Zielgruppe Veranstalter: „Es herrscht noch große Unsicherheit in der Branche“

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen Top News

 

procontra: Mit dem neuen Infektionsschutzgesetz sind Ende März die meisten Corona-Auflagen in Deutschland weggefallen, Veranstaltungen können seitdem wieder in gewohntem Maß stattfinden. Welchen Effekt hat das auf ihr Geschäft? Gibt es jetzt verstärkt Anfragen nach einer Absicherung von Events?

Franz Heinemann: Bei uns ist im Moment nicht der große Ansturm da. Ich denke, die Branche braucht Zeit, um anzulaufen und bei Veranstaltern wie Konsumenten gibt es noch eine große Unsicherheit. Wer jetzt eine Veranstaltung für den Sommer plant, weiß nicht, ob bis dahin nicht wieder alle Türen dicht sind.

procontra: Wie haben sich die Lockdowns auf die Vermittlung ausgewirkt? Wurden in der Zeit Policen vermehrt ruhend gestellt oder gekündigt und wie haben Sie sich trotzdem über Wasser halten können? 

Franz Heinemann: Der kurzfristige Markt ist mit Beginn des ersten Lockdowns völlig zusammengebrochen, bis zur Familienfeier wurde alles abgesagt. Aber der Technikverleih oder die Eventbude waren ja nicht von einem Tag auf den anderen aufgelöst, auch wenn die Umsätze wegbrachen. Zwar wurden Leute entlassen und Kurzarbeit genutzt, aber viele haben überlebt. Die Branche hat mit unterjährigen Kürzungen reagiert, Verträge wurden heruntergefahren, Prämien reduziert. Es wurde wenig gekündigt, aber Verträge wurden angepasst.

procontra: Hatten Sie zwischenzeitlich die Befürchtung, Ihr Geschäft einstellen zu müssen?

Franz Heinemann: Nein, wir hatten tatsächlich Glück. Wir sind nebenbei auch im normalen Privatkundengeschäft tätig und haben die Menschen weiter versichert. Zudem habe ich ein zweites Standbein und biete mit der Firma Artekuranz Kunstversicherungen an. Die Kunst war weiter da und musste weiter versichert werden. Aber insgesamt sind unsere Umsätze durch Corona natürlich zurückgegangen.

procontra: Wie haben sich durch die Pandemie die Versicherungsprodukte verändert? Gibt es jetzt beispielsweise bestimmte Ausschlüsse, wurden die Haftungssummen vergrößert? 

Franz Heinemann: Die Versicherungswirtschaft agiert vorsichtig, Pandemien sind schlichtweg ausgeschlossen. In der Haftpflicht musste nichts angepasst werden, denn die Pandemie hat auf schuldhaftes Verhalten keinen Einfluss. Wir haben zig Anfragen, was den Ausfall von Veranstaltungen infolge von Corona-Maßnahmen betrifft. Aber da gibt es zur Zeit keine Produkte. Corona ist nur als Krankheit versicherbar.

procontra: Wie kann die Zielgruppe der Veranstalter am besten erreicht werden?

Franz Heinemann: In erster Linie durch das Internet. Das ist eine technikaffine Branche. Bühnen- oder Beleuchtungstechniker sind immer unterwegs und sie kümmern sich auch gerne unterwegs um ihren Versicherungsschutz. Mit dem Medium erreichen wir den Kunden: Und der Kunde mag das Medium.

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