7 Prozent der Deutschen halten Sparbuch für inflationssicher

Martin Thaler Investmentfonds

Deutsche Sparer blicken zunehmend pessimistisch in die nahe Zukunft – vor allem die hohe Inflation macht ihnen zu schaffen. Viel ändern wollen die meisten allerdings nichts bei ihrer Geldanlage. Ein Grund könnten falsche Erwartungen im Hinblick auf die Zinsentwicklung sein.

Inflation Bild: SolStock

Vor allem im Supermarkt bekommen die Deutschen die Inflation derzeit zu spüren. Doch immer mehr Deutsche richten ihren Blick verstärkt aufs Bankkonto. Bild: SolStock

Die wirtschaftlichen Aussichten für die deutsche Wirtschaft verschlechtern sich: So schraubten in der vergangenen Woche sowohl das Münchener Ifo-Institut als auch das Institut für Weltwirtschaft ihre Erwartungshaltungen für das laufende Jahr merklich zurück. Zwar glauben beide Institute weiterhin an einer positive Entwicklung des Bruttoinlandprodukts in diesem Jahr, das Wachstum liegt laut Institut für Weltwirtschaft jedoch gerade noch über zwei Prozent, beim Ifo-Institut sind es zumindest noch 2,5 Prozent.

Noch negativer fällt die wirtschaftliche Erwartungshaltung bei den deutschen Sparern aus. 74 Prozent der von der Fondsgesellschaft Union Investment befragten 1.000 Sparer schätzen die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden sechs Monaten negativ ein. Das sind deutlich mehr als noch im ersten Quartal des Jahres (41 Prozent). Selbst zu Zeiten der Finanzkrise blickten die Deutschen optimistischer in die Zukunft.  

Hohe Inflation wird andauern

Ein Grund für das Übermaß an Pessimismus dürfte in der hohen Inflation liegen. Im Mai lag die Inflationsrate bei 7,9 Prozent  – zuletzt waren solche Preissteigerungen bei der Ölkrise 1973/74 festgestellt worden.  

Nahezu alle Befragten (98 Prozent) sind überzeugt davon, dass die Preise auch in den kommenden sechs Monaten weiter anziehen werden. Die große Mehrheit (63 Prozent) geht zudem von einem starken Preisanstieg aus. Dieser macht sich für viele längst nicht mehr nur im Supermarkt und an der Tankstelle bemerkbar, sondern auch auf dem Konto.  

„Die Rekordinflation in Deutschland verschärft die Situation für viele Sparer und wird daher auch ganz bewusst wahrgenommen“, kommentiert Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment, die Umfrageergebnisse.  

Vor allem diejenigen, die ihr Geld auf dem Sparbuch angelegt haben, sind besorgt – 39 Prozent von ihnen zumindest. Nur: Grundsätzlich ändern wollen die wenigsten etwas an ihrer Geldanlage. Zwei Drittel wollen alles so lassen, wie es heute ist. Gerade einmal 15 Prozent gaben an, ihre Anlagen umschichten zu wollen. Weitere 14 Prozent wollen sich zumindest nach Alternativen erkundigen.  

Immobilien gelten als inflationssicher

Als besonders inflationssicher gelten für die überwiegende Mehrheit (75 Prozent) Immobilien. Doch auch Gold wird von vielen (61 Prozent) als geeignetes Mittel gegen den Kaufkraftverlust betrachtet. Kurioserweiser halten sogar sieben Prozent der Befragten ihr Sparkonto für inflationssicher.  

„Die Zurückhaltung der Anleger liegt möglicherweise daran, dass zwei Drittel von steigenden Zinsen ausgehen und sie deshalb keine Notwendigkeit sehen, ihre Finanzen zu überprüfen“, erklärt Gay. Allerdings dürfte das Zinsniveau in naher Zukunft niedrig bleiben und kaum die hohe Inflationsrate ausgleichen.  

Bemerkenswert ist aus Sicht der Autoren die Tatsache, dass die turbulente Entwicklung an den Aktienmärkten die dort investierten Sparer offenbar nicht verunsichert. Auch wenn die Mehrheit sinkende Kurse erwartet, ist der Wille, investiert zu bleiben groß. Zwei Drittel (62 Prozent) gaben an, bei zukünftigen Börsenturbulenzen die Ruhe bewahren zu wollen – das sind deutlich mehr Sparer als zuletzt (45 Prozent). „Die Evolution des Sparens ist deutlich vorangeschritten. Immer mehr Anleger bleiben auch bei kurzfristigen Kursverlusten gelassen und setzen ihren Fokus auf den langfristigen Vermögensaufbau“, interpretiert Gay das Studienergebnis optimistisch.