Naturgefahrenbilanz 2021: Rekordschaden-Aufkommen von über 12 Milliarden Euro

Hannah Petersohn Berater Versicherungen

Durch die Unwetterereignisse im vergangenen Jahr sind die versicherten Schäden auf einen Rekordwert gestiegen. Das befeuert die Debatte um eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden. Während der Branchenverband GDV dagegen argumentiert, spricht sich der Sachverständigenrat dafür aus.

Naturgefahrenbilanz 2021: Versicherer zahlten 12,7 Milliarden Euro Bild: picture alliance/Zoonar/Stefan Ziese

Das vergangene Jahr sorgte für Rekordschäden durch Naturgefahren. Bild: picture alliance/Zoonar/Stefan Ziese

Sturm, Hagel, Überschwemmung und Starkregen haben im vergangenen Jahr zum höchsten Schadenaufkommen in der Geschichte der deutschen Versicherer geführt. „Bundesweit summierten sich die Schäden durch Naturgefahren auf rund 12,7 Milliarden Euro auf“, so Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

 „Mit 8,2 Milliarden Euro entfiel der größte Teil der Versicherungsschäden auf die Sturzflut „Bernd“ im vergangenen Sommer“, sagte Asmussen. Von der Unwetterfront im Juli 2021 waren vor allem Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz betroffen. Entsprechend fiel die Schadensumme in Nordrhein-Westfalen am höchsten aus: 5,5 Milliarden Euro musste die Versicherer hier bisher zahlen. Rheinland-Pfalz belegt mit drei Milliarden Euro an versicherten Schäden den zweiten Platz in der Statistik. „Allein im Ahrtal summierten sich die Schäden auf rund 2 Milliarden Euro“, so Asmussen. Aber auch in Bayern und Sachsen richtete Starkregen schwere Schäden an.

Kfz-Versicherer: Viertgrößter Hagelschaden seit Beginn der Statistik

Den Hauptanteil der Schäden mit elf Milliarden Euro entfiel auf die Sachversicherung, die Kfz-Sparte war mit 1,7 Milliarden betroffen. Vor allem Kraftfahrzeuge im Süden Deutschlands waren von Sturm und Hagel betroffen. Allein auf die Unwetterserie im Juni 2021 entfielen Kfz-Schäden von rund 700 Millionen Euro. „Insgesamt ist die Unwetterserie für die Kraftfahrtversicherer der viertgrößte Hagelschaden seit Beginn der Statistik“, sagt GDV-Mann Asmussen. Mit über zwei Milliarden Euro ist der „Münchner Hagel“ von 1984 bestands- und preisbereinigt das bislang teuerste Ereignis.

Das vergangene Jahr belegt mit 12,7 Milliarden Euro versicherten Schäden historisch den traurigen Spitzenplatz in der Naturgefahrenbilanz. 1990 kam es durch die Orkanserie „Daria“, „Vivian“ und „Wiebke“ zu einem Schaden in Höhe von 11,5 Milliarden Euro (2. Platz), und 2002 entstanden durch das August-Hochwasser und verheerende Stürmen 11,3 Milliarden Euro versicherte Schäden (3. Platz). Der langjährige Mittelwert pro Jahr beträgt 3,8 Milliarden Euro. Der GDV hat die Angaben jeweils bereits hochgerechnet auf aktuelle Versicherungsdichte und Preise. „Als Folge des Klimawandels müssen wir künftig immer öfter mit Wetterextremen und schweren Schäden rechnen“, warnt Asmussen.

Pflichtversicherung wäre verfassungskonform

Immer wieder wird über die Einführung einer Pflichtversicherung gegen Elementarschäden debattiert. Die Branche ist in der Frage gespalten. Der GDV lehnt eine Pflichtversicherung ab und setzt auf einen sogenannten Opt-Out-Elementarschutz. Dabei ist die Abdeckung automatisch im Vertrag enthalten und Versicherungsnehmer müssen sich aktiv gegen die Absicherung entscheiden. Indessen fordert der Sachverständigenrat für Verbraucherfragen (SVRV) grundlegende Veränderungen und hat für die Einführung einer Versicherungspflicht gegen Elementarschäden plädiert.

Bisher wurde argumentiert, eine solche greife zu sehr in die Vertragsfreiheit ein. Eine Begründung, die der Sachverständigenrat entkräften konnte. Zumal eine Versicherungspflicht von einer Mehrheit der Deutschen akzeptiert werde, so das Ergebnis einer Online-Befragung des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag des SVRV.

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