pro/contra: Rettet die Aktienrente das System der gesetzlichen Altersversorgung?

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Geht es nach dem von Arbeitsminister Hubertus Heil angekündigten Rentenpaket, soll noch in diesem Jahr der Zehn-Milliarden-Euro-Kapitalstock für die Aktienrente gebildet werden. Ob damit das System der gesetzlichen Altersversorgung tatsächlich auf einen zukunftssicheren Weg gebracht wird, darüber diskutieren für procontra der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Teutrine und Henriette Wunderlich vom Sozialverband Deutschland (SoVD).

Wunderlich Bild: FDP, SoVD

Rettet die Aktienrente das System der gesetzlichen Altersversorgung? Der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Teutrine und Henriette Wunderlich vom Sozialverband Deutschland sind darüber geteilter Meinung. Bild: FDP, SoVD

Jens Teutrine (Mitglied im FDP-Bundesvorstand): Pro

„Unser Umlagesystem befindet sich am Rande des Zusammenbruchs“, urteilt der Rentenexperte Axel Börsch-Supan – im Jahr 1999. Heute hält es über die Hälfte der unter 40-Jährigen mindestens für wahrscheinlich, keine gesetzliche Rente zu erhalten. Der Zuschuss aus dem Bundeshaushalt beträgt jetzt schon etwa 100 Milliarden Euro im Jahr, bis 2035 werden es voraussichtlich 132 Milliarden Euro sein. Während 1962 sechs Beitragszahler eine Rente finanzierten, lag das Verhältnis im Jahr 2019 bei 2,1 Beitragszahlern pro Rentner. Das Problem dürfte klar sein: Die Umlagefinanzierung ist angesichts der demografischen Entwicklung gescheitert.

Diese Legislatur ist die letzte, bevor die Generation der Babyboomer in Rente geht und um das Ruder herumzureißen, wenn auch die Generation meiner Kinder noch Hoffnung auf eine gesetzliche Rente haben soll. Und weil sich Demografie nicht staatlich kontrollieren lässt, braucht es jetzt Reformen.

Gesetzliche Aktienrente ist keine Zockerei

Ein erster Schritt ist im Ampelkoalitionsvertrag festgeschrieben. Schon in diesem Jahr werden der Rentenversicherung zehn Milliarden Euro zugeführt, die, von einer unabhängigen Stelle verwaltet, global an den Finanzmärkten angelegt werden.

Die gesetzliche Aktienrente ist eben keine Zockerei, sondern die vorausschauende Sicherung des Rentenniveaus. Die große Stärke der Aktienmärkte ist ihre langfristige Entwicklung. Wie gut und sicher das funktioniert, macht beispielsweise der schwedische Staatsfonds vor. Bei Anlagen über 15 Jahre haben sie ein verlässliches Plus. Darum geht es bei der Altersvorsorge. Durch globale Streuung und Langfristigkeit fallen einzelne Kursschwankungen wenig ins Gewicht. Viele junge Menschen haben dieses Prinzip schon erkannt und sorgen mit diversifizierten Indizes privat für das Alter vor. Seit 2019 haben sich über 650.000 unter 30-Jährige in Deutschland zum ersten Mal an die Börse gewagt, über 70 Prozent geben an, mit ihren Investitionen für das Alter vorzusorgen. Wenn die gesetzliche Rente nun neben der Beitragsfinanzierung auf ein zweites Bein gestellt wird, bleiben die Vorteile der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten und mehr Menschen profitieren vom Wachstum der Weltmärkte. Langfristig lässt sich sogar auf ein steigendes Rentenniveau hoffen.

Gerade Menschen mit kleinen Einkommen profitieren von der teilweisen Kapitaldeckung. Sie können sich die ergänzende betriebliche und private Vorsorge häufig nicht leisten. Durch die Aktienrente werden sie Anteilseigner globaler Unternehmen und profitieren von der Produktivität der Weltwirtschaft.

Die Aktienrente wird unser Rentensystem nicht von heute auf morgen retten, dafür wurde die Schieflage zu lang verschlafen. Aber sie ist der einzig sinnvolle Weg, um mehr Menschen am globalen Wachstum teilhaben zu lassen und das Rentensystem zukunftsfähig zu machen, ohne den Steuerzuschuss immer weiter explodieren zu lassen.

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