Warum es (k)einen Superpool geben wird

Versicherungen von Imke Reiher

Das Thema Superpool treibt die Makler-Welt weiter um. Bisher blieb es allerdings bei kleineren Zusammenschlüssen. Doch nicht nur hinter den Kulissen ist Bewegung im Markt.

Maklerpool, Bild: Adobe Stock/ fotomek

Maklerpools: Steht eine größere Konsolidierung am Markt an? Bild: Adobe Stock/ fotomek

In der Evolution ist der Fall klar: der Stärkere setzt sich am Ende durch. Ob man dieses Szenario auch auf die Maklerpool-Branche anwenden kann und der Superpool dabei das erstrebenswerte Ziel ist, blieb bisher noch offen. Zwar gibt es schon seit Jahren immer wieder Zusammenschlüsse und Kooperationen von einigen Unternehmen, die ihre Kapazitäten bündeln.

Doch ein Pool-Gigant, der durch seine Größe und Angebotspalette kleinere Player rigoros aus dem Markt drängt, ist bisher noch nicht entstanden. Ob sich das durch den Teilverkauf von Fonds Finanz an den britischen Investor Hg Capital jetzt ändert und dieser sogar die Ausgangsbasis für einen europäischen Superpool bilden könnte, bleibt abzuwarten. Doch der rund 200 Millionen Euro schwere Deal für einen 60-Prozent-Anteil an Fonds Finanz hat zweifellos Signalwirkung.

Das meint zumindest Oliver Pradetto, COO und Noch-Geschäftsführer von blau direkt: „Hg Capital hat für derart viel Geld gekauft, dass klar ist, dass sie auch anderen Pools attraktive Angebote machen können, um das Unternehmenswachstum weiter zu befeuern.“ Fakt ist: für den finanzstarken Private Equity-Investor ist es nicht die erste Beteiligung im deutschen Maklermarkt. Hg Capital ist bereits beim Deckungskonzeptanbieter Conceptif engagiert, sowie beim Gewerbesachmakler GGW Holding und beim Spezialmakler Howden.

Fakt ist auch, dass sich der deutsche Maklerpool-Markt im Wandel befindet, da der Druck durch bürokratische und regulatorische Anforderungen steigt und sich Kundenbedürfnisse ändern. Zudem ist viel Geld im Markt, das investiert werden will.

Digitalisierung als Treiber für Oligopol

All das treibt die Konsolidierung in der Branche. Doch das Szenario eines einzigen Superpools erwartet offenbar kaum einer und auch der Terminus per se stößt nicht überall auf Zustimmung. Vielmehr geht der Tenor in Richtung mehrerer einzelner Großpools und der wachsenden Erkenntnis, dass die Digitalisierung eine immer zentralere Rolle für den nachhaltigen Erfolg spielt.

Der Grund ist bekannt: durch automatisierte Abläufe und Standardisierung sinkt der Verwaltungsaufwand drastisch. Das spart Zeit und ist bequem – kostet aber einiges. „Die Technologieseite wird letztlich von jährlichen Investments im dreistelligen Millionenbereich bestimmt werden“, ist Pradetto überzeugt. „Da kann keiner der heutigen Pools oder Maklersoftware-Häuser mithalten.“

Die Konsequenz, die sich für ihn daraus ergibt, ist ein anziehender Trend zum Zusammenschluss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Entsprechende Kooperationen hat es in den vergangenen Jahren wiederholt und regelmäßig gegeben – wie die von blau direkt und Wifo im Jahr 2020, um nur ein Beispiel zu nennen.

Auch Sebastian Grabmaier, Vorstandsvorsitzender von Jung DMS & Cie., sieht die Digitalisierung als einen starken Treiber für eine anhaltende und weiter anziehende Konsolidierung der Branche: „Es macht keinen Sinn, sämtliche Entwicklungen in IT und bei Prozessen oder auch die täglichen Daten- und Dokumentversorgung für ein relativ geringes Geschäftsvolumen vorzuhalten.“ Dabei geht der Trend für ihn klar in eine Richtung: „Man kann schon feststellen, dass die großen Pools immer mehr Volumen auf sich vereinigen können und der Abstand zu den kleineren wächst.“

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