Neue Techniken, neue Herausforderungen

Stefan Terliesner Baugewerbe Berater

Auch im Bauhandwerk verändern sich Produktionsprozesse und Arbeitsweisen permanent. Zum Beispiel wirft die Fertigung per 3D-Drucker gravierende Haftungsfragen auf.

3D-Druck. Bild: Adobe Stock/AA+W

Der 3D-Druck revolutioniert die Fertigung zahlreicher Produkte, bringt allerdings auch neue Haftungsrisiken mit sich. Bild: Adobe Stock/AA+W

Technik ändert sich – und damit auch die mit der jeweiligen Arbeitsweise verbundenen Risiken für den Anwender. Hier geht es um Produkthaftung, Produktrückruf und eventuell eintretende Eigenschäden des Herstellers. Ein Beispiel dafür ist der 3D-Druck, der auch im Bauhandwerk Einzug hält. Der technische Fortschritt ist hier rasant. Vor einem Jahr wurde in der Stadt Beckum das erste gedruckte Haus Deutschlands offiziell eröffnet. Das zweigeschossige Einfamilienhaus wurde von dem Unternehmen Peri mit einem 3D-Betondrucker errichtet. Für 1 m2 Wand benötigte der 3D-Drucker im additiven Verfahren rund fünf Minuten.

Softwarefehler legt Produktion lahm

Einige Versicherer haben frühzeitig auf diese neue Technik reagiert. Um ihre Firmenkunden zu schützen, passten zum Beispiel Allianz und R+V ihre Betriebs- und Produkthaftpflichtversicherung an die neuen Risiken an. Ob Maschinenbauteile, Autozubehör, passgenaue Zahnprothesen oder eben ganze Gebäude: 3D-Drucker stellen selbst hochkomplexe Objekte aus Metall, Kunststoff, Keramik oder Beton per Mausklick her – individuell, schnell und günstig. Doch was passiert, wenn die Bauteile durch einen Fehler der Software unbrauchbar sind, beim Gebrauch zerbrechen oder der Käufer seine Produktion wegen zu hoher Ausschussquoten an mangelhaften Teilen stoppen muss? „Der 3D-Druck wirft neue Fragen zum Versicherungsschutz auf“, sagt Burkhard Krüger, Abteilungsleiter Haftpflicht Firmenkunden bei R+V.

Zum Beispiel könne ein Hersteller seine ursprünglich genutzten Zulieferer nicht mehr in Regress nehmen. R+V habe daher beispielsweise für Firmenkunden, die Produkte in Eigenregie im 3D-Druckverfahren herstellen oder externe 3D-Druckzentren betreiben, die Haftpflichtversicherung erweitert. Und weil generell Risiken vielfältig seien und sich von Bauunternehmen zu Bauunternehmen unterschieden, könnten Kunden risikospezifische Deckungsbausteine auswählen – ein Baustein widme sich dem Risiko 3D-Druck. So erhielten Bauunternehmer einen auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Schutz.