Schadenfall Grundstückszaun: „Vom Winde verweht“

Versicherungen Gastkommentar von Timo Heitmann

Ein Mann hatte auf eigene Faust einen Grundstückszaun errichtet, der Jahre später erneuert werden muss – von einem Fachmann. Die Kosten dafür will der Mann von seiner Versicherung erstattet bekommen, die aber ablehnt. Ein Praxisfall erzählt vom RTL-„Versicherungsdetektiv“ Timo Heitmann.

Timo Heitmann, Bild: privat

Timo Heitmann arbeitet als Teamleiter im Schadenaußendienst. Bekannt wurde er durch das TV-Format "Die Versicherungsdetektive" - an dieser Stelle gibt er Einblick in seine tägliche Arbeit. Bild: privat

Sie haben mitbekommen wie vor Kurzem heftige Stürme über weite Teile Deutschlands gezogen sind. Viele Kunden brauchten schnelle Hilfe, unkomplizierte Lösungen. Besonderer Betreuung bedurfte es in diesem Fall:

Nach eigener Aussage hat der Kunde vor circa zehn Jahren einen 25 Meter langen Grundstückszaun in Eigenleistung errichtet. Es handelt sich um einen ungefähr 120 cm hohen Holzlattenzaun, eigentlich gegen Windlasten nicht besonders anfällig. Vielleicht stand der Zaun deshalb bis Mitte Februar dieses Jahres in seiner zum Schadentag leicht angegrauten Pracht.

Bei der Errichtung hat der Kunde Betonsteine (Maße: 21 cm breit x 14 cm hoch x 28 cm lang) als Grundelemente in Reihe verlegt, die Steine angebohrt und Pfostenschuhe eingeklebt. Die Steine wurden weder untereinander verzahnt, noch wurden die Pfostenschuhe ausreichend tief in ein Fundament getrieben. Meinem 5-jährigen Sohn erkläre ich gelegentlich spielerisch die „Hebelkraft“. Es leuchtet ein, dass die Steine sich bei seitlicher Krafteinwirkung aus dem Mörtelbett lockern können. Ergebnis: leichter Schiefstand. Diesen Schaden zu bemessen erfordert etwas Verhandlungsgeschick, irgendwie findet sich aber meist eine faire Lösung.

Das Problem kommt jetzt: Kunde und Zaun sind gemeinsam zehn Jahre älter geworden. Nun soll ein Handwerker ran. Der Handwerker pfuscht nicht, sondern will ordnungsgemäß verrichten und Gewährleistung geben. Es werden knapp 100 Stunden und ein Minibagger veranschlagt: Demontage, Entsorgung der Betonsteine, Ausschachten, Streifenfundament erstellen, Montage der bestehenden Zaunelemente. Die Kosten belaufen sich auf über 9.000 EUR. Überzogene Angebote in Versicherungsschäden sind ein Kapitel für sich – Sie kennen das: „Gelegentlich darf es leider ein bisschen mehr sein“.

Der Kunde sieht trotz persönlicher Gespräche vor Ort, Telefonaten sowie Schriftwechsel im Nachgang nicht ein, dass die Kosten für ein neues Fundament, die er nun erstattet verlangt, im Wesentlichen für Arbeiten anfallen, die er sich bei Errichtung des Zauns erspart hat. „Wofür bin ich dann versichert“? Unser Klischee wird bespielt und leider vermutlich auch tatsächlich so empfunden: „Typisch Versicherung.“

In solchen Schäden sind wir als Branche gefragt, maximal möglich zu erklären und zu erläutern, aber auch geschlossen einen Riegel vorzuschieben, wenn sich Vereinzelte auf Kosten der Gemeinschaft sanieren möchten. Besonders traurig und schwer auszuhalten ist es, wenn der Kunde uneinsichtig bleibt und sich die Enttäuschung in Gesprächen in Bekanntenkreisen oder Internetforen weiterverbreitet. Gute Mediation bei Versicherungsschäden gewinnt immer weiter an Stellenwert, bei Erfolg entsteht eine Win-Win-Situation für Kunde und Versicherer. Um im vorliegenden Schadenfall eine Einsicht zu erzeugen, braucht es vermutlich noch etwas Energieeinsatz und vielleicht auch einfach Zeit.

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