Urteil: Keine Kostenübernahme der Cannabis-Therapie bei „Saufdruck“

Hannah Petersohn Versicherungen Panorama

Ein alkoholkranker Mann bezwingt seine Sucht durch die Einnahme von Cannabis. Deswegen beantragte er die Kostenübernahme des medizinischen Marihuanas bei seiner Krankenkasse. Die lehnte die Übernahme aber ab.

Urteil: Keine Kostenübernahme der Cannabis-Therapie bei „Saufdruck“ Bild: Adobe Stock/Stéphane Bidouze

Muss eine Krankenkasse die Kosten für eine Cannabis-Therapie übernehmen, wenn ein Patient damit seine Alkoholsucht bekämpft? Bild: Adobe Stock/Stéphane Bidouze

Dass der Konsum von Cannabis nicht allein rauschfördernd ist, sondern durchaus auch genutzt wird, um Menschen mit bestimmten Erkrankungen eine Linderung zu verschaffen ist mittlerweile bekannt. Schließlich wird der Gebrauch von Cannabis in immer mehr Staaten legalisiert und zwar nicht nur vor dem Hintergrund der therapeutischen Heilung, sondern sogar um des reinen Genusses Willen. „Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizensierten Geschäften ein“, heißt es im Koalitionsvertrag. Am Mittwoch ist bekannt geworden, dass Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im Rahmen mehrerer Reformvorhaben bis zum Herbst auch die Cannabis-Legalisierung auf den Weg bringen wolle.

Doch noch steht der Einsatz der grünblättrigen Pflanze vor allem zu medizinischen Zwecken im Vordergrund der öffentlichen Debatte. Menschen, die unter bestimmten chronischen Erkrankungen und noch dazu Schmerzen leiden, setzen seit längerem auf Cannabis. Seit 2017 wurde die Nutzung medizinischen Cannabis deutlich erleichtert.

Ärzte können seitdem medizinisches Marihuana verschreiben und die Behandlung über die Krankenkassen abrechnen. Es gibt dabei allerdings zwei wichtige Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen. Zum einen muss eine schwere Krankheit vorliegen, zum anderen darf keine es keine andere anerkannte Therapie geben, die das Leiden lindern könnte.

Kein Cannabis bei „Saufdruck“

Diese Erfahrung musste aktuell ein 70-Jähriger machen: Er habe mit dem Konsum von Cannabis seine Alkoholerkrankung und den damit verbundenen „Saufdruck“ in den vergangenen 15 Jahren, nach eigener Aussage erfolgreich, kontrolliert. Er beantragte bei seiner Krankenkasse die Versorgung mit Medizinal-Cannabisblüten. Die lehnte hingegen ab, weswegen der Mann vor das Hessische Landessozialgericht (LSG) zog.

Die Richter gaben der Krankenkasse Recht (Urteil vom 28.04.2022, L1 KR 429/20): Da der Versicherte auch stattdessen eine Entwöhnungstherapie machen könnte, bestehe kein Anspruch auf eine Versorgung mit Cannabis. Die vorliegende Suchterkrankung könne nach medizinischen Leitlinien unter anderem mit Rehabilitationsmaßnahmen, medikamentöser Rückfallprophylaxe und Psychotherapie behandelt werden. Offenbar hatte sich der Kläger darauf berufen, durch eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung vorübergehend nicht arbeiten zu können. Die Richter pochten allerdings darauf, dass weder berufliche Schwierigkeiten noch Aspekte der persönlichen Lebensführung gegen eine Standardtherapie sprechen würden.

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