4 strittige Fälle: Wann die Hausratversicherung zahlt

Martin Thaler Berater Recht & Haftung Top News

Die Hausratversicherung gilt als vergleichsmäßig konfliktarme Versicherungssparte. Doch im vergangenen Jahr erreichten den Ombudsmann wesentlich mehr Beschwerden. In welchen Fällen er eine Einigung herbeiführen konnte.

Einbruch Bild: AndreyPopov

Trotz deutlich geringerer Einbruchzahlen ging die Zahl der Hausrat-Beschwerden beim Ombudsmann deutlich nach oben. Bild: AndreyPopov

Wer hätte das gedacht: Auch wenn die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr auf ein Rekordtief sank, erreichten den Versicherungs-Ombudsmann 2021 wesentlich mehr Beschwerden zu dieser Sparte. 693 zulässige Beschwerden erreichten Wilhelm Schluckebier über die zurückliegenden zwölf Monate – das sind 105 mehr als noch 2020, ein Plus von 18 Prozent.  

Auch wenn die Hausratversicherung mit einem Anteil von 4,9 Prozent (Vorjahr: 4,4 Prozent) nach wie vor zu den konfliktärmsten Versicherungssparten gehört, lässt dieser Anstieg doch aufhorchen. Eine naheliegende Erklärung ist Tiefdruckgebiet Bernd, durch das im vergangenen Sommer Teile von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen verheerend überschwemmt wurden. Die Hochwasserschäden betrafen dabei nicht nur die Kfz- sowie Gebäudeversicherung, sondern in Form zerstörter Möbel auch die Hausratversicherung.  

Größter Konfliktherd bleiben laut Ombudsmann dabei Streitigkeiten im Bezug auf die Schadenregulierung. Denn diese müssen vom Versicherungsnehmer bewiesen werden. Problematisch kann dies insbesondere bei Einbruchdiebstählen werden, wie auch immer wieder verschiedene Urteile zeigen.  

26 Prozent aller Beschwerden drehten sich um das Thema Einbruch, gefolgt von Leitungswasser- und Brandschäden. Deutlich zugenommen haben laut Ombudsmann – wenn auch auf geringem Niveau – Beschwerden im Zusammenhang mit Elementargfahren – hier schlägt sich „Bernd“ dann in der Beschwerdestatistik nieder. Ein Großteil dieser Beschwerden hatte jedoch keine Aussicht auf Erfolg, da die Versicherungsnehmer schlicht und einfach keinen Elementarschutzbaustein abgeschlossen hatten.  

Die Versicherungsnehmer kritisierten auch mehrfach, dass ihnen Elementarschutz beim Abschluss des Vertrages gar nicht angeboten beziehungsweise empfohlen worden sei. Ihr Vorwurf: Falschberatung. Zwar wird insbesondere von Maklern ein entsprechender Schutz häufig angesprochen. Eine entsprechende Pflicht für den Vermittler besteht allerdings nur dann, wenn es im Beratungsgespräch Anlass dafür gibt, Elementarschutz anzusprechen. Da die Aktenlage in den meisten Fällen uneindeutig war, blieben die Beschwerden der Versicherungsnehmer hier ohne Ergebnis.  

Bei welchen Fällen der Ombudsmann jedoch eine Entscheidung zugunsten der Versicherungsnehmer herbeiführen konnte, zeigt die untenstehende Bilderstrecke.

Wann bleibt die Versicherung leistungsfrei, wann nicht?

Fahrlässigkeit durch Demenz?
Bei einem Autoaufbruch erbeuteten unbekannte Täter den Wohnungsschlüssel sowie die Adresse des Besitzers. Den Schlüssel hatte die demenzkranke Frau des Mannes im Auto verloren, ihrem Mann davon aber nichts gesagt. Den Schlüssel nutzten die Täter, um in die Wohnung des Paares einzudringen und diverse Gegenstände zu entwenden.Der Hausratversicherer lehnte eine Regulierung des Schadens allerdings ab. Laut Versicherungsbedingungen musste der Versicherer nicht leisten, wenn der Diebstahl des Wohnungsschlüssels durch fahrlässiges Verhalten begünstigt worden sei. Laut Versicherer habe der Mann nicht das Gegenteil beweisen können. Dieser konterte, er wisse gar nicht, wie er dafür einen Nachweis hätte erbringen können. Der Ombudsmann erkannte jedoch keine Fahrlässigkeit. Weder der Versicherungsnehmer noch seine demenzkranke Frau hatten seiner Meinung nach die erforderliche Sorgfalt bewusst außer Acht gelassen. Trotz Bedenken lenkte der Versicherer schließlich ein und verständigte sich mit dem Versicherungsnehmer auf eine Zahlung von 8.000 Euro. Bild: Devenorr