Welche Rücklagen braucht es für den Ruhestand?

Martin Thaler Berater Investmentfonds

Mit der gesetzlichen Rente allein lässt sich die drohende Rentenlücke nicht ausgleichen. Auch renditeloses Sparen ist nicht die Lösung. Eine neue Untersuchung zeigt, wie viel Geld in welcher Altersgruppe nötig ist, damit das Geld unterm Kopfkissen für einen auskömmlichen Ruhestand ausreicht.

Rücklagen Bild: Adobe Stock/anoli

Die eigene Rentenlücke ist durch unverzinstes Sparen nicht auszugleichen, zeigt eine Untersuchung von Raisin. Bild: Adobe Stock/anoli

Dass die gesetzliche Rente allein nicht für einen sorglosen Ruhestand ausreichen wird, ist in weiten Teilen der Gesellschaft hinlänglich bekannt. Wie groß die Rentenlücke allerdings ausfallen wird, bleibt für viele Deutsche ein Rätsel. Eine Umfrage des GDV aus dem vergangenen Sommer offenbarte, dass mehr als ein Drittel der Befragten nicht beurteilen konnte, wie viel Geld ihnen im Alter zur Verfügung stehen wird.  

Mehr Aufklärung ist darum gefragt – auch von staatlicher Seite. Die arbeitet derzeit an einer digitalen Rentenübersicht, aus der mittelfristig jedermann seine individuellen Ansprüche aus gesetzlicher Rente, aber auch betrieblicher und privater Alterssicherung ablesen kann. Der Start des Regelbetriebs ist jedoch erst für das kommende Jahr geplant.  

Sparen allein reicht nicht

Schon jetzt hat das Altersvorsorge-StartUp Raisin einmal untersucht, wie viel Geld man in welchem Alter bereits auf dem Konto haben muss, um seinen Lebensstandard im Alter ohne Einschränkungen fortführen zu können.  

Die Zahlen sind ernüchternd. So kommt ein 30-Jähriger (unverheiratet, keine Kinder), der seit seinem 25. Lebensjahr in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt und ein Nettogehalt von 2.344 Euro bezieht, auf eine Rentenlücke in Höhe von 164.000 Euro, sofern er 14 Jahre eine Rente beziehen möchte. Legt er bis zu seinem Ruhestand zehn Prozent seines Einkommens unverzinst zur Seite, kann bis zu seinem Renteneintritt immerhin rund 117.000 Euro ansparen. Das heißt: Um die Rentenlücke schließen zu können, müsste der 30-Jährige bereits heute 47.000 Euro auf seinem Konto haben.  

Ein 40-Jähriger (monatliches Durchschnittseinkommen laut Stepstone: 2.657 Euro netto) kommt auf eine Rentenlücke von 181.000 Euro. Spart er bis zum Rentenbeginn ebenfalls zehn Prozent seines Einkommens, kann er noch 88.000 Euro ansparen. Entsprechend groß muss bereits das angesparte Kapital sein: 93.000 Euro.  

Rentenlücke bei Frauen größer

Bei Frauen fällt dieser Betrag noch einmal deutlich höher aus – Grund dafür ist unter anderem der sogenannte Gender Pay Gap, also die Tatsache, dass Frauen durchschnittlich weniger verdienen als Männer. Dieser liegt derzeit bei 18 Prozent. Hinzu kommt die höhere statistische Lebenserwartung von Frauen. 2020 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen 83,6 Jahre, Männer kamen im Schnitt nur auf 78,9 Jahre. Entsprechend länger muss die Rente bei Frauen reichen.  

Die Zahlen unterstreichen abermals die Notwendigkeit, das Geld nicht nur anzusparen, sondern renditeträchtig anzulegen. Laut Raisin könne ein 30-Jähriger, der sein Geld bis zum Renteneintrittsalter von 67 Jahren mit einer durchschnittlichen Rendite von fünf Prozent in einen ETF-Sparplan investiert, insgesamt 316.000 Euro ansparen – ein Betrag, mit dem die Rentenlücke locker abgedeckt werden kann.

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