Neue ESG-Beraterpflichten: Schritt für Schritt zur Nachhaltigkeitspräferenz

Hannah Petersohn Berater Investmentfonds Versicherungen

Bereits ab August müssen Finanzberater auch die Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden abfragen – und nicht wenige Vermittler fragen sich: Was muss ich in der Beratung beachten? Eine neue Richtlinie soll Abhilfe schaffen.

Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung Bild: Adobe Stock/khosrork

Finanzberater sollten sich mit den neuen Gepflogenheiten bei der Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kundschaft vertraut machen. Ein neuer Leitfaden gibt Hilfestellung Bild: Adobe Stock/khosrork

Ab 2. August dieses Jahres sind Finanzberater verpflichtet, die Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden abzufragen. Die Bereitschaft, nachhaltige Aspekte in die Beratung einzubauen, ist – gemäß einer aktuellen Umfrage des Bundesverbandes der Versicherungskaufleute (BVK) und des German Sustainability Networks (GSN) unter 300 Versicherungsvermittlern – wohl bei einem Gros der Vermittler vorhanden. Allerdings gehe laut Umfrage die Initiative noch häufig vom Kunden aus. Kein Wunder, schließlich ist manchem Vermittler noch unklar, wie sich die neuen Abfragepflichten in den Beratungsprozess integrieren lassen.

Wer sich also bisher – zurecht – gefragt hat, wie er dabei am besten vorgeht, bekommt nun eine Hilfe an die Hand. Das Deutsche Institut für Normung (DIN) hat den Entwurf des Moduls „Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen“ veröffentlicht, eine Art ergänzenden Leitfaden, der die Beratung strukturieren und vereinfachen, aber auch Anleger schützen soll.

Nach Vorstellungen der Initiatoren soll das Modul künftig als Bestandteil der „Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte“ (DIN-Norm 77230), aber auch losgelöst davon, anwendbar sein. Diese Erweiterung der bereits bestehenden Finanzanalyse sei notwendig, weil die jeweiligen Präferenzen in Sachen Nachhaltigkeit auch das Verhalten und die Einstelllungen der Kunden beeinflussen – und damit einen Teil ihrer Lebenssituation. „Verbraucher werden sehr bald den berechtigten Anspruch stellen, dass ihre Nachhaltigkeitspräferenzen in allen Finanzthemen ihren Niederschlag finden“, glaubt Klaus Möller, Obmann des DIN-Arbeitsausschusses.

Ziel: Verbraucher vor manipulativen Abfragen schützen

Das DIN hat gemeinsam mit Versicherern, Banken, Kapitalanlage-Gesellschaften, Vertrieben, Maklern, Verbänden, Nachhaltigkeitsexperten, Verbraucherschützern und Wissenschaftlern über den Abfrageprozess beraten. Das erklärte Ziel war dabei auch: Verbraucher vor manipulativen Abfragen schützen und ihnen die Möglichkeit geben, sich über ihre Nachhaltigkeitspräferenzen klarzuwerden. Es gehe, so das DIN, um die „neutrale und nicht interessengesteuerte Feststellung des Verbraucherwunsches“, sichergestellt werden solle „eine uneingeschränkt an Kundeninteressen orientierte Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen“.

Gleichzeitig wolle man einen möglichst einfachen Weg zur Feststellung der Nachhaltigkeitspräferenzen aufzeigen und dabei eine „so wenig technische Sprache wie möglich“ verwenden. Da sich die EU-Gesetzesvorlage in der Beratungspraxis sich als sehr komplex erwiesen hat, war das ESG-Modul notwendig geworden, um Beratern eine gesetzeskonforme Finanzberatung zu erleichtern. Sehr konkret wird in dem Entwurf auf die einzelnen Schritte in der Beratung eingegangen. Direkt im Anschluss an die Erstellung des Risikoprofils des Kunden, ganz gleich ob Anleger oder Versicherungsnehmer, soll bereits die Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen erfolgen.

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