PKV: Die Solvenzquoten aller privaten Krankenversicherer

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

In der PKV-Beratung spielt auch die Finanzstärke des Anbieters eine große Rolle. Dabei ist die Netto-Solvenzquote eine wichtige Kennzahl. Wie sich diese im Jahr 2021 bei allen 37 privaten Krankenversichern entwickelt hat, zeigt der aktuelle map-report.

Bild: Adobe Stock/doyata

Alle 37 privaten Krankenversicherer weisen, laut dem aktuellen map-report aus dem Hause Franke und Bornberg, eine Netto-Solvenzquote von mehr als 100 Prozent aus. Doch zwischen den einzelnen PKV-Anbietern gibt es deutliche Unterschiede. Bild: Adobe Stock/doyata

Auch wenn der Bestand an privaten Krankenvollversicherungen seit Jahren zurückgeht, so bedeuten die Vermittlung von Neuverträgen oder auch sinnvolle Umdeckungen weiterhin wertvolles Geschäft für Versicherungsmakler. Nicht zuletzt durch den Cross-Selling-Aspekt.

Doch im Kampf um den kleinen Kundenkreis wird die Beratung immer anspruchsvoller. Längst müssen die Vermittler nicht nur die Tarife mit den besten Leistungen für verschiedene Kundengruppen kennen. Auch die finanzielle Stabilität der privaten Krankenversicherer ist ein wichtiger Faktor. Speziell für Beamte wird dieser offenbar immer wichtiger, wie Fachmakler Dirk Gärtner erläutert.

In die Finanzstärke von PKV-Anbietern spielen viele Faktoren mit hinein. Manche Ratings fassen alle zusammen, um eine Gesamtnote und eine Rangliste der Unternehmen zu ermitteln. Für ein besseres Verständnis hilft es Maklern aber, sich explizit mit einzelnen Kennzahlen der Unternehmen zu beschäftigen, beispielsweise mit der Abschlusskostenquote oder der Verwaltungskostenquote. Denn auch dazu kann der Kunde im Beratungsgespräch Fragen stellen.

Solvenzquoten aller 37 PKV-Anbieter

Ein zentraler Aspekt der Finanzstärke ist die Solvabilitätsquote eines privaten Krankenversicherers. Sie gibt Auskunft darüber, ob ein Versicherer auch in Extremszenarien über genügend Eigenmittel verfügen würde, um seinen Verpflichtungen gegenüber Versicherten und anderen Leistungsempfängern nachzukommen. Gemäß den Vorgaben von Solvency II muss die Netto-Solvenzquote, das bedeutet ohne Volatilitätsanpassungen (VA) und Übergangsmaßnahmen (ÜM), mindestens 100 Prozent betragen. Laut einer Analyse der Ratingagentur Assekurata liegen derzeit neun Lebensversicherer unter dieser Anforderung. Allerdings haben sie noch bis Ende 2031 Zeit, um ihr Niveau anzuheben.

Anders sieht es in der privaten Krankenversicherung aus. Hier unterschreitet kein Unternehmen die 100-Prozent-Grenze. Das geht aus dem aktuellen map-report Nr. 924 aus dem Hause Franke und Bornberg hervor, für den alle 37 privaten Krankenversicherer auf dem deutschen Markt untersucht wurden (siehe Grafik).

Im marktweiten Durchschnitt lag die Netto-Solvenzquote 2021 bei 500,3 Prozent. Das entspricht einer Steigerung gegenüber 2020 um 23,1 Prozentpunkte. Der größte Unterschied zur Lebensversicherung besteht laut den Analysten darin, dass die Beiträge in der Breite der Verträge angepasst werden können. Die Kunden würden also einen Großteil des finanziellen Risikos selbst schultern. „Ein sehr hoher Wert kann in der Krankenversicherung auch bedeuten, dass es für einen Anbieter gilt, eine schlechte Risikosituation innerhalb und zwischen den Tarifwerken zu kompensieren“, schreiben Franke und Bornberg erläuternd.

ERGO mit der niedrigsten Quote

Insgesamt konnten 23 PKV-Anbieter ihre Solvenzquote gegenüber 2020 steigern. Am höchsten liegt diese mit 954,7 Prozent bei der UKV Union Krankenversicherung (Versicherungskammer Bayern), am niedrigsten mit 191 Prozent bei der ERGO. In der PKV kommen, anders als in der Lebensversicherung kaum ÜM zum Einsatz und auch VA werden deutlich weniger genutzt. Deshalb sei es für einen Vergleich viel sinnvoller, nur auf die Netto-Solvenzquoten zu schauen, erläutert map-report-Chef Reinhard Klages auf procontra-Nachfrage.

 

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