktuelle Studie nährt Zweifel an den Zahlen, die die EZB zur Schließung von Bankfilialen veröffentlicht hat. Bild: jk78

Ist das Sterben der deutschen Bankfilialen etwa bald zu Ende? Diesen Schluss legen aktuelle Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) nahe, die das Institut in der vergangenen Woche veröffentlichte: Demnach sollen 2021 bundesweit gerade einmal 118 Standorte geschlossen worden sein – aktuell gebe es daher noch 23.982 Bank-Standorte.

An den Daten regen sich nun nach einem Bericht des „Handelsblatts“ allerdings Zweifel: Das Analysehaus Barkow Consulting kommt demnach auf 1.400 geschlossene Filialen und leitet dies aus Statistiken ab, die von Verbänden und Banken herausgegeben wurden.

Daten seien „vorläufige Zahlen"

Der Geschäftsführer des Analysehauses, Peter Barkow, hatte sich vor Beginn der Recherchen bereits überrascht gezeigt, dass die Zahl der Filialschließungen nach dem EZB-Bericht beinahe auf null zurückgegangen sein soll. Tatsächlich haben allein die Sparkassen knapp 420 Zweigstellen, Commerzbank und Deutsche Bank zusammen mehr als 370 Filialen geschlossen.

Wie das „Handelsblatt“ weiter schreibt, habe die EZB auf Nachfrage mitgeteilt, dass es sich bei den veröffentlichten Daten um vorläufige Zahlen handle. Dies sei Teil der üblichen Praxis. „Wir überprüfen mit den nationalen Notenbanken einige Zahlen, die bei Bedarf mit dem nächsten Update revidiert werden können“, teilte ein EZB-Sprecher mit.

Eine Sprecherin der Bundesbank, die bei den Erhebungen der EZB die Daten für Deutschland zuliefert, erklärte zudem: Die Angaben seien Schätzungen, die „noch nicht belastbar sind“. In der Vergangenheit hätten diese „Schätzungen“ gut funktioniert. Der offizielle Zweigstellenbericht für Deutschland, der auf belastbareren Zahlen beruht, ist von der Bundesbank bislang noch nicht veröffentlicht worden.

2021 war der Bundesbank in der Bankstellenstatistik eine Ungenauigkeit unterlaufen. So hatte sie zunächst davon berichtet, dass 2020 insgesamt 3.000 Kreditinstitute Filialen geschlossen hätten. Tatsächlich waren es jedoch nur 2.600 gewesen, schrieb das Portal „finanzbusiness“ damals unter Berufung auf die Bundesbank. 24.100 Zweigstellen registrierte die Bundesbank für das Jahr 2020 – ein prozentualer Rückgang von 9,6 Prozent im Vergleich zu 2019. Für das Jahr 2021 liegt die Zahl laut EZB bei 23.982.

Trend zum ausgedünnten Filialnetz

Dass bei vielen Banken der Trend dahin geht, die Bedeutung der Zweigstellen herunterzuschrauben und das Filialnetz auszudünnen – darauf wiesen in jüngster Zeit auch mehrere Statements von führenden Banken-Managern hin. So kündigte beispielsweise die Deutsche Bank am Mittwoch an, die Ausgabe von Bargeld in ihren Filialen deutlich einschränken zu wollen. „Die Hauptaufgabe der Filiale ist der Verkauf“, sagte der Privatkundenchef des Kreditinstituts, Lars Stoy, auf einer nicht-öffentlichen Investorenkonferenz. Und weiter: „Ich will kein Bargeld in diesen Filialen haben, weil Bargeld leider teuer ist und wir es deshalb unseren Kunden nur in ein paar Zentren anbieten werden.“ Stattdessen solle der Fokus der Beratung auf dem Verkauf von Anlagen, Hypotheken und Versicherungen liegen.

Auch Commerzbank-Finanzchefin Bettina Orlopp deutete kürzlich an, dass die Zahl der Commerzbank-Zweigstellen unter die für Jahresende angepeilte Zahl von 450 Filialen sinken könnte. „Wir müssen uns unser gesamtes Filialnetzwerk genau anschauen, weil die Kunden sich in die Richtung von digitalen Kanälen bewegen“, sagte Orlopp auf einer Veranstaltung.