Private Equity: Wandel der „gierigen Heuschrecke“

Investmentfonds Top News von Marilena Piesker

Neue Angebote, Niedrigzinsen und die Inflation rücken die Private-Equity-Anlagen zunehmend in den Fokus von Kleinanlegern. Berater sollten mit ihren Kunden allerdings genau prüfen, ob die Einstiegssummen und Risiken tragbar sind.

Private Equity, Bild: Adobe Stock/ Michael

Private Equity: Heuschrecke oder Honigbiene? Bild: Adobe Stock/ Michael

Private Equity hatte lange Zeit keinen guten Ruf. Nicht zuletzt, weil der ehemalige SPD-Chef Franz Müntefering Anfang der 2000er-Jahre die gesamte Branche als gierige Finanzinvestoren betitelte, die marode Unternehmen nur flottmachen, um sie möglichst schnell wieder zu verscherbeln. Das Bild der hungrigen Heuschrecke, das Müntefering damals für die Branche schuf, war lange aus den Köpfen nicht mehr wegzudenken.

Heute hat sich das Bild gewandelt. In Zeiten von Inflation und anhaltender Niedrigzinsen sehen viele Investoren in Private-Equity-Investments – zu Deutsch privates Beteiligungskapital – eine echte Alternative zu Aktien oder Fonds. Im Gegensatz zu den krisengebeutelten Anlageklassen versprechen sie sich bei Private Equity noch Renditen im zweistelligen Bereich. Bevor Vermittler allerdings zu einem Investment raten, sollten sie Investoren genauestens über Geschäftsmodell und Risiken aufklären. Denn Private Equity ist riskant und die Einstiegssummen oft hoch. Im schlimmsten Fall können Anleger einen Totalverlust erleiden.

Überdurchschnittliche Renditen und krisenfest

Weit hergeholt ist Münteferings Behauptung nicht. Wer in Private Equity investiert, kauft in der Regel tatsächlich Beteiligungen an Unternehmen, die nicht selten in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. Ziel der Investition ist es, diese Unternehmen wertsteigernd zu sanieren und letztlich gewinnbringend zu verkaufen. Dazu ruft die Private-Equity-Gesellschaft schrittweise das eingesetzte Kapital der Anleger ab. Nach einigen Jahren – wenn die Unternehmen bestenfalls wieder profitabel sind – folgt der Exit: Die Anteile werden dann entweder an andere Investoren verkauft, von dem Unternehmen zurückgekauft oder das Unternehmen geht an die Börse.

Gelingt das, winken überdurchschnittliche Renditen von bis zu 13 Prozent jährlich, wie eine Studie der Unternehmensberatung Bain & Company errechnet hat. Die Private-Equity-Gesellschaft Astorius bescherte seinen Anlegern über die vergangenen Jahre sogar Gewinne von jährlich 20 Prozent. Zum Vergleich: Mit Investments in Aktien erzielen Anleger durchschnittlich Renditen von etwa 8 Prozent pro Jahr.

Darüber hinaus hat die Vergangenheit gezeigt, dass Private-Equity-Investments deutlich krisenresistenter sind als andere Anlageklassen. „Nach Krisen wie der Finanzkrise 2008 erzielten Private-Equity-Investments sehr schnell wieder Wertzuwächse“, bestätigt Alexander Stern. Er ist seit über zehn Jahren Experte für alternative Anlagen bei der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. Der Grund: Private-Equity-Investments sind nicht börsentäglich handelbar und unterliegen dadurch nicht den momentan starken Marktschwankungen.

Exklusiver Markt

Wenn Private-Equity-Investments deutlich besser abschneiden als die meisten anderen Anlageklassen und gleichzeitig krisenfester sind, warum investieren dann nicht alle Anleger? Ein Grund sind die Eintrittsbarrieren. Hohe Mindesteinsätze, die in der Regel bei 200.000 Euro beginnen und bis in die Millionen gehen, machten es gerade für Kleinanleger schier unmöglich, am Private-Equity-Geschehen teilzuhaben.

So erklärt sich auch, warum diese Anlageklasse in Deutschland noch relativ jung ist. Im Jahr 2020 lag der Markt für Private-Equity-Investitionen hierzulande zwar bereits bei 12,6 Milliarden Euro und hat sich damit in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Trotzdem ist gerade im internationalen Vergleich noch viel Luft nach oben: In den USA ist der Trend deutlich stärker. Dort liegen Private-Equity-Investments längst im dreistelligen Milliarden-Bereich.

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