Neue Beraterpflichten: Schritt für Schritt zur Nachhaltigkeitspräferenz

Hannah Petersohn Berater Investmentfonds Versicherungen

 

Der Leitfaden en détail: 1. Abfrage des Wissensstandes

Die Experten haben hierfür ein idealtypisches Frage-Schema für den Beratungsprozess entwickelt. In einem ersten Schritt sollten Berater die Kenntnisse zum Thema Nachhaltigkeit bei ihren Kunden erfragen. Verfügen Verbraucher nicht über das nötige Wissen, ist es an den Beratern diese Lücken zu füllen und einen Überblick zu geben über die „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen.

Im Anschluss sollten Berater ermitteln, inwiefern überhaupt ein grundsätzliches Interesse an Nachhaltigkeitszielen vorhanden ist. Wird diese Frage verneint, ist die Abfrage damit beendet und wird entsprechend dokumentiert. Äußert der Kunde hingegen sein Interesse, müsse er jedoch zuerst darauf hingewiesen werden, dass möglicherweise kein individuelles zu seinen Vorlieben passendes Produkt verfügbar ist.

2. Welcher Schwerpunkt: Social oder Environment?

Im Anschluss sollten Berater die präferierten Schwerpunkte ihrer Kunden herausfinden, wobei der Nachhaltigkeitsfaktor G (Governance) der unter ESG zusammengefassten Kriterien bereits als gegeben angenommen wird, der Fokus also auf S (Social) oder E (Environment) gesetzt werden kann. Wählen Verbraucher keinen Schwerpunkt, solle ihnen das Investment in eine durchschnittlich nachhaltige Anlage ohne speziellen Fokus angeboten werden.

Für jene, die ihre Anlage unter ökologischen Gesichtspunkten (E) auswählen möchten, steht eine breite Themenauswahl zur Verfügung – vom Fokus auf Klimaschutz, über die nachhaltige Nutzung und den Schutz von Waser- und Meeresressourcen über die Vermeidung von Umweltverschmutzung und vielen weiteren. Ähnlich verhält es sich, wenn Kunden ihr Augenmerk auf die sozialen Schwerpunkte (S) legen: Über die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten, die Bekämpfung von Ungleichheiten oder die Förderungen von sozialem Zusammenhalt (und weiteren) stehen als zentrale Themen in der Auswahl.

3. Gewichtung des Schwerpunkts

Ist dann der Schwerpunkt gewählt, wird noch festgelegt, wie stark er gewichtet werden soll: Geht es darum, „einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Ziele“ zu leisten oder genügt es bereits, wenn „lediglich die wichtigsten nachteiligen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren berücksichtigt“ werden? Je nach Antwort verändert sich daran anschließend der Beratungsprozess: Entscheidet sich der Verbraucher für die zweite Antwort, können Berater die Abfrage der Gewichtung und die der Ausschlüsse überspringen.

„Unmittelbar im Anschluss an die Feststellung der Intensität ist die Gewichtung zu ermitteln (Quantität), mit der jeder einzelne Themenbereich (E und S) in dem gewünschten Produkt mindestens vertreten sein sollte. Dies hat in ausreichend granularen Intervallen zu erfolgen. Die Intervalle dürfen maximal 20%-Schritte umfassen (etwa (0 – 20) %, etwa (20 – 40) %, etwa (40 – 60) %, etwa (60 – 80) %, etwa (80 – 100) %)“, erläutert das DIN.

4. Auswahl der Unternehmen

Auch sollten Berater abfragen, ob ihre Kunden ausschließlich in Unternehmen investieren möchten, die bereits nachhaltig arbeiten oder Nachhaltigkeitsziele verfolgen oder auch solche, die erst einmal „nur“ Nachhaltigkeitsfaktoren erreichen wollen.

Die DIN gibt darauffolgend weitere formale Hinweise und Formulierungshilfen sowie allgemeine Erläuterungen zum Nachhaltigkeitsbegriff, zur Taxonomie- und Offenlegungsverordnung, den PAIs (Principle Adverse Impacts), die Berater für das Kundengespräch nutzen können.

Die Vorlage des Norm-Entwurfs ist aktuell bis zum 6. Juli auf der DIN-Website nach der Registrierung/dem Log-In einsehbar („3 Ergänzung eines neuen normativen Anhangs A – Teilanalyse „Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen“). Im August 2022 soll der Entwurf dann finalisiert und abgeschlossen sein.

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