Schäden am Wohngebäude: In diesen Fällen zahlt die Versicherung

Hannah Petersohn Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt

Die Beschwerden beim Thema Wohngebäudeversicherung haben im vergangenen Jahr zugenommen. Warum das so ist und in welchen Fällen sich Versicherer einsichtig zeigten, lesen Sie in unserer Bilderstrecke.

Schäden am Wohngebäude: In diesen 5 Fällen zahlt die Versicherung Bild: Adobe Stock/Heiko Küverling

Die Kosten, um einen Schaden am Eigenheim zu beheben, können schnell durch die Decke gehen und zum Streit zwischen Versicherer und Kunde führen. Bild: Adobe Stock/Heiko Küverling

Im vergangenen Jahr gingen 2.124 Beschwerden zur Wohngebäudeversicherung beim Versicherungsombudsmann ein. Im Vorjahr waren es 1.997, heißt es im Jahresbericht der Schlichtungsstelle. Damit erhöhte sich der Anteil aus dieser Sparte am Gesamtaufkommen der Beschwerden von neun Prozent auf 15,1 Prozent. Der Grund für den Anstieg: In vielen Fällen habe sich die Beschwerde sowohl gegen den Versicherer als auch gegen den Assekuradeur gerichtet, es kamen also manchmal auch zwei Beschwerden auf einen Vertrag.

Die Krux beim Geschäft mit Wohngebäudepolicen liegt für die Anbieter darin, dass die Ausgaben nicht selten die Beitragseinnahmen übersteigen. Also prüfen Versicherer im Zweifelsfall etwas strenger, um den Ausgabendruck zu reduzieren.

Kommt es zu einem Konflikt zwischen Versicherer beziehungsweise Vermittler und Kunde, können sich die Versicherungsnehmer kostenlos vom Versicherungsombudsmann unterstützen lassen. Die Schlichtungsstelle nimmt die Streitfälle unter juristischen Gesichtspunkten unter die Lupe und versucht im Anschluss zwischen beiden Parteien zu vermitteln. Die Einschätzung des Ombudsmanns dient auch als Orientierung dafür, ob sich der Weg vors Gericht lohnt oder die Chancen eher aussichtslos sind. Dabei hat der Ombudsmann dennoch das Recht, einen Versicherer zu Zahlung von bis zu 10.000 Euro zu verpflichten. Bis zu einer Schadenhöhe von 100.000 Euro kann er eine Empfehlung aussprechen.

In dem aktuellen Bericht finden sich Beschwerdefälle, die auch tatsächlich zum Abschluss gebracht worden sind. Dabei gehe es darum, einen Einblick in die Beschwerdebearbeitung zu geben. Die ausgewählten Fälle seien demnach nicht repräsentativ für die Häufigkeit oder die Bedeutung der Themen. Vielmehr richte sich die Auswahl nach Beschwerdefällen beziehungsweise Themen, bei denen ein allgemeines Interesse erwartet werde.

In welchen Fällen die Versicherer zahlten, nachdem der Ombudsmann die Sachlage geprüft hat, lesen Sie in der untenstehenden Bilderstrecke.

In diesen 5 Fällen zahlt die Versicherung

Nicht isolierte Leitungen anno 1922
In einem Mehrfamilienhaus froren die Kaltwasserleitungen bei winterlichen Temperaturen ein. Bedauerlicherweise waren die im Kniestockbereich des Dachbodens verlaufenden Leitungen zum Warmwasserspeicher nur dünn isoliert. Es kam, wie es kommen musste: Sie platzten. Der vom Versicherer beauftragte Sachverständige kam zu dem Schluss, der Schaden hätte nur durch eine externe Rohrheizung oder einen Frostwächter vermieden werden können. Der Versicherer berief sich auf eine Verletzung von Sicherheitsvorschriften und nahm eine Leistungskürzung um 70 Prozent vor. Der Ombudsmann sah die Lage hingegen anders: Dass die Rohre nicht besser isoliert gewesen waren, sei möglicherweise darauf zurückzuführen, dass das Gebäude 1922 erbaut wurde und die Verlegung der Rohre im Kniestock ohne eine Isolierung damals üblich gewesen sei. Das wiederum sei dem Versicherungsnehmer wohl nicht bewusst gewesen, weswegen man ihm keinen Vorwurf machen könne. Voraussetzung für eine Leistungskürzung wäre zudem, dass der Versicherungsnehmer eine Obliegenheit grob fahrlässig verletzt, er also einfachste Überlegungen nicht anstellt und keine Maßnahmen ergreift, die jedem einleuchten mussten. Doch an einer solchen Schlussfolgerung bestehen in diesem Fall erhebliche Bedenken, zumal ein ähnlicher Fall seitens des Kunden bisher nicht aufgetreten war. Auch wenn sich der Versicherer von dieser Auffassung nicht überzeugt zeigte, verzichtete er auf die Kürzung. Bild: Adobe Stock/Renate Micallef