Pflegelücke: Jeder Dritte unterschätzt das Risiko

Florian Burghardt Berater Versicherungen

Egal ob ambulant oder stationär: Bei Pflegebedürftigkeit müssen die Betroffenen und ihre Angehörigen aus eigener Tasche zuzahlen. Dazu kommt die psychische und physische Belastung. Die Relevanz einer Pflegezusatzversicherung wird dennoch deutlich unterschätzt.

Was soll das schon kosten? Laut einer Umfrage der Hansemerkur unterschätzt jeder dritte Deutsche die Pflegelücke erheblich. Bild: Adobe Stock/bilderstoeckchen

Was soll das schon kosten? Laut einer Umfrage der Hansemerkur unterschätzt jeder dritte Deutsche die Pflegelücke erheblich. Bild: Adobe Stock/bilderstoeckchen

Am Donnerstag ist der internationale Tag der Pflegenden. Neben der großen Leistung der hauptberuflich und privat Pflegenden und dem Mangel an Fachkräften weist der Aktionstag auch auf das finanzielle Risiko hin, das im Fall einer Pflegebedürftigkeit über den Betroffenen und ihren Familien schwebt. Das macht Sinn, denn noch immer ist vielen Menschen das Ausmaß der Pflegelücke offenbar nicht bewusst.

Laut der „Hansemerkur Pflegestudie 2022“ gaben 36 Prozent der insgesamt 3.024 Befragten zwischen 18 und 75 Jahren an, dass sie die monatlich selbst zu stemmenden Kosten bei der Unterbringung im Pflegeheim auf durchschnittlich 1.000 Euro schätzen. Tatsächlich würden diese aber bei 2.248 Euro liegen, sagen die Studienautoren mit Verweis auf Angaben des PKV-Verbands aus dem April.

Auch ambulante Pflege schafft Lücken

Eine vdek-Studie kam, Stand Januar, auf einen marginal niedrigeren, bundesweiten Durchschnitts-Eigenanteil. Nichtsdestotrotz bleibt die Lücke in der stationären Pflege groß – und nicht nur dort. Auch bei der ambulanten Pflege in den eigenen vier Wänden müssen die Betroffenen etwa die Hälfte der Kosten selbst aufbringen. Deutschlands größter privater Krankenversicherer, die Debeka, rechnet vor, dass im Falle des höchsten Pflegegrads 5 die Leistungen der Pflegekasse maximal 2.095 Euro betragen, sofern die Pflege durch einen ambulanten Dienst erfolgt. Die tatsächlichen Kosten würden allerdings bei rund 4.200 Euro liegen, was eine Lücke von etwa 2.100 Euro bedeutet.

Noch geringer sind die gesetzlichen Leistungen beziehungsweise die aus der privaten Pflegepflichtversicherung, wenn die ambulante Pflege durch Familienangehörige erfolgt. Eine monetäre Aufwandsentschädigung gibt es ab Pflegegrad 2 (316 Euro monatlich) und maximal 901 Euro für Pflegegrad 5. Das mag in manchen Fällen die Materialkosten decken, allerdings nur, weil die Familienangehörigen ihren Zeitaufwand sowie ihre physische und psychische Belastung mit null Euro ansetzen. So warnt die Debeka davor, sich als pflegende Person nicht zu vergessen. Kleinere Auszeiten und Urlaub seien wichtig, um neue Kraft zu schöpfen und mit der Situation klarzukommen. Mindestes in dieser Zeit brauche es eine fachkundige Vertretung, deren Kosten sich dann wiederum mit den Leistungen der Pflegekasse nicht decken lassen.

Paradox: Gefühlte Pflegezusatz-Relevanz nimmt ab

Dazu kommt, dass viele Menschen im Falle der Pflege eines Familienmitglieds ihre berufliche Tätigkeit einschränken oder aufgeben würden. In der Hansemerkur-Studie gaben das 73 Prozent der Befragten an. Das würde nicht nur ihr eigenes Einkommen reduzieren, sondern auch den derzeitigen Fachkräftemangel in vielen Branchen noch verstärken, meinen die Studienautoren. Zudem empfanden 61 Prozent der Teilnehmer, die bereits jemanden gepflegt haben, diese Aufgabe als belastend. Bei etwa jedem Zweiten schlug sich die Pflegearbeit sogar auf die eigene Gesundheit nieder.

Dennoch halten aktuell nur zehn Prozent der Deutschen eine private Pflegezusatzversicherung, welche die genannte finanzielle Lücke schließen könnte, für wichtig. Das geht aus einer Umfrage des Digitalmaklers Clark hervor, für die Anfang April 1.005 Personen ab 18 Jahren befragt wurden. Obwohl die Anzahl der Pflegebedürftigen hierzulande in den nächsten Jahren perspektivisch deutlich steigen wird, nahm die empfundene Relevanz einer privaten Pflegezusatz-Police im Vergleich zu einer früheren Clark-Umfrage (zwölf Prozent) sogar noch ab.

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