Rekordzufluss in Publikums- und Spezialfonds

Hannah Petersohn Berater Investmentfonds

Noch trotzt die deutsche Fondsbranche dem politischen Ausnahmezustand: Im ersten Quartal 2022 erzielten die Fondsgesellschaften ein Neugeschäft von 45,1 Milliarden Euro. Allerdings zeigte sich im Februar und März dieses Jahres, dass der Positivtrend jäh enden könnte.

Rekordzufluss in Publikums- und Spezialfonds Bild: Adobe Stock/GreatKimFamilyStudio

Die deutsche Fondsbranche zeigt sich ingesamt robust. Dennoch schmälern die politischen Entwicklungen der vergangenen Monate das Neugeschäft. Bild: Adobe Stock/GreatKimFamilyStudio

Im Januar dieses Jahres flossen 30,3 Milliarden Euro in Publikums- und Spezialfonds – ein Rekordzufluss zum Jahresbeginn, wie der Bundesverband für Investment und Asset Management (BVI) meldet. Trotz des Angriffskriegs auf die Ukraine und dem darauffolgenden Einbruch der Aktienmärkte, erzielten die Fondsgesellschaften im ersten Quartal 2022 ein Neugeschäft von insgesamt netto 45,1 Milliarden Euro.

Dennoch dämpfte der Kurseinbruch das Neugeschäft von Fonds: Während im Februar immerhin noch netto 13 Milliarden Euro – fast ausschließlich in Spezialfonds – flossen, waren es im März nur noch 6,4 Milliarden Euro. Eine positive Nachricht gibt es bei den Publikumsfonds zu berichten: Haben Anleger im März 2020 vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie 21,5 Milliarden Euro aus den Publikumsfonds abgezogen, waren es im gleichen Zeitraum dieses Jahres nur 2,7 Milliarden Euro.

Im europäischen Vergleich zeigt sich der deutsche Markt für Wertpapier-Publikumsfonds widerstandsfähig: So sei nach Angaben des Analysehauses Morningstar der Absatz innerhalb Europas von 235 Milliarden im ersten Quartal 2021 auf 51 Milliarden Euro im ersten Quartal 2022 gesunken. Das entspricht einem Einbruch von 80 Prozent. Indessen habe sich der Absatz dieser Produkte hierzulande „nur“ halbiert.

Deutschland: Strengere Regeln für ESG-Klassifizierung?

Im vergangenen Jahr managten die Fondsgesellschaften insgesamt 683 Milliarden Euro, die in Produkte mit Nachhaltigkeitsmerkmalen gemäß Artikel 8 oder 9 investiert waren. Das entspricht 19 Prozent des Gesamtvermögens von Publikums- und Spezialfonds, so der BVI. Ein eher geringer Wert – zum Vergleich: In Frankreich liegt dieser Anteil bei 69 Prozent.

Im EU-Durchschnitt sind 44 Prozent der Publikumsfonds in Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen investiert.  Demgegenüber entfielen in Deutschland beim Neugeschäft der Publikumsfonds nur etwa ein Drittel (36 Prozent) auf ESG-Produkte. Der BVI mutmaßt, die Fondsgesellschaften hierzulande gehen bei der Klassifizierung ihrer Fonds als nachhaltig womöglich strenger vor, als es in anderen europäischen Ländern üblich sei.

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